Internationale Beziehungen

Mehr Präsenz auf dem internationalen Parkett

Die UZH ist attraktiv – als Partnerin für Kooperationsprojekte genauso wie als Wirkungsstätte für hoffnungsvolle Talente und Top-Forschende aus aller Welt. Noch aber hat sich das rund um den Globus zu wenig herumgesprochen. Deshalb ergreift die UZH jetzt Massnahmen, um ihre Netzwerke weiter zu stärken und ihre Vorzüge international besser zur Geltung bringen.

David Werner1 Kommentar

Globus
Die UZH treibt ihre Internationalisierung voran. (Bild: iStock)

 

«Die UZH geniesst international einen guten Ruf, gemessen an ihren Leistungen und Qualitäten müsste ihre globale Ausstrahlung aber noch stärker sein», sagt Rektor Michael Hengartner. Zieht man harte Kriterien wie zum Beispiel den Anteil an besonders häufig zitierten wissenschaftlichen Publikationen in Betracht, gehört die UZH zur internationalen Top-Liga und steht auf Augenhöhe mit Oxford oder der ETH. Was ihre Reputation anbelangt, erreicht die UZH gemäss internationalen Rankings aber tiefere Werte. Wie kommt es zu dieser Diskrepanz? «Einer der Gründe dafür liegt darin, dass wir auf internationaler Ebene zu wenig Gewicht auf unsere Aussendarstellung gelegt haben», stellt Michael Hengartner fest. «Wir haben in gut schweizerischer Manier darauf vertraut, dass es reicht, qualitativ gute Arbeit zu machen, und uns zu wenig darum gekümmert, unsere Qualitäten global sichtbar zu machen.» Dieses Manko soll nun behoben werden.

Erste Schritte sind getan

Seit fünf Jahren verfügt die UZH über eine Internationalisierungsstrategie, seither hat sie einige Ziele erreicht, andere noch nicht. Die Zahl englischsprachiger Studienprogramme zum Beispiel wächst, ebenso die Zahl der Studierenden, die einen Teil ihres Studiums im Ausland verbringen. Die Fakultäten haben Mobilitätsfenster eingerichtet, und die verbesserten Voraussetzungen zur Teilnahme an Summer Schools verhilft immer mehr Studierenden zu anregender Auslanderfahrung in zeitlich komprimierter Form. Von ihrem ehrgeizigen Ziel, dass 50 Prozent ihrer Studierenden einen Teil des Studiums im Ausland absolvieren, ist die UZH allerdings noch weit entfernt.

Internationalisierung in vielen Dimensionen

Die UZH treibt ihre Internationalisierung auf verschiedenen Ebenen voran. So fördert sie neben der Studierendenmobilität auch Auslandaufenthalte von Nachwuchsforschenden. Forschungskooperationen, strategische Partnerschaften, die Mitgliedschaft bei internationalen Netzwerken, globales Engagement bei Zukunftsfragen und die Präsenz bei internationalen Foren und Organisationen sind weitere Dimensionen der internationalen Vernetzung. «Die Internationalisierungsstrategie von 2014 hat der UZH geholfen, das Thema internationale Vernetzung in allen Dimensionen auf eine höhere Wahrnehmungsstufe zu bringen», sagt Christian Schwarzenegger, Prorektor Professuren und Wissenschaftliche Information.

Starke universitäre Netzwerke

Eine direkte Konsequenz der Internationalisierungsstrategie war zum Beispiel der Beitritt der UZH zum Hochschulnetzwerk «Universitas 21» vor zwei Jahren. 27 exzellente Hochschulen auf allen sechs Kontinenten gehören dazu, darunter die Fudan-Universität in Shanghai, die Waseda-Universität in Tokyo, die National University of Singapore, die UNSW Australia, die University of Edinburgh, die University of British Columbia und das Tecnológico de Monterrey in Mexiko. «Das U21-Netzwerk bewährt sich als Ergänzung zur «League of European Research Universities» (LERU), der die UZH seit 2006 angehört», sagt Michael Hengartner. «Während die LERU einen grossen Teil der besten Forschungsuniversitäten Europas versammelt und eine starke Stimme in der europäischen Hochschulpolitik hat, verschafft uns die Mitgliedschaft bei U21 mehr Präsenz ausserhalb Europas.»

