Wie seriös ist der News-Konsum junger Erwachsener?
Gemäss der Studie nutzen die jungen Erwachsenen täglich im Durchschnitt etwa 400 Minuten lang ihr Smartphone, 170 Minuten davon widmeten sie Social Media. Nur gerade 7 Minuten lang riefen sie Online-Nachrichten aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Human Touch, Sport oder anderen Themenbereichen auf. «Das ist sehr wenig», kommentiert Medienforscher Mark Eisenegger, «das reicht nicht, um eine ganze ‹Tagesschau› anzusehen.» Am häufigsten wurden News-Webseiten von «20 Minuten» aufgerufen, gefolgt von srf.ch. Nur gerade 2% der jungen Erwachsenen widmeten den journalistisch aufbereiteten Nachrichten täglich 30 Minuten oder mehr.
Gespür für seriöse Quellen
An der Studie waren neben dem Team von Eisenegger auch Adrian Rauchfleisch (Taiwan State University), Pascal Jürgens (Universität Trier) und Karl Aberer (EPFL) beteiligt. Sie erfassten für die Studie systematisch sämtliche Domains, die die 18- bis 25-Jährigen Studienteilnehmenden Tag für Tag auf dem Smartphone aufriefen. Die Domains wurden mit einer breiten Liste von 3500 nationalen und internationalen News-Websites abgeglichen, auf denen möglichst alle möglichen News-Websites, auch unseriöse wie beispielsweise «legitim.ch» oder «uncut-news.ch», vertreten waren.
Als positiv wertet Eisenegger die Tatsache, dass nur sehr wenige der User:innen problematische News-Websites aufriefen, auf denen Verschwörungstheorien oder Desinformationen verbreitet wurden: «Das ist für eine Demokratie ein zentraler Befund: Junge Erwachsene scheinen ein Gespür dafür zu haben, welchen Informationsquellen sie vertrauen können.» Einen weiteren Aspekt konnte die Studie zeigen: Im Vorfeld von politischen Abstimmungen griffen junge Erwachsene vermehrt auf etablierte, journalistische News-Websites zu.
KI-Content auf Kosten von News-Websites
KI ist zurzeit erst für 18% der jungen Erwachsenen eine zentrale Quelle für Nachrichten, mit Aufwärtstrend, so Medienforscher Eisenegger. Er gibt zu bedenken, dass der wachsende Konsum von KI-Content den journalistischen Medien das Wasser abgräbt – weil viele Konsument:innen nur mehr die Antwort der KI überfliegen und nicht auf die Links mit den Quellen klicken. Dadurch verliert der Journalismus weiter an Reichweite – und damit auch an Einnahmen.