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UZH-Spin-off im Jahresrückblick

Vom Labor auf den Markt

Im letzten Jahr sind an der UZH fünf neue Spin-offs entstanden, die ihre forschungsbasierten Ideen zur Marktreife bringen. Die neuen Firmen entwickeln innovative Ansätze zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen, Bleivergiftungen, Blutkrebs und Endometriose sowie zur besseren Diagnostik in der Mundgesundheit.
Nathalie Huber
Viele Spin-offs basieren auf Forschungsarbeiten in den Laboren der UZH. Zum Beispiel entwickelt das Start-up ATLyphe AG Antikörper zur Stimulation von Immunzellen, die potenziell in der Behandlung von Erkrankungen der Blutstammzellen eingesetzt werden könnten, während Seito Biologics AG an einer neuen Immuntherapie gegen Autoimmunkrankheiten arbeitet. (Bild: iStock / skynesher)

Jährlich gründen talentierte Studierende und Forschende der Universität Zürich eigene Unternehmen und erwecken innovative Geschäftskonzepte zum Leben. Im letzten Jahr haben fünf Teams einen Lizenzvertrag mit der UZH unterzeichnet, um neue Methoden und Technologien zu kommerzialisieren. Die neuen Spin-offs beruhen auf Forschungsarbeiten in den Bereichen Medizin, Zahnmedizin und Chemie.

Bessere Mundgesundheit

Digitale Scantechnologien, dank derer man die Zähne und den Mundinnenraum mit optischen Kameras hochpräzise vermessen kann, sind in Zahnarztpraxen zunehmend verbreitet. Diese Scan-Daten eröffnen – neben der Herstellung von Zahnersatz – vielfältige diagnostische Möglichkeiten. Das Spin-off Dentexion entwickelt eine Softwareplattform, die es Zahnärzt:innen erlaubt, 3D-Daten von Patient:innen zu analysieren und Veränderungen über die Zeit zu bewerten. Die Technologie, entwickelt an der Abteilung für Computergestützte Restaurative Zahnmedizin, analysiert 3D-Scans mittels KI auf Komponenten wie Zähne, Zahnfleisch und Knochen, um dann krankhafte Veränderungen frühzeitig zu erkennen und zu dokumentieren, was gerade bei Abbau von Zahngewebe oder Entzündungen hilfreich ist.
Dentexion GmbH

Hoffnung bei Bleivergiftungen

Nahrung, Leitungswasser oder auch Luftpartikel, die mit Blei kontaminiert sind, bergen Gesundheitsrisiken. Bereits geringe Mengen des Schwermetalls können zu Nierenschäden, Anämie, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Versagen sowie kognitiven und neurologischen Beeinträchtigungen führen.

Derzeit gibt es nur zwei Medikamente zur Behandlung schwerer Bleivergiftungen. Über 90 Prozent der diagnostizierten Fälle bleiben unbehandelt. Das will die Chemikerin Michal Shoshan mit ihrem Spin-off metaLead Therapeutics AG ändern. Sie und ihr Team am Institut für Chemie haben neuartige kurze Peptide entwickelt, die die Nachteile herkömmlicher Therapien überwinden. Von den rund 50 synthetisierten Peptiden zeigen acht vielversprechende Eigenschaften. Der führende und im Tiermodell getestete Wirkstoffkandidat senkte den Bleigehalt in Blut, Gehirn und Leber signifikant, ohne die essenziellen Metallkonzentrationen zu beeinträchtigen.
metaLead Therapeutics AG

Immuntherapie gegen Blutkrebs

Das Spin-off ATLyphe AG entwickelt Antikörper zur Stimulation von Immunzellen, die in Zukunft für die Behandlung von Blutstammzellerkrankungen angewendet werden könnten. Das aktuelle Hauptprojekt fokussiert einen Antikörper, der T-Zellen aktiviert, um Akute Myeloische Leukämie zu bekämpfen. Aufgrund der strukturellen Ähnlichkeiten zwischen kranken Leukämiezellen und gesunden Blutstammzellen könnte dieser biospezifische Antikörper zukünftig auch vor der Transplantation von fremden oder genetisch korrigierten blutbildenden Stammzellen zum Einsatz kommen. Dies wäre nicht nur für Patient:innen mit akuter myeloischer Leukämie, sondern auch für Patient:innen mit anderen Leukämien und angeborenen Bluterkrankungen eine vielversprechende Behandlungsoption. Demnächst wird mit einer Phase-I-Studie die Sicherheit und Wirksamkeit der Therapie bei Menschen mit akuter myeloischer Leukämie überprüft. ATLyphe basiert auf Forschungsarbeiten an der UZH und ETH Zürich. Es wird geleitet von Markus Manz, Professor für Hämatologie und Direktor der Klinik für Medizinische Onkologie und Hämatologie am Universitätsspital Zürich, und Dario Neri, Professor an der ETH Zürich.
ATLyphe AG

Neue Endometriose-Therapie

Das Spin-off FimmCyte forscht an einer neuen Behandlung für Endometriose, eine Krankheit, bei der Gebärmutterschleimhaut-ähnliche Zellen ausserhalb der Gebärmutter wachsen. Endometriose verursacht oft starke chronische Schmerzen; weltweit sind schätzungsweise rund 10 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter davon betroffen. Statt der üblichen Hormonbehandlungen oder Operationen setzt FimmCyte auf eine Antikörpertherapie. Die von der Jungfirma entwickelten Antikörper erkennen ein bestimmtes Protein, das in Endometriosezellen übermässig vorhanden ist, und ermöglichen so eine direkte Behandlung der betroffenen Gewebe.