Nützliche strategische Partnerschaften

Besonders wirkungsvolle Hebel zur Stärkung der internationalen Präsenz der UZH sind laut Michael Hengartner und Christian Schwarzenegger strategische Partnerschaften mit anderen Universitäten. Seit 2017 pflegt die UZH drei strategische Partnerschaften: mit der Freien Universität Berlin, mit der Karls-Universität in Prag und – auf nationaler Ebene – mit der Universität Genf. Weitere strategische oder prioritäre Partnerschaften sollen folgen, und die bereits aufgegleisten Partnerschaften sollen breiter abgestützt werden. Zum Spektrum der Austauschmöglichkeiten mit strategischen Partneruniversitäten gehören kompetitiv ausgeschriebene Gelder für gemeinsame Forschungsprojekte, Gastprofessuren, gemeinsame Lehrveranstaltungen, Kursangebote und Summer Schools. Auch die Zusammenarbeit bei der Nachwuchsförderung, bei der Entwicklung neuer Lehrformate und bei der institutionellen Entwicklung gehört dazu. «Wir wollen darauf hinarbeiten, im Rahmen unserer strategischen Partnerschaften künftig das ganze Spektrum an Austauschmöglichkeiten zu nutzen», sagt Michael Hengartner.

Mehr Diversität, mehr Kreativität, mehr Impact

Dass sich internationale Kooperationen lohnen, zeigt sich besonders eindrücklich in der Forschung. Mehr Diversität innerhalb der Forschungsteams führt zu mehr Kreativität und damit zu interessanteren Ergebnissen. «Wir beobachten ausserdem, dass Forschungsergebnisse international zusammengesetzter Teams innerhalb der Wissenschaft häufiger zitiert werden, also mehr Resonanz erzielen als andere», sagt Schwarzenegger.

In den meisten Fällen gründen internationale Forschungskooperationen auf der Initiative einzelner Forscherinnen und Forscher. Sie lassen sich bei der Wahl ihrer Kooperationspartner von ihren Interessen leiten und nutzen ihre eigenen Netzwerke. «Strategische oder prioritäre Partnerschaften zwischen Universitäten stehen zu diesen punktuellen Initiativen nicht in Konkurrenz, sondern bilden eine Ergänzung dazu», betont Schwarzenegger. «Sie bieten den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusätzliche Gelegenheiten, über die Institutions- und Landesgrenzen hinweg zusammenzuspannen.» 

Beispiel Kyoto

Langfristig angelegte Partnerschaften auf universitärer Ebene führen zu Synergie- und Multiplikationseffekten, darin liegt ihr spezifischer Vorteil. Projekte, die im Rahmen solcher Partnerschaften lanciert werden, regen oft weitere Projekte an. Sie öffnen Türen, die sonst verschlossen geblieben wären. Als exemplarischen Fall dafür nennt Christian Schwarzenegger die Partnerschaft mit der Universität Kyoto, die von der UZH vor drei Jahren initiiert wurde. 

Die Universität Kyoto glänzt mit einer starken medizinischen Forschung und konnte in letzter Zeit mehrere Nobelpreise für sich verbuchen. Fachlich bestehen zahlreiche Berührungspunkte zu starken Forschungsbereichen der UZH wie zum Beispiel Bildgebung, Stammzellenforschung, regenerative Medizin und Präzisionsmedizin. In mehreren gemeinsam durchgeführten Workshops konnten vielversprechende Kooperationsbereiche identifiziert und persönliche Kontakte aufgebaut werden. 2019 startete das erste «Research Lab in Residence»-Programm, das es zwei Forscherinnen der UZH ermöglicht, im Center for iPS Cell Research and Application (CiRA) in Kyoto mit Spezialisten für reprogrammierte Stammzellen zusammenzuarbeiten.

Zukunftspläne

Noch ist die UZH bezüglich Internationalisierung nicht dort, wo sie hinmöchte. «Wir wollen den Studierendenaustausch deutlich erhöhen und die internationale Zusammenarbeit in allen universitären Bereichen von der Lehre bis zur Forschung fördern», sagt Michael Hengartner. «Dazu müssen wir unsere Partnerschaften und Netzwerke ausbauen, müssen mehr Präsenz bei internationalen Foren wie dem WEF zeigen und müssen auf Forschungsebene enger mit internationalen Organisationen wie der OECD zusammenarbeiten. Und nicht zuletzt müssen wir unsere internationale Aussendarstellung wirkungsvoller gestalten.»

