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ERC Consolidator Grants

Neun ERC Consolidator Grants für UZH Forschende

In einem überaus kompetitiven Umfeld konnten neun Forschende der UZH Consolidator Grants des European Research Councils ERC gewinnen und sicherten Fördergelder für ambitionierte Projekte in verschiedensten Fachbereichen.
Barbara Simpson
Luftaufnahme des UZH-Hauptgebäudes
Neun UZH-Forschende und ihre Gruppen erhielten einen ERC Consolidator Grant, was einer Erfolgsquote von 22 % entspricht. (Bild: Manfred Richter)

Noch nie war der Wettbewerb um die Consolidator Grants des Europäischen Forschungsrats (ERC) so stark wie dieses Jahr: 3121 Anträge wurden eingereicht, was einem Anstieg von 35% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Etwas mehr als 11% der Antragstellenden waren erfolgreich. Sie werden in 25 Ländern in Europa und darüber hinaus Spitzenforschung betreiben.

In diesem kompetitiven Umfeld schnitten die Eingaben der UZH bemerkenswert erfolgreich ab: Neun Forschende und ihre Gruppen erhielten einen Grant, was einer Erfolgsquote von 22% entspricht. Die Projekte sind thematisch breit angesiedelt: Drei Grants gingen an die Philosophische Fakultät, drei an die Wirtschafts­wissen­schaft­liche Fakultät, zwei an die Medizinische Fakultät und eines an ein Doppelinstitut der Medizinischen und Mathematisch-natur­wissen­schaft­lichen Fakultät.

Insgesamt vergab der ERC in diesem Jahr 349 Consolidator Grants und damit 728 Millionen Euro an vielversprechende Nachwuchsforschende in Europa. Die Consolidator Grants richten sich an Forschende, die ihr Doktorat vor sieben bis zwölf Jahren abgeschlossen haben. Sie unterstützen ambitionierte Forschungsprojekte und ermöglichen es den Stipendiaten, eigene Forschungsteams aufzubauen oder zu verstärken und ihre wissenschaftliche Karriere zu festigen.

2025 war das erste Jahr, in welchem sich die Schweiz wieder an den ERC-Ausschreibungen beteiligen konnte. Nach drei Jahren der Ersatzfinanzierung durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) konnten sich Forschende in der Schweiz dieses Jahr wieder direkt um ERC Starting, Synergy, Consolidator und Proof of Concept Grants bewerben.

Das Projekt untersucht, wie der Urheberrechtsschutz die Produktion und Wiederverwendung von Musik, Filmen, Büchern und Nachrichten beeinflusst. Auf Grundlage von detaillierten Datensätzen zu einzelnen Produkten soll mittels modernster empirischer Methoden die optimale Dauer des Urheberrechtsschutzes ermittelt werden. Am Beispiel von Musik und Nachrichten untersucht Aguiar, wie sich die Wiederverwendung auf den Wert und die Sichtbarkeit der Originalwerke, beziehungsweise auf den Zugang zu Informationen über soziale Plattformen auswirkt. Die Ergebnisse werden evidenzbasierte Leitlinien für die Gestaltung von Richtlinien für das Urheberrecht liefern, die besser auf die heutigen digitalen Märkte zugeschnitten sind.

Luis Aguiar

Der Urheberrechtsschutz prägt die Art und Weise, wie kreative Werke produziert und wiederverwendet werden, doch die heutigen Urheberrechtsrichtlinien spiegeln oft eher historische Präzedenzfälle als strenge wirtschaftliche Erkenntnisse wider.

Luis Aguiar
Assistenzprofessor für Management und Ökonomie der digitalen Transformation

Debjani Bhattacharyya: Fair-weather finance – historical antecedents to climate risk management

In diesem Projekt wird untersucht, warum marktbasierte Instrumente – wie Emissionshandel, Wetterderivate, parametrische Versicherungen und Katastrophenanleihen – für das Management von Klimarisiken eine zentrale Rolle übernommen haben. Anhand von Versicherungsarchiven aus dem 18. Jahrhundert und darüber hinaus wird analysiert, wie Finanzinstitute meteorologisches Wissen, Risikomessinstrumente, Zeichnungsrichtlinien und Durchsetzungsmechanismen gestaltet haben. Ziel der Forschung ist es, zu erklären, wie der sich verändernde Begriff des Klimas vom Geschäftsfeld des Risikomanagements beeinflusst wurde und warum der aktuelle Umgang mit Klimarisiken mehr von Marktmechanismen als von Regulierungen gesteuert wird.

