10 Jahre UZH Foundation

Treibstoff für neue Ideen

Die UZH Foundation wirbt seit zehn Jahren erfolgreich Fördergelder für Forschung, Lehre und Innovation ein. Unter anderem für das Digital Entrepreneur Fellowship. Dieses bietet Starthilfe, um aus Forschung im digitalen Bereich ein marktreifes Produkt oder eine Anwendung für die Industrie zu entwickeln.

Jeannine Hegelbach

Merens Derungs und Marta Marciniak
Merens Derungs und Marta Marciniak
Digitale Unternehmer dank der Födergelder der UZH Foundation: Merens Derungs und Marta Marciniak. (Bild: Stefan Walter)


«Es war purer Zufall, dass ich in einer E-Mail der Universität auf die Ausschreibung des Digital Entrepreneur Fellowship aufmerksam wurde», erinnert sich Merens Derungs, der 2021 der erste Fellowship-Grantee war. Zu diesem Zeitpunkt schrieb er gerade an seiner Dissertation zum Thema digitale Aktien und fand, sein Projekt könnte gut ins Programm passen. «Bei einer digitalen Aktie wird nicht mehr ein physisches Wertpapier, sondern ein digitaler Token herausgegeben. Die Schweiz ist einer der ersten Staaten, die dies erlauben», erklärt er.

Das detaillierte Wissen über Kapitalmärkte und deren Gesetzgebungen hatte Derungs unter anderem im Praktikumsjahr für sein Anwaltspatent in Zürich erworben. Damals sei er jedoch noch kein Fan der Kryptowelt und digitaler Assets gewesen. Das änderte sich, als ihn Professor Caspar von der Crone, bei dem er seine Dissertation schreiben wollte, beauftragte, einen Artikel über digitale Assets zu verfassen. Derungs entschied sich daraufhin, ein Startup zu gründen, das auf der Digitalisierung von Aktien basiert. Mit dieser Idee gewann er das erste Digital Entrepreneur Fellowship 2021.

Von der Idee zum Businesskonzept

Merens Derungs
Merens Derungs
Fellow Merens Derungs entwickelt dank der Fördergelder der UZH Foundation einen digitalen Marktplatz für Startups. (Bild: Stefan Walter)

Profitieren konnte Derungs vor allem vom Coaching. «Das Fellowship-Programm stellte mir einen Coach zur Seite. Dieser führte mich durch die verschiedenen Schritte beim Aufbau eines Startups», erzählt Derungs rückblickend. Er habe ihm geholfen, die Idee zu einem soliden Businesskonzept weiterzuentwickeln. Basierend darauf gründete Derungs vor ein paar Monaten die Firma ­Arcton. Ziel des Startups ist es, einen Marktplatz für die Finanzierung von Startups zu bauen, der auf der Blockchain basiert. Über diese Plattform könnten neugegründete Unternehmen schneller und günstiger Investoren aus der ganzen Welt finden, indem sie digitalisierte Aktien ihres Unternehmens anbieten. Im Gegenzug könnten Investoren sehr diversifiziert und bereits mit kleinen Beträgen in interessante Startups investieren und müssten auch nicht zehn Jahre warten, bis sie ihre Anteile wieder veräussern können.

Neben dem Coaching konnte Derungs vom Renommee des Fellowship profitieren. Es verlieh seinem Kryptoprojekt die nötige Glaubwürdigkeit, was ihm zahlreiche Türen geöffnet habe. Die Anschubfinanzierung von 100'000 Franken nutzte der junge Jurist für den Kauf von Lizenzen und Software und um sich und seinem Team einen kleinen Lohn zu zahlen. Neben seinem Co-Founder Thomas Charrière arbeiten aktuell drei Entwickler in Georgien an der Arcton-Plattform, die Ende dieses Jahres live gehen soll.

