Master im Doppelpack
Am Ende ihres Bachelorstudiums der Rechtswissenschaft beschloss Ellen Sutter: «Ich habe noch keine internationale Erfahrung gesammelt, das will ich im Masterstudium nachholen. Ich will in eine andere Kultur eintauchen.» Sie entschied sich nicht für ein Austauschsemester, sondern für eine umfassendere internationale Studienerfahrung – einen Double Degree. Die Rechtswissenschaftliche Fakultät der UZH bietet dieses Format für das Masterstudium seit rund 20 Jahren an. Dabei studiert man ein Jahr an der UZH und ein Jahr an einer Partneruniversität. Heute hat die Fakultät dazu Abkommen mit zwölf Universitäten weltweit.
Ellen Sutter entschied sich für den Double Degree an der UZH und der Universität Hongkong: «Ich wollte in ein ganz anderes Umfeld, ausserhalb von Europa.» Und es sprachen weitere Gründe für diese Destination: Ihre Mutter stammt aus China. Sutter ist nicht zweisprachig aufgewachsen, hat aber Chinesisch als Fremdsprache während der Schulzeit gelernt. Der Aufenthalt in Hongkong war auch eine Gelegenheit, die Herkunftskultur ihrer Mutter besser kennenzulernen.
Schwerpunkte setzen
Die Idee eines Double Degrees: Statt wie sonst üblich drei Semester dauert das Masterstudium vier Semester. Dafür erhalten die Studierenden zwei Abschlüsse gleichzeitig: den Master der UZH und einen Abschluss der Partneruniversität – häufig einen Master of Laws, kurz LLM. Dieser rechtswissenschaftliche Masterabschluss ist vor allem im englischsprachigen Raum verbreitet. Juristinnen und Juristen erlangen ihn in der Regel nach dem Studium in einer einjährigen Weiterbildung. Mit dem Double Degree ist dies mit nur einem zusätzlichen Semester bereits während des regulären Studiums möglich.
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Ein Double Degree steigert die Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
«Ein Double Degree steigert die Chancen auf dem Arbeitsmarkt, verbessert die Sprachkenntnisse und man lernt dabei ein zusätzliches Rechtssystem kennen», sagt Professor Andreas Heinemann, bis Sommer 2026 für die Aussenbeziehungen der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der UZH zuständig: «Die Absolvierenden sind nachher nicht unbedingt in London oder New York tätig, aber in der Schweiz zum Beispiel in Unternehmen oder Anwaltskanzleien, die international tätig sind. Da sind gute Englischkenntnisse besonders gefragt.»
Für Ellen Sutter hatte der Double Degree einen weiteren Vorteil: Im Vergleich zum regulären Master kann man dabei inhaltlich stärker Schwerpunkte setzen. Im ersten Jahr des Masters an der UZH hatte sie sich vor allem mit humanitärem Recht und Migrationsrecht beschäftigt. In Hongkong wollte sie einen Kontrast setzen und sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzrecht befassen. Sie interessiert sich stark für die Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Humanitärem: Was kann die Ökonomie zur Friedensförderung beitragen? Welche Rolle spielen dabei etwa wirtschaftliche Stabilität oder Institutionen wie die Weltbank? Hongkong bot sich dafür an: «Die Universität Hongkong hat ein grosses Angebot in Wirtschafts- und Finanzrecht. Das ist kein Zufall, denn die Stadt ist ein international wichtiger Finanzplatz», sagt Sutter.
Verschiedene Rechtssysteme
Das Double-Degree-Programm der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der UZH ist beliebt. Jährlich wählen 50 bis 60 Studierende dieses Angebot. Zu den am meiste gewählten Destinationen der Zürcher Studierenden gehören London, Leuven (Belgien), Maastricht (Niederlande) und New York. Umgekehrt verbringen jeweils 20 bis 30 ausländische Double-Degree-Studierende ein Jahr an der UZH.
