Internationale Perspektiven, exzellente Leistungen
Sei es in einer Vorlesung mit Gästen aus dem Ausland, in einem Forschungspraktikum an einer Partneruniversiät oder in einem Austauschsemester in einem anderen Land: Die Möglichkeiten, während dem Studium an der Universität Zürich internationale Erfahrungen zu sammeln sind vielfältig. Studierende können auf unterschiedlichen Wegen den eigenen Horizont erweitern und neue Perspektiven kennenlernen.
Unter dem Motto «Bringing the world into your classroom» widmete sich der diesjährige Tag der Lehre der Internationalisierung von Studium und Lehre. In verschiedenen Diskussionsrunden tauschten sich Dozierende darüber aus, wie internationale Erfahrungen und Perspektiven in den Studienalltag an der Universität Zürich (UZH) integriert werden können.
Den feierlichen Höhepunkt des Tages bildete die Würdigung herausragender akademischer Leistungen in der Aula der UZH: 68 Studierende wurden für ihre wissenschaftlichen Arbeiten aus dem Herbstsemester 2025 und dem Frühjahrssemester 2026 mit einem Semesterpreis ausgezeichnet. Ebenfalls geehrt wurden die Absolventinnen und Absolventen der hochschuldidaktischen Programme, darunter Teaching Skills und der CAS in Hochschuldidaktik, sowie die Trägerin des Orelli-Preises der Rechtswissenschaftlichen Fakultät.
Eigene Annahmen hinterfragen
In seiner Laudatio griff Rektor Michael Schaepman das Tagesthema auf und verdeutlichte anhand einer persönlichen Anekdote, wie wichtig das Bewusstsein für kulturelle Unterschiede im internationalen Austausch ist. Bei einem Besuch an einer niederländischen Universität sorgte er unbeabsichtigt für Verwirrung, als er ein Gastgeschenk nicht sofort öffnete. Dabei erfuhr er, dass es in den Niederlanden als Zeichen des Respekts gilt, solche Geschenke direkt vor den Augen der Schenkenden auszupacken. In Japan hingegen sei genau das Gegenteil der Fall: Dort gilt es als unhöflich, ein formelles Gastgeschenk direkt zu öffnen.
«Internationale Erfahrungen erinnern uns daran, dass vieles auch ganz anders sein kann», reflektierte Schaepman dieses Erlebnis in seiner Ansprache. «Kommen wir mit anderen Perspektiven in Kontakt, lernen wir nicht nur Neues über andere Länder oder Kulturen. Wir lernen auch, die eigenen Annahmen zu hinterfragen.» Für ihn ist klar: Mit internationalen Erfahrungen auf verschiedenen Ebenen können Studierende an der Universität Zürich Kompetenzen entwickeln, die in einer global vernetzten Welt besonders wertvoll sind.
Das Ausland nach Zürich holen
Internationale Erfahrungen tragen zu exzellenten Studienleistungen bei, indem sie neue Perspektiven eröffnen, den interkulturellen Austausch fördern und die Fähigkeit stärken, komplexe Fragestellungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. «Solche Erfahrungen machen für mich einen wichtigen Teil dessen aus, was Studieren bedeutet», betonte Gabriele Siegert, Prorektorin Lehre und Studium, in ihrer Eröffnungsrede. Alle Studierenden sollten im Verlauf ihres Studiums die Möglichkeit zu einer prägenden internationalen Erfahrung erhalten und diese auch wahrnehmen. Dies sei ein erklärtes Ziel der UZH, so Siegert.
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Es geht darum, möglichst viele unterschiedliche Wege zu eröffnen, den eigenen Horizont zu erweitern und neue Perspektiven kennenzulernen.
Dies heisst jedoch nicht, dass alle Studierende ein Semester im Ausland verbringen müssen. Internationalisierung beginnt bereits im Studienalltag vor Ort: durch innovative Lehrformate, die digitalen Angebote internationaler Hochschulnetzwerke wie Universitas 21 und Una Europa oder den direkten Austausch an der UZH mit Studierenden und Dozierenden aus aller Welt. «Es geht nicht darum, dass alle Studierenden dieselbe internationale Erfahrung machen», so Siegert. «Es geht darum, möglichst viele unterschiedliche Wege zu eröffnen, den eigenen Horizont zu erweitern und neue Perspektiven kennenzulernen.»
Kultureller Austausch, neue Perspektiven
Den Dozierenden bot der Tag der Lehre eine gute Gelegenheit, sich über unterschiedliche Ansätze zur Förderung der Internationalisierung auszutauschen und voneinander zu lernen. Wie kann Unterricht internationaler gestaltet werden? Welche Lehrformate mit internationalem Aspekt gibt es überhaupt? Und welche Hürden gilt es zu überwinden, wenn Studierende aus verschiedenen Ländern gemeinsam lernen? Über diese und weitere Fragen wurde in verschiedenen Workshops diskutiert.
Catherine Housecroft, emeritierte Chemieprofessorin der Universität Basel und diesjährige Ehrendoktorin der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der UZH, gab in ihrer Keynote Einblicke in ihre internationale Lehrtätigkeit an Hochschulen in acht Städten rund um die Welt. Sie berichtete, wie es ihr gelingt ihren Unterricht an unterschiedliche kulturelle Gepflogenheiten anzupassen und dabei stets Geduld zu bewahren. Besonders wichtig seien ihr dabei eine offene Kommunikation, die Vermittlung ihrer Begeisterung für Chemie und die Verknüpfung wissenschaftlicher Inhalte mit gesellschaftlichen Fragen.
Spielerische Lehre
Benjamin Wilding, Senior Lecturer in Finance und diesjähriger Lehrpreisträger, gab einen Einblick in seine Summer School «Finance for the Future». Jeden Sommer kommen dafür Studierende aus aller Welt nach Zürich, um sich auf spielerische Weise mit Finanzfragen auseinanderzusetzen.
Während drei Wochen treffen die Teilnehmenden in kleinen Gruppen im Rahmen von Simulationen eigene Finanzentscheidungen – etwa beim fiktiven Betrieb einer Schokoladenfabrik. Dieser spielerische und praxisorientierte Lehransatz schafft eine offene Lernatmosphäre, in der sich Studierende mit unterschiedlichen fachlichen Vorkenntnissen und kulturellen Hintergründen rasch zurechtfinden und gemeinsam lernen können.
Wilding stellte die Summer School zusammen mit Finance-Studentin Sarina Haas vor, die diesen Sommer selbst daran teilgenommen hatte. Für sie war der Austausch mit Studierenden aus anderen Ländern sehr wertvoll. Sie fand es aufschlussreich zu sehen, wie unterschiedliche kulturelle und akademische Hintergründe die Diskussionen und Entscheidungen in den Gruppen beeinflussten. «Auf solch einen bereichernden internationalen Austausch möchte ich weiterhin Wert legen – im Studium und auch in meiner zukünftigen beruflichen Laufbahn», erklärte sie in der Diskussion.
Nach einem Programm voller anregender Gespräche und konkreter Anstösse klang der Tag bei einem geselligen Apéro im Lichthof aus, der allen Teilnehmenden nochmals die Möglichkeit bot, sich über fachliche und kulturelle Grenzen hinweg auszutauschen.