Sport: Neues Kompetenzzentrum

Fans, Medaillen, Doping und Big Money

Sport ist überall und immer. In den Medien, in den Stadien, im Gerichtssaal, im Wettbüro, an Konferenztischen und in den Köpfen. Das neue «Center for Research in Sports Administration» bündelt die Forschungsaktivitäten zum Sport an der Universität Zürich.

Roland Gysin

Sport ist grosses Business. Mit einem Gesamtumsatz von über 15 Milliarden Franken leistet der Sport einen Beitrag von 1,8 Prozent zum Bruttoinlandprodukt der Schweiz, ein Anteil der über vier Mal so hoch ist, wie die jährlichen Ausgaben des Bundes für die Entwicklungszusammenarbeit. 2005 gab es im Sport über 80'000 Vollzeitstellen. Besonders wichtig: Sporttourismus, Sportanlagen und Sporthandel.

Schuss und Goal: Forschen und Debattieren über Sport neu unter dem Dach des «Center for Research in Sports Administration». (Bild: Gerd Altmann/pixelio.de)

Trefflich debattieren und forschen

Sport ist aber nicht nur Geschäft und Zahlen, über Sport lässt sich auch trefflich debattieren und forschen. Zum Beispiel über die volkswirtschaftliche Wirkung von grossen Sportereignissen, über die rechtlichen Folgen von Verstössen gegen Dopingvorschriften, über das Zusammenwirken von Sportlern, Fans, Sponsoren und Medien, über die Voraussagefähigkeit von Sportwetten oder die Anzahl Goldmedaillen an Olympischen Spielen.

Damit all diese Themen künftig unter einem gemeinsamen interdisziplinären Forschungsdach angegangen werden können, gibt es an der Universität Zürich neu ein spezielles Kompetenzzentrum, das «Center for Research in Sports Administration» (CRSA). Leiter ist Helmut Dietl, Professor für Services- und Operationsmanagement.

Für die breite Öffentlichkeit

Gemäss Dietl sollen mittelfristig im CRSA «die verstreuten Forschungsaktivitäten der Universität Zürich im Bereich Sport gebündelt und damit international besser sichtbar gemacht werden». So wie bereits im Bereich der Sportökonomie, in dem die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät weltweit die Nummer 1 ist, gemessen an der Anzahl zitierter Forschungsarbeiten und Downloads.

Die Forschungsresultate möchten die am CRSA beteiligten Wissenschaftler aber nicht nur Fachkreisen, sondern auch der breiten Öffentlichkeit bekannt machen.

Egon Franck, Gabriele Siegert, Helmut Dietl, Ulrich Woitek (v.l.), Gründungsmitglieder des «Center for Research in Sports Administration» (nicht im Bild: Ulrich Haas). (Bild: Roland Gysin)

Ein Vorbild sind etwa die sportkolumnistischen Beiträge von Helmut Dietl und Egon Franck, die zwischen 2004 und 2009 in der «Neuen Zürcher Zeitung» erschienen sind. Die Texte liegen unter dem Titel «Millisekunden und Milliarden. 30 Analysen zur Ökonomie des Sports» auch als handliches Buch im Postkartenformat vor.

Langfristiges Ziel von Dietl ist es, die Universität Zürich mit dem CRSA «zu einem der weltweit führenden Forschungsstandorte im Sportmanagement, im Sportrecht und in der Sportverwaltung zu machen». Mit Ausbaumöglichkeiten: Bereits haben verschiedene Professoren aus der Psychologie, der Geschichte oder aus dem Marketing Interesse an einer Zusammenarbeit signalisiert.

Interdisziplinarität gross geschrieben

Neben dem Leiter Helmut Dietl, Professor für Services- und Operationsmanagement, gehören zum Gründungsteam des «Center for Research in Sports Administration»: Egon Franck, Professor für Betriebswirtschaftslehre, Ulrich Woitek, Professor für Neuere Wirtschaftsgeschichte in Verbindung mit Volkswirtschaftslehre, Ulrich Haas, Professor für Zivilverfahrens- und Privatrecht und seit 2002 Richter am Internationalen Sportschiedsgericht in Lausanne, sowie Gabriele Siegert, Professorin für Publizistikwissenschaft mit Schwerpunkt Medienökonomie. Schlank gehalten ist die Bürokratie des neuen Zentrums: Für die Koordinationsaufgaben gibt es eine Teilzeit-Stelle. Geplant ist «in substanziellem Umfang Drittmittel einzuwerben», zum Beispiel «bei den in der Schweiz domizilierten Sportinstitutionen». Eine Website ist im Aufbau begriffen.

Roland Gysin ist Leiter Publishing UZH.

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