Internationale Sichtbarkeit sei dabei kein Selbstzweck, führt Schwarzenegger aus, sondern eine Voraussetzung, um im Wettbewerb um die besten Köpfe zu bestehen. «Wir wollen, dass hervorragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler rund um den Globus vermehrt auf die UZH aufmerksam werden», sagt er. Damit leistet die UZH auch einen wichtigen Beitrag dazu, die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Forschungs- Bildungs- und Innovationsstandorts Schweiz zu erhalten.

Ansätze für einen wirkungsvolleren internationalen Auftritt der UZH gibt es bereits, so wird die UZH zum Beispiel von Swissnex Bosten und Swissnex Shanghai bei Auftritten auf internationalem Parkett unterstützt. Das allein aber reicht nicht. «Um international signifikant an Statur und Profil zu gewinnen, brauchen wir eine internationale Branding-Strategie», sagt Michael Hengartner. «Wir müssen planmässig darauf hinarbeiten, international ein kohärentes, wiedererkennbares, unverwechselbares Bild unserer Universität zu vermitteln und die Marke UZH besser in den Köpfen zu verankern.»

Reorganisation der Abteilung Internationale Beziehungen 

Die UZH steht also auf der internationalen Bühne vor grossen Herausforderungen. Um sie meistern zu können, werden die entsprechenden Zuständigkeiten und Aufgaben neu organisiert. Die Abteilung internationale Beziehungen, die derzeit noch beim Prorektorat Professuren und Wissenschaftliche Information angesiedelt ist, wird direkt Michael Hengartner zugeordnet. Das ist sinnvoll, weil die Vertretung der Universität nach aussen Sache des Rektors ist. Ein Findungsverfahren für die künftige Leitung der Abteilung wird in den nächsten Wochen gestartet.

Damit sich die Abteilung internationale Beziehungen künftig auf die Aufgabe konzentrieren kann, die globale Vernetzung und Sichtbarkeit der UZH strategisch zu stärken, wird das dienstleistungsorienterte und beratungsintensive Dossier internationale Studierendenmobilität aus der Abteilung internationale Beziehungen ausgegliedert und in das von Gabriele Siegert geführte Prorektorat Lehre und Studium integriert. 

Die genannten Neuerungen treten im Verlaufe des Jahres 2020 in Kraft. Rektor Michael Hengartner wird für den Rest der laufenden Amtszeit (bis Sommer 2022) von Prorektor Christian Schwarzenegger dabei unterstützt, die internationalen Beziehungen der UZH zu stärken. «Das Team der Abteilung internationale Beziehungen leistet einen grossen Effort, um die Neuausrichtung zum Erfolg zu machen und zugleich das Tagesgeschäft auf hohem Niveau am Laufen zu halten», sagt Christian Schwarzenegger. 

David Werner, Leiter Storytelling & Inhouse Media

1 Leserkommentar

Martin Billeter schrieb am Internationalisierung vorantreiben Der vorliegende Artikel spricht ganz aus meinem Herzen. Es ist der grosse Vorteil des schweizerischen Universitäts-Systems, dass ein grosser Teil der Professoren vom Ausland her kommt, sehr zum Aerger der SVP, welche immer wieder moniert, dass Ausländer mit kaum besserem Leistungsausweis in Lehre und Forschung Schweizern vorgezogen würden. Dass nationale Inzucht verderblich ist, wird vor allem klar in Italien, wo ein Ausländer kaum Chancen auf eine Professur haben. Dies führt zu einem brain drain: fähige junge Absolventen wandern ins Ausland, vor allem nach Frankreich Grossbritannien und den USA. Bei diesen Bestrebungen sollte aber nicht auf die verschiedenen internationalen Rankings geschielt werden, wie dies die ETHZ immer wieder vorspielt. Dieses Sichsonnen ist verderblich; solche Nabelschau ist nicht nur lächerlich, sondern äusserst kontraproduktiv. Die kürzlichen Negativ-Schlagzeilen zum Physik-Institut sind wohl mindestens zum Teil auf diese Kommunikationen zurückzuführen.

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