Debjani Bhattacharyya

Warum haben wir uns zur Bewältigung der Klimakrise überwiegend dem Markt zugewandt? Wir wollen die Rolle der Finanzinstitute bei der Entstehung der Klimawissenschaft untersuchen.

Debjani Bhattacharyya
Professorin für die Geschichte des Anthropozäns

Lorenzo Casaburi: Land markets and economic development

Land ist eine der wertvollsten Ressourcen in Ländern mit niedrigem Einkommen, doch die Grundstückmärkte sind nach wie vor wenig erforscht. Dieses Projekt untersucht, wie sich der Zugang zu Land und Landbesitz auf die Lebensgrundlagen, die Produktivität und das städtische Wachstum in Subsahara-Afrika auswirken. Dafür kombininert Casaburi Verwaltungsdaten, Satellitenbilder und innovative Feldversuche um herauszufinden, wie sich die Märkte verändern, und welche kausalen Auswirkungen die Teilnahme an diesen Märkten zeigen. Die Ergebnisse werden neue Erkenntnisse über die Funktionsweise von Grundstückmärkten liefern und als Grundlage für politische Massnahmen dienen, die einen gerechteren Zugang zu Land und eine nachhaltigere wirtschaftliche Entwicklung fördern.

Lorenzo Casaburi

Das Projekt konzentriert sich auf zwei Kernfragen: Wie entwickeln sich Grundstückmärkte und welche kausalen Auswirkungen hat die Teilnahme an ihnen?

Lorenzo Casaburi
UBS Foundation Associate Professor für Entwicklungsökonomie

Maya Eden: How should governments respond to declining birth rates, if at all?

Die Geburtenraten sind fast überall rückläufig. Was sollten Regierungen dagegen unternehmen? Sollten sie Anreize schaffen, damit die Menschen mehr Kinder bekommen? Zu welchen Kosten und aus welchen Gründen? Das Ziel dieses Projekts ist es, diese politische Diskussion zu bereichern, indem relevante ethische Überlegungen in die wirtschaftliche Bewertung der Bevölkerungspolitik einbezogen werden.

Maya Eden

Sollten Regierungen versuchen, Anreize zu schaffen, damit die Menschen mehr Kinder bekommen? Zu welchen Kosten und aus welchen Gründen?

Maya Eden
Professorin für Volkswirtschaft

John Mansfield: Conceptual diversity and the evolution of abstract thought

Eine der grössten Herausforderungen für die Anthropologie und Archäologie ist es, zu erklären, wie abstrakte Gedanken, die über Tausende von Generationen weitergegeben wurden, ursprünglich entstanden sind. Das Projekt wird eine Methode erarbeiten, um die Entwicklung abstrakter Konzepte, insbesondere Spiritualität, Ethik und soziale Beziehungen, zu rekonstruieren. Dass Projekt wendet neuartige statistische Techniken auf linguistische und anthropologische Daten aus mehreren Hundert Kulturkreisen an, um historische Entwicklungen abzuleiten, die zur heutigen konzeptuellen Vielfalt geführt haben. Die Forschung zielt darauf ab, unser Wissen über die Geschichte des menschlichen Denkens zu erweitern und soll gleichzeitig intellektuelle Traditionen hervorheben, die durch die Globalisierung am stärksten bedroht sind.

John Mansfield

Unsere Gedanken über Moral, Gesellschaft und Spiritualität mögen sehr persönlich sein, aber sie basieren auf einer langen Geschichte der kulturellen Evolution.

