Strategische Partnerschaft

Lang und gesund leben

Gesundes Altern ist eine globale Herausforderung, die nach regionalen Ansätzen verlangt. Im Forschungscluster «Gesunde Langlebigkeit» suchen Forschende der UZH und der University of Queensland nach innovativen Ansätzen, um älteren Personen gezielt Unterstützung zu bieten.

Melanie Keim

Rentner auf Velo
Klares Ziel vor Augen: Gesundheit im Alter. (Bild: iStock, monkeybusinessimages)

 

Ein dichtes Netz von Defibrillatoren kann Leben retten. Doch was hilft ein solches Konzept, wenn die nächste Notfallausfahrt auf der Autobahn 174 Meilen entfernt ist? Hier setzt die Forschungszusammenarbeit zwischen Mike Martin von der Universität Zürich und Nancy Pachana von der University of Queensland an. Die beiden haben an ihren Universitäten eine Professur für Gerontopsychologie inne und sind auf das Thema gesunde Langlebigkeit spezialisiert. Seit einigen Jahren erforschen sie in verschiedenen Kollaborationsprojekten