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Götz-Preis 2026

Krebszellen gezielt ausbremsen

Raphael Morscher vom Universitäts-Kinderspital Zürich hat den Georg-Friedrich-Götz-Preis erhalten. Ausgezeichnet wird seine Forschung zu einem neuen Therapieansatz gegen Neuroblastome: Die Krebszellen werden über ihren Stoffwechsel angegriffen – mit einem Medikament und einer gezielt angepassten Ernährung.
UZH Kommunikation
Dekan Frank Rühli, Preisträger Raphael Morscher und Direktorin der Universitären Medizin Beatrice Beck-Schimmer
Der Preisträger Raphael Morscher mit dem Dekan der Medizinischen Fakultät, Frank Rühli, und der Direktorin der Universitären Medizin Zürich, Beatrice Beck-Schimmer. (Bild: Christoph Stulz/USZ)

Am Day of Clinical Research am Universitätsspital Zürich wurde am 21. Mai 2026 der Georg-Friedrich-Götz-Preis an Raphael Morscher verliehen. Morscher ist Ober­arzt und Forschungs­gruppen­leiter am Universitäts-Kinderspital Zürich. Er unter­sucht, welche Stoffwechsel­prozesse Krebs­zellen zum Wachsen brauchen und wie sich diese thera­peutisch nutzen lassen.

Raphael Morscher: Stoffwechsel als Schwachstelle von Krebszellen

Krebs gehört zu den häufigen Todes­ursachen bei Kindern in der Schweiz. Besonders schwierig zu behandeln sind Hoch­risiko­erkrankungen wie das Neuro­blastom, bei dem Tumoren aus unreifen Nerven­zellen entstehen. In der Schweiz sind jedes Jahr rund 15 bis 20 Kinder betroffen. Trotz intensiver Therapien können nicht alle Kinder langfristig geheilt werden.

Raphael Morscher und sein Team untersuchen, welche Stoff­wechsel­prozesse Krebs­zellen zum Wachsen brauchen. In ihrer Studie analysierten die Forschenden am Universitäts-Kinderspital Zürich den Stoff­wechsel von Hochrisiko-Neuro­blastomen mit hochauflösender Massen­spektro­metrie. Dabei zeigte sich, dass die Tumor­zellen besonders stark vom Polyamin­stoffwechsel abhängig sind. Polyamine sind Moleküle, die für das Wachstum unreifer Krebs­zellen wichtig sind.

Diese Abhängig­keit lässt sich thera­peu­tisch nutzen: Der Wirkstoff Difluoro­methyl­ornithin, kurz DFMO, hemmt die Bildung von Polyaminen. Morscher und sein Team konnten zeigen, dass sich die Wirkung des Medika­ments deutlich verstärkt, wenn gleich­zeitig bestimmte Amino­säuren reduziert werden, welche die Krebs­zellen für die Polyamin­produktion benötigen. Möglich war dies über eine präzise Diät oder über extern zugeführte Enzyme, die diese Bausteine direkt aus der Blut­bahn entfernen. Die Krebs­zellen geraten dadurch unter metabolischen Stress.

In den Untersuchungen wurde nicht nur ihr Wachstum gebremst. Die aggressiven Neuro­blastom­zellen stoppten auch ihr bös­artiges Programm und gingen in einen Zustand der zellulären Differen­zierung über. Sie entwickelten sich also stärker in Richtung reifer Nervenzellen.

Aufbauend auf diesen Ergeb­nissen arbeitet Morschers Team am Universitäts-Kinderspital Zürich gemein­sam mit internationalen Partnern an einer klini­schen Studie zur Behand­lung von Kindern mit Krebs. Auch im Nationalen Forschungs­schwerpunkt «Children & Cancer» wird Raphael Morscher seine Forschung zum Stoff­wechsel von Krebs­zellen weiter vertiefen.

Die Arbeit wurde in der Fachzeitschrift «Nature» veröffentlicht und wurde zusätzlich auf dem Cover und einem Kommentar hervorgehoben.