Die Auswahl der Partneruniversitäten ergibt sich unter anderem aus bereits bestehenden Kontakten mit anderen Hochschulen. «Vor allem aber erfragen wir die Wunschdestinationen der Studierenden und versuchen entsprechende Abkommen abzuschliessen», sagt Heinemann. Wer ins Programm aufgenommen werden will, muss gute Sprachkenntnisse und Studienleistungen vorweisen.
Hongkong war für Ellen Sutter auch aus juristischer Sicht ein besonderer Studienort, denn die Stadt kennt verschiedene Rechtssysteme. Erstens ist Hongkong Teil von China und kennt damit zum Teil chinesisches Recht. Zweitens ist Hongkong als Sonderverwaltungszone aber nicht nur chinesischem Recht unterstellt. Aufgrund ihrer Vergangenheit als britische Kolonie folgt die Stadt zum Teil weiterhin der britischen Common-Law-Tradition. Darin spielen Gerichtsurteile für die Rechtsprechung eine besonders wichtige Rolle. Dies im Unterschied zum Civil-Law in Kontinentaleuropa, das stärker durch Gesetze geprägt ist. Drittens spielt auf dem Finanzplatz internationales Recht eine zentrale Rolle. So ermöglichte der Double Degree Ellen Sutter Einblicke in die verschiedenen Rechtssysteme einer kulturell vielfältigen Stadt.
Eine ganz praktische Umstellung war für die Schweizerin unter anderem, dass viele Vorlesungen abends stattfanden - weil sie sich auch an Berufstätige richteten. Ihre Dozierenden stammten aus dem asiatischen Raum, aber auch aus Kanada, den USA und Grossbritannien. Die meisten waren nur teilzeitlich an der Universität tätig und arbeiteten daneben etwa in einer Kanzlei oder im Finanzbereich und liessen viele praktische Beispiele in den Unterricht einfliessen. «Wir simulierten in den Veranstaltungen auch oft Klientengespräche, indem wir in die Rolle von Anwältinnen und Anwälten schlüpften», sagt Sutter. Während ihrem Studienjahr in Hongkong schrieb sie zudem mehrere Arbeiten, unter anderem über die Bankenaufsicht auf dem Finanzplatz Hongkong.
Kontakte zu chinesischen Studierenden ergaben sich vor allem im Studierendenhaus. «Da war die Offenheit vor allem bei jenen gross, die bereits selber internationale Erfahrungen gesammelt hatten», sagt Sutter: «Zuvor war meine einzige Referenz für die chinesische Kultur meine Mutter und ihre Verwandtschaft, die wir ein paarmal besucht hatten. Jetzt habe ich gleichaltrige chinesische Freunde, was eine grosse Bereicherung ist.»
Ein Gewinn für den Berufseinstieg
Das Studienjahr hat Ellen Sutter offener und selbstbewusster gemacht, wie sie rückblickend feststellt: «Ich musste mich an einem unbekannten Ort um alles selber kümmern.» Da sie bereits eine zweisprachige Matura in Deutsch und Englisch absolviert hatte, konnte sie sich in Hongkong darauf fokussieren, ihr juristisches Englisch zu verbessern. Gleichzeitig vertiefte sie ihre Kenntnisse der chinesischen Sprache.
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Der Double Degree bietet einen grossen Mehrwert für Studierende.
«Der Double Degree bietet einen grossen Mehrwert für Studierende», so das Fazit von Sutter. Nach ihrem Jahr in Hongkong hat sie ihr Masterstudium abgeschlossen. Jetzt arbeitet sie in einer Anwaltskanzlei mit Schwerpunkt Wirtschaftsrecht, die unter anderem Fälle aus Asien bearbeitet. Ein ideales Anwendungsfeld für das Wissen, das sie in Hongkong erworben hat. Ihr nächstes Ziel ist es, das Anwaltspatent zu machen. «Dass ich neben dem UZH-Master bereits den LLM-Abschluss besitze, ist ein grosser Vorteil. So spare ich Zeit und könnte nach dem Anwaltspatent zum Beispiel direkt ein Doktorat beginnen. Ob ich das tun werde, ist zwar noch offen. Aber es wäre eine gute Gelegenheit, mich weiter mit der Schnittstelle zwischen Finanzwelt und humanitärem Recht zu beschäftigen.»
Internationale Lehrformate an der UZH
Die Möglichkeiten, im Zusammenhang eines Studiums an der UZH internationale Erfahrungen zu sammeln, werden immer vielfältiger. Zu den wichtigsten Formaten gehören:
- Physische Mobilitätsprogramme: Austauschsemester, Forschungsaufenthalte und Kurzprogramme (u.a. Summer/Winter Schools und BIPs) ermöglichen es Studierenden, internationale Hochschul- und Forschungskulturen kennenzulernen und ihre interkulturellen Kompetenzen zu stärken. Die Abteilung Global Student Experience berät und unterstützt Studierende umfassend bei der Planung und Organisation eines Auslandsaufenthalts.
- Virtuelle und hybride Austauschformate: Onlineformate wie das Cooperative Online International Learning (COIL) eröffnen Studierenden interkulturelle Erfahrungen und Perspektivwechsel im digitalen oder hybriden Raum. Manche COIL-basierten Lehrveranstaltungen beinhalten zudem eine kurze Präsenzphase an einer Partnerhochschule. Auch Lehrveranstaltungen vor Ort können internationale Erfahrungen vermitteln, etwa durch die digitale Zuschaltung von Expertinnen und Experten aus dem Ausland oder durch die Arbeit mit Fallbeispielen aus anderen kulturellen Kontexten.
- Joint- und Double-Degree-Programme: Programme wie der Una Europa Joint Bachelor of Arts in European Studies (BAES) und der Bachelor in Sustainability (BASUS) ermöglichen ein strukturiertes internationales Studium mit einem gemeinsam verliehenen Abschluss mehrerer Universitäten.
Unterstützung für Dozierende
Die UZH fördert engagierte Dozierende im Aufbau neuer Lehrformate zur Förderung interkultureller Erfahrungen bei den Studierenden. Dazu stehen den Dozierenden je nach Lehrveranstaltungsformat unterschiedliche Fördermittel zur Verfügung:
• Universitäre Lehrförderung «global_innovation» (ULF): Die Förderlinie global_innovation der Universitären Lehrförderung unterstützt die Umsetzung von Projekten, die Studierenden Internationalisierungserfahrungen auf Modulebene ermöglichen. Entsprechende Kooperationen auf Studienprogrammebene werden durch die Förderlinie program_innovation ermöglicht. Je nach Lehrveranstaltungsformat können auch die Fördermittel der ULF-Förderlinie open_innovation beantragt werden.
• Global Funding Scheme: Das UZH Global Funding Scheme unterstützt Fakultäten, Institute und zentrale Dienste bei der Entwicklung und Umsetzung gemeinsamer Initiativen mit internationalen Partnern.
• BIP-Förderung durch SEMP: Blended Intensive Programmes (BIPs) sind Formate, die es Studierenden und Mitarbeitenden ermöglichen, durch einen kooperativen Lehr- und Lernaustausch internationale Erfahrungen zu sammeln. Ermöglicht werden sie durch Lehrkooperationen in einem Konsortium mehrerer europäischer Universitäten. Seit Herbstsemester 2025 können BIP-Fördermittel mit Fördergeldern der ULF global_innovation kombiniert werden. BIP-Fördergelder können über die Abteilung Global Student Experience beantragt werden.
• Weiterbildung: Die UZH bietet didactica-Kurse zum Thema Internationalisierung in der Lehre an, nützliche Anregungen und Hilfsmittel finden sich auf der Plattform Teaching Tools.
• Erfahrungsaustausch unter Peers: Die UZH fördert den Erfahrungsaustausch unter Dozierenden. Zum Beispiel war der Tag der Lehre im Oktober 2026 dem Thema Internationalität in der Lehre gewidmet.