Mental-Well-Being-App für Frauen

Marta Marciniak
Marta Marciniak
Die Fellow Marta Marciniak entwickelt eine App für Frauen. (Bild: Stefan Walter)

Im Dezember 2022 startet Marta Marciniak, eine der beiden diesjährigen Fellows, mit ihrem Programm. Die gebürtige Polin hat Psychologie studiert und entwickelt eine Mental-Well-Being-App für Frauen. Als Postdoc wollte sie ihre psychologische Forschung praktisch anwenden, um Menschen zu helfen. In Zürich hat sie für das Forschungsprojekt DynaMORE – Dynamic Modeling of Resilience – gearbeitet. Dort entwickelte sie App-basierte Interventionen, die die psychische Gesundheit verbessern. Mit dem Fellowship will sie nun eine App-Intervention bis zur Marktreife weiterentwickeln.

Die meisten der bereits existierenden Apps basieren nicht auf wissenschaftlich getesteten Interventionen und gehen nicht speziell auf die Bedürfnisse von Frauen ein. Dies, obwohl Frauen doppelt so oft wie Männer an stressbedingten psychischen Störungen leiden und durch die hormonellen Schwankungen des Monatszyklus zusätzlich belastet sind. «Dank dem Fellowship kann ich mich nach der Dissertation voll auf die Entwicklung einer Mental-Well-Being-App für den Markt konzentrieren. Ich werde die Geldmittel hauptsächlich dafür einsetzen, ein Team zu finanzieren», sagt Marciniak. Ein Teil werde zudem für Fokusgruppen verwendet. Die App wird in enger Zusammenarbeit mit den Endnutzerinnen entwickelt.

Marciniak und Derungs gehören zu den Gewinnern der Fellowships und profitieren damit vom finanziellen Zustupf und dem Coaching. Doch Merens Derungs findet, sich um ein Fellowship zu bewerben, lohne sich auch, wenn man am Ende nicht gewinne. «Es hat mir geholfen, die eigene Anwendungsidee zu konzeptualisieren. Zudem ist es eine gute Übung fürs Pitchen und man erhält wertvolles Feedback zum Businesskonzept.»

Begeistert von den Digital Entrepreneur Fellowships ist auch Markus Hagmann, Präsident des Stiftungsrates der Hans-Eggenberger-Stiftung, die das Programm finanziell ermöglicht. «Hans Eggenberger war ein Pionier, der das Radio in die Schweiz brachte. Als er 1922 in Zürich zum ersten Mal dieses neuartige Gerät vorführte, das Musik aus der Luft empfangen konnte, staunten die Leute nicht schlecht», erzählt Hagmann schmunzelnd. Hans Eggenberger gründete ein erfolgreiches Unternehmen, das elektronische Geräte wie Radios und Fernseher in die Schweiz importierte, und verdiente damit reichlich Geld. Da er keine Kinder hatte, wurde das Vermögen einer Stiftung mit seinem Namen übertragen.

Damals brachte die Technik grosse gesellschaftliche Umwälzungen mit sich, wie dies heute auch mit der Digitalisierung geschieht. Gerade die Gründung eines Startups im Bereich der Blockchain wie das von Merens Derungs sei hochinteressant, sagt Hagmann. Ausserdem sei es Hans Eggenberger schon zeitlebens ein grosses Anliegen gewesen, Jungunternehmer zu unterstützen. Den ursprünglichen Stiftungsauftrag zur Förderung von Elektronik und Elektrotechnik hat man mittlerweile auch auf die IT ausgeweitet. Deshalb sei das Digital Entrepreneur Fellowship ein spannendes Projekt, das zum Stiftungszweck passe, so Hagmann.

UZH Foundation ermöglicht Fellowships

Das Digital Entrepreneur Fellowship ist ein Beispiel für die neuen Programme an der UZH, mit denen gezielt innovative Forschung gefördert wird. Bereits 2017 kreierte der UZH Innovation Hub ein UZH Entrepreneur Fellowship im Bereich Biotech. Das Fellowship war so erfolgreich, dass bereits ein Jahr später auch eine MedTech-Schiene eingeführt wurde. Nun habe man dieses vielversprechende Förderinstrument auch auf digitale Innovation ausgeweitet, sagt Maria Olivares, die Leiterin des Innovation Hub der UZH.

Allerdings: Der UZH Innovation Hub hat keine eigenen Gelder für die Umsetzung eines solchen Projekts. «Bei Förderinstrumenten wie dem Fellowship sind wir deshalb stark auf Drittmittel, also Donationen und Stiftungsgelder, angewiesen», sagt Olivares. «Die UZH Foundation kann uns hier professionell unterstützen. Sie kennt den Markt und hat einen guten Überblick, mit welchen Themen man an potenzielle Zielgruppen herantreten kann. Mit der Hans-Eggenberger-Stiftung hat sie den perfekten Partner für die Finanzierung des Fellowship gefunden.»

Bullinger und Corona

Die UZH Foundation baut Brücken zwischen Stiftungen, Unternehmen, privaten Geldgebern und Gönnern und universitären Forschungsprojekten, die wegweisende Entwicklungen für die Gesellschaft ermöglichen und die Karrieren von jungen Talenten vorantreiben. «Solche Projekte können oft nicht mit öffentlichen Geldern finanziert werden», sagt Annelise Alig Anderhalden, CEO der UZH Foundation. Die privaten Gelder, die die Foundation einwirbt, ermöglichen zusätzliche innovative Forschung an der UZH oder beschleunigen diese.

Dass die unterstützten Projekte im Endeffekt wiederum der Gesellschaft zugutekommen, zeigen zahlreiche Beispiele wie etwa die Forschung zur Sichelzell­anämie. Die schwere genetische Erkrankung konnte bisher nur mit teurer Gentherapie behandelt werden, bis ein Team der Universität Zürich nachweisen konnte, dass ein bereits bekanntes Alzheimer-Medikament gegen die tödliche Sichelung der Blutzellen schützt.

Die von der UZH Foundation ermöglichten Forschungsstudien zum Coronavirus sind ein aktuelles Beispiel, das deutlich macht, welche Relevanz die geförderten Projekte für unsere Gesellschaft haben. Während des Lockdowns 2020 startete die UZH Foundation zusammen mit der UZH erstmals ein Crowdfunding für einen Pandemiefonds, mit dem Forschung zum Coronavirus finanziert werden konnte. «Dank der Ergebnisse dieser Studien konnten die Schulen wieder früher geöffnet werden», sagt Alig. Auch die Digitalisierung der Briefe des Zürcher Reformators Heinrich Bullinger, die so der Bevölkerung zugänglich gemacht wurden, ermöglichten Gelder der UZH Foundation.

Mit der Lancierung neuer Förderinstrumente wie des Digital Entrepreneur Fellowships sollen weitere innovative Forschungsprojekte im Digitalbereich vorangetrieben und junge Forschende dazu angespornt werden, ihre Projekte zu marktreifen Produkten und Anwendungen weiterzuentwickeln.

 

UZH Foundation: in 10 Jahren 250 Millionen für die Forschung

Die UZH Foundation wurde 2020 vom Deutschen Hoch­schulverband als beste Hochschul-Fundraising-Orga­ni­sation ausgezeichnet. Dass diese Auszeichnung verdient ist, bestätigen die Zahlen. Seit ihrer Grün­dung 2012 konnte die Foundation über 250 Millionen Franken für die Forschung an der UZH bereitstellen. Die Spenden stammen von mehr als 700 Spenderinnen und Spendern. Die kleinste Spende betrug 4 Franken, die höchste 13 Millionen. Damit konnten einzelne For­schungsprojekte finanziert, rund 270 Preise und Stipendien ausgerichtet und zahlreiche Stiftungs­professuren eingerichtet werden. Ausserdem ermöglicht die UZH Foundation die kostenlosen Vorlesungen der Kinderuniversität, die seit 2004 von mehr als 10'000 Kindern besucht worden sind.

Die UZH Foundation verwaltet als Dachstiftung acht weitere Stiftungen. Im April 2020 hat sie für den Pandemiefonds der UZH erstmals ein Crowdfunding durchgeführt, womit drei UZH-Forschungsprojekte zum Coronavirus finanziert werden konnten.

Aktuell kommen die Spenden mehrheitlich von Stiftungen. In Zukunft will die UZH Foundation vermehrt auch Privatpersonen für die UZH begeistern und für Engagements gewinnen.

Jeannine Hegelbach, freie Journalistin

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