John Mansfield
Institut für die interdisziplinäre Erforschung der Sprachentwicklung

Francesco Paneni: Early-life stress-induced cardiovascular disease

Stress, der durch Erfahrungen wie Gewalt, Vernachlässigung oder Traumata in der Kindheit hervorgerufen wurde, steht in Zusammenhang mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Erwachsenenalter, doch die Mechanismen dafür sind noch unklar. Das Projekt BETonSTRESS untersucht, wie solcher Stress epigenetische Veränderungen im Zusammenhang mit Herzerkrankungen beeinflusst. Die Forschung konzentriert sich auf die Rolle epigenetischer Leseproteine, insbesondere von BET-Proteinen, und untersucht ihr therapeutisches Potenzial zur Behandlung stressbedingter Herzerkrankungen. Das Projekt zielt darauf ab, neue therapeutische Ansatzpunkte zu identifizieren und Präventionsstrategien zu verbessern.

Francesco Paneni

Das Projekt soll unser Verständnis und die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die mit Stress in der frühen Kindheit zusammenhängen, verbessern.

Francesco Paneni
Professor für Kardiologie

Christoph Schneider: Tuft cells and innate immunity against intestinal parasites

Tuft-Zellen sind Epithelzellen, die auf chemische Reize reagieren und in Barrieregeweben vorkommen. Das Projekt untersucht, wie sie Darmparasiten (Helminthen) erkennen und darauf reagieren. Ziel ist es, Instrumente zu entwickeln, mit denen die Aktivierung von Tuftzellen verfolgt, von Helminthen stammende Agonisten und ihre Rezeptoren identifiziert und Proteinnetzwerke kartiert werden können, die die Effektoraktivitäten von Tuftzellen steuern. Die Arbeit wird wichtige Lücken in unserem Verständnis der angeborenen Immunität schliessen und allgemein anwendbare methodische Fortschritte für die Epithelzellforschung liefern.

Christoph Schneider

Dieses Projekt versucht, die Mechanismen aufzudecken, mit denen Tuftzellen multizelluläre Parasiten erkennen und auf sie reagieren – ein Prozess, der bislang nur unzureichend verstanden ist.

Christoph Schneider
Professor für Physiologie

Ataman Sendoel: Protein synthesis control in tumor-initiating cells

In Tumoren treibt eine kleine Population sogenannter tumorinitiierender Zellen das Krebswachstum und die Therapieresistenz voran. Noch ist weitgehend unklar, wie sie die Proteinsynthese regulieren. Dieses Projekt entwickelt Technologien, um die Proteinproduktion in einzelnen Krebszellen in ihrer natürlichen Umgebung zu messen. Die Forschung soll die Mechanismen aufzeigen, die die Tumorinitiierung und -resistenz aufrechterhalten. Sie zielt darauf ab, Schwachstellen in diesen Mechanismen aufzudecken, die als Grundlage für Therapien dienen könnten, die direkt auf die tumorinitiierenden Zellen abzielen.

Ataman Sendoel

Unser Team wird untersuchen, wie Krebszellen die Proteinsynthese regulieren, ein Prozess, der für die Umwandlung genetischer Informationen in die Funktionsweise der Zelle unerlässlich ist.

Ataman Sendoel
Professor am Institut für Regenerative Medizin

Amber Gayle Thalmayer: The Pan-African Longitudinal Study

Mit einer gross angelegten Studie in sechs afrikanischen Ländern möchte das Projekt der westlichen Voreingenommenheit in der psychologischen Forschung entgegentreten. An der Studie werden pro Land 1500 Personen aus über 100 ethnolinguistischen Gruppen teilnehmen. Untersucht wird, wie der soziokulturelle Kontext die psychische Gesundheit, die Persönlichkeit, die religiöse Bindung, die Werte und andere Aspekte prägt. Zusammen mit einem grossen panafrikanischen Team wird PALS wichtige Daten liefern, mit denen die psychologische Theorie aktualisiert werden kann, um sowohl Universalität als auch kulturelle Unterschiede besser zu berücksichtigen.

Amber Gayle Thalmayer

Der Fokus der aktuellen Psychologie liegt einseitig auf Menschen in westlichen Ländern. Längsschnittstudien, die untersuchen, wie sich psychologische Phänomene entwickeln, werden ausserhalb der reichen Länder so gut wie gar nicht durchgeführt.

Amber Gayle Thalmayer
Professorin für Persönlichkeit, Geistige Gesundheit und Kultur