Die wissenschaftliche Entdeckung stammt aus dem Labor von Brigitte Leeners, UZH-Professorin für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Die Nachwuchsforschenden Valentina Vongrad und Mohaned Shilaih aus ihrem Team haben diese spezifische Proteinüberexpression entdeckt und daraufhin die Antikörpertherapie entwickelt. Aktuell befindet sich die Behandlung in der Testphase.
FimmCyte

Innovativer Therapieansatz für Autoimmunerkrankungen

Seito Biologics AG entwickelt eine neue Immuntherapie gegen Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes, multiple Sklerose, rheumatoide Arthritis und systemischer Lupus erythematodes. Anders als herkömmliche Behandlungen, die das Immunsystem unterdrücken und so das Infektions- und Krebsrisiko erhöhen, setzt das Spin-off auf die Regulierung des Immunsystems. Dazu arbeitet das Spin-off an einer Therapie mit Treg-Zell-Engagern. Diese zielen darauf ab, regulatorische T-Zellen, auch bekannt als Treg-Zellen, zu verbessern. Treg-Zellen helfen, das Immunsystem in Schach zu halten, indem sie übermässige oder fehlgeleitete Immunreaktionen verhindern. Die Therapie verbessert sowohl die Funktion als auch die Anzahl dieser Treg-Zellen. Damit stabilisiert sie das Immunsystem und verhindert so, dass es sich fälschlicherweise gegen den eigenen Körper richtet, was bei Autoimmunerkrankungen der Fall ist. Die vielversprechende Therapie basiert auf Forschungen des UZH-Lehrstuhls für Klinische Immunologie und Allergologie.
Seito Biologics AG

Bemerkenswerte Erfolge

Auch etablierte Spin-offs haben im letzten Jahr viel erreicht. 152 Spin-offs sind seit 1999 an der UZH entstanden.

Seit 1999 entstanden an der UZH 152 Spin-offs, von denen 129 (85%) weiterhin aktiv sind. Dieses Ergebnis ist insofern bemerkenswert, als gemäss aktueller Zahlen des Bundesamts für Statistik die landesweite Überlebensrate neugegründeter Unternehmen nach fünf Jahren nur bei rund 50% liegt. Einige dieser UZH-Spin-offs zeichneten sich im vergangenen Jahr durch besonderen Erfolg aus.

  • Navignostics wurde mit einem Innosuisse-Grant von knapp 2,4 Mio. Franken gefördert. Das 2022 gegründete Spin-off entwickelt neuartige diagnostische Methoden, um Tumorproben zu analysieren.
  • InCephalo wird mit einem Stipendium des europäischen Förderprogramms «Eurostars» mit 2,3 Millionen Euro unterstützt. Die Biotechfirma kann somit ihre Technologieplattform zur Bekämpfung von Hirntumoren weiterentwickeln.
  • Das Biotech-Start-up EraCal Therapeutics Ltd. ging mit Nestlé Health Science eine Forschungskooperation ein. Diese zielt darauf ab, neuartige Nutrazeutika zur Kontrolle der Nahrungsaufnahme zu identifizieren.
  • Die UZH-Spin-offs askEarth und Prometheus Life Technologies wurden ausgewählt, um dem Swiss Space Incubator ESA BIC Switzerland beizutreten. Dieser Inkubator fördert Schweizer Hightech-Start-ups mit Weltraumbezug, indem er technische, geschäftliche und finanzielle Unterstützung sowie Möglichkeiten zur Vernetzung und zum Aufbau von Gemeinschaften bietet.
  • Für Cutiss, ein UZH-Spin-off, das massgeschneiderte Hauttransplantate entwickelt, war 2023 ein äusserst erfolgreiches Jahr: Im März testete es die Regeneration von Hautzellen mit einem Experiment in der internationalen Raumstation ISS. Die Resultate der klinischen Phase-II-Studie belegen für das Hautprodukt «denovoSkin» eine hochsignifikante Wirksamkeit. Von Innosuisse erhält Cutiss einen Förderbeitrag von 2,5 Mio. Franken, um das zukunftsweisende Automatisierungsprogramm voranzutreiben.
  • IniVation kooperiert mit der ETH Zürich, um seine neuartigen Hochgeschwindigkeits-Augensensoren in VR- und AR-Brillen zu integrieren.

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