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Forschungsförderung

10 ERC Starting Grants für die UZH

Von Klimawandel über schwarze Löcher bis zu Mobbing-Prävention reichen die Projekte, für die UZH-Forschende Förderung des Europäischen Forschungsrats zugesprochen erhalten.
Autor: Carole Scheidegger
Lichthof der Universität Zürich Zentrum
Die Starting Grants unterstützen die geförderten Forschenden dabei, ambitionierte Projekte umzusetzen. (Bild: allink/Simon Zangger)

Der Europäische Forschungsrat (ERC) hat bei der diesjährigen Ausschreibung 4'807 Gesuche für Starting Grants erhalten – so viele wie nie zuvor. Davon konnten nur 8,8 Prozent bewilligt werden. Ein Starting Grant umfasst bis zu 1,5 Mio. Euro über einen Zeitraum von maximal fünf Jahren.

Zehn Projekte, die von UZH-Forschenden eingereicht wurden, erhielten einen der begehrten Grants. Insgesamt hatten sich 49 UZH-Forschende beworben, 23 von ihnen kamen in die zweite Runde.

Erfahren Sie mehr über die UZH-Projekte:

Sarah Mundt: Entschlüsselung der Kommunikation zwischen dem Zentralnervensystem (ZNS) und Monozyten bei neuroentzündlichen Erkrankungen (REMIND)

Immunzellen können Gewebe schützen und reparieren, sie können aber auch Entzündungen verstärken und Schäden verursachen. Was entscheidet darüber, welche Rolle sie im entzündeten ZNS übernehmen? Um diese Frage zu untersuchen, befasst sich das Projekt mit Monozyten bei chronischen Neuroentzündungen, mit besonderem Schwerpunkt auf Multipler Sklerose. Monozyten sind eine Untergruppe der Leukozyten, also der weissen Blutkörperchen. Mithilfe von hochauflösenden Einzelzell-Analysen, Multiplex-Bildgebung und genetischen Methoden wird untersucht, wie lokale Umgebungen diese Zellen verändern, und es werden Signale identifiziert, die dazu führen, dass sie eine schützende oder schädliche Wirkung entfalten.

Ziel ist es, Marker für das Fortschreiten der Erkrankung sowie Behandlungsansätze zu finden, die schädliche Immunreaktionen umlenken und gleichzeitig schützende Reaktionen erhalten.

 

Pascale Zwicky: Was Immunzellen den Zugang zu Tumoren ermöglicht oder verwehrt (ExclusionMap)

Immuntherapien haben die Behandlung einiger solider Krebserkrankungen grundlegend verändert, doch viele Patient:innen sprechen nicht auf die Behandlung an oder profitieren nicht langfristig davon. Häufig sammeln sich die Immunzellen, die den Tumor angreifen sollen, an dessen Rand an und erreichen die Krebszellen im Tumorinneren nicht.

ExclusionMap untersucht, wodurch dieser als Immunausschluss bezeichnete Zustand entsteht. Das Projekt kombiniert umfangreiche Tumordaten von Patient:innen mit experimentellen Modellen. So sollen Signale identifiziert werden, die mit dem Immunausschluss in Zusammenhang stehen, und es soll ermittelt werden, welche dieser Signale ihn verursachen. Die Ergebnisse werden eine Grundlage für die Entwicklung therapeutischer Strategien bilden, die Immunzellen einen besseren Zugang zu soliden Tumoren ermöglichen.

 

Morris Brooks: Effektive Theorien für hochdimensionale Quanten- und Wahrscheinlichkeitssysteme (ETQPS)

Das Forschungsprojekt befasst sich mit der mathematischen Untersuchung von Vielteilchensystemen, wie sie sowohl in der Quantenmechanik als auch in der Wahrscheinlichkeitstheorie vorkommen. Diese Systeme, auch bekannt  als «Fluch der Dimensionalität», gelten als äusserst schwierig zu lösen, da ihre Komplexität mit der Anzahl der wechselwirkenden Teilchen rasant zunimmt.

Das Projekt zielt darauf ab zu verstehen, wie aus den zugrunde liegenden komplexen mikroskopischen Strukturen makroskopische Muster entstehen und wie sich diese mithilfe einer niedrigdimensionalen Theorie, mit der sich wesentlich einfacher arbeiten lässt, effektiv beschreiben lassen.

 

Nina Hartrampf: LASSOVERSE – Lasso-Peptide als Plattform für neue Antibiotika

Zunehmende Antibiotikaresistenzen stellen eine grosse Herausforderung für das Gesundheitssystem dar und erfordern innovative Ansätze. In LASSOVERSE werden sogenannte Lasso-Peptide, Naturstoffe mit einzigartiger, lassoartiger Struktur, als Gerüst für zukünftige Medikamente untersucht.

Das Projekt verbindet Chemie und Biologie, um Methoden zur Herstellung und gezielten Modifizierung dieser Moleküle zu entwickeln. Dabei sollen ihre Eigenschaften gezielt optimiert und ihr therapeutisches Potenzial untersucht werden. Ziel ist es, diese bislang weitgehend unerforschten Naturstoffe für die Entwicklung neuer antimikrobieller Therapien nutzbar zu machen.

 

Christoph Kehle: Kritikalität und Instabilität Schwarzer Löcher (CIBHS)

Extremale Schwarze Löcher sind eine besondere Klasse von Lösungen der Einstein-Gleichungen. Es handelt sich um Schwarze Löcher, bei denen die elektrische Ladung oder der Drehimpuls den für eine gegebene Masse maximal möglichen Wert erreicht hat. Gemäss der Thermodynamik Schwarzer Löcher haben sie die Temperatur null, also den absoluten Nullpunkt. Deshalb galten sie lange als idealisierter, unerreichbarer Grenzfall.

Neue mathematische Erkenntnisse zeigen jedoch, dass extremale Schwarze Löcher tatsächlich in endlicher Zeit entstehen können, wenn elektrisch geladene Materie unter ihrer eigenen Schwerkraft kollabiert. Aufbauend auf dieser Entdeckung untersucht das Projekt die dynamische Rolle extremaler Schwarzer Löcher, wobei Kritikalität, Universalität und Instabilität im Zentrum stehen.

 

Emma Hoes: Die verborgene Politik der Alltagsmedien: Ein neuer Ansatz zur Untersuchung politischen Lernens (HIDDENPOL)

Die Forschung zu Medien und Politik befasst sich überwiegend mit Nachrichten und politischen Botschaften. Diese machen jedoch nur 3 Prozent dessen aus, womit Menschen online in Berührung kommen. HIDDENPOL richtet den Blick stattdessen auf die übrigen 97 Prozent: Unterhaltung, Lifestyle-Websites, Blogs und Influencer:innen in sozialen Medien.

Das Projekt verbindet gross angelegte computergestützte Analysen dieser Inhalte in den Niederlanden, Spanien und den Vereinigten Staaten mit Umfrage- und Feldexperimenten. Dabei wird untersucht, ob diese Inhalte unbemerkt die Werte und Überzeugungen der Bevölkerung prägen. Ziel ist es herauszufinden, wo sich politischer Einfluss in jenen Medien verbirgt, die selbst keinen Anspruch erheben, politisch zu sein.

 

Ana Costa-Ramon: Kindheit schützen: Mobbing, Online-Risiken und Aufbau von Humankapital (SAFECHILD)

Jede:r sechste europäische Jugendliche wird in der Schule gemobbt, und noch viel mehr Teenager sind im Internet Belästigungen und schädlichen Inhalten ausgesetzt. Dennoch weiss die Forschung nur wenig darüber, welche bleibenden Schäden diese Erfahrungen verursachen, oder welche Massnahmen tatsächlich präventiv wirken.

Das Projekt SAFECHILD wird diese Lücke schliessen, indem es untersucht, wie sich ein gross angelegtes Anti-Mobbing-Programm langfristig auf die Ausbildung und den beruflichen Werdegang der Kinder bis ins Erwachsenenalter auswirkt. Ausserdem wird untersucht, ob Eltern die Online-Risiken ihrer Kinder richtig einschätzen, und in einem Experiment wird geprüft, ob Tools zur elterlichen Überwachung und andere Präventionsmassnahmen das Lernen und die psychische Gesundheit der Kinder schützen können.

 

Diego R. Känzig: Die Makroökonomie des Klimawandels: Quantifizierung physischer Risiken und Transitionsrisiken (CLIMACRO)

Der Klimawandel bedroht Volkswirtschaften auf der ganzen Welt. Doch die gesamten wirtschaftlichen Kosten und die mit der Klimapolitik verbundenen Zielkonflikte sind nach wie vor ungewiss. Dieses Projekt untersucht, wie sich steigende Temperaturen auf Wachstum, Gesundheit, Konsum und Preise auswirken und wie sich diese Effekte über den Handel auf andere Länder ausbreiten. Ausserdem untersucht es die wirtschaftlichen Auswirkungen von Massnahmen wie CO₂-Bepreisung, grünen Investitionen und Subventionen.

Durch die Kombination neuer Daten, moderner empirischer Methoden und ökonomischer Modelle wird das Projekt bessere Schätzungen der Klimaschäden ermöglichen und Entscheidungsgrundlagen dafür schaffen, wie dem Klimawandel am besten begegnet werden kann.

 

Transferierte Grants

Zwei weitere Grants, die von Forschenden eingeworben wurden, die zum Zeitpunkt des Gesuchs an der UZH tätig waren, werden an andere Hochschulen transferiert:

Isabel Raabe: Blending Online and Offline Social Ties: How digital and inperson social processes in peer-family-embedded networks shape educational inequalities

Vakil Takhaveev: Error or Program? Resolving the Mechanisms of Ageing via High-Resolution Cross-Species Mapping of Major DNA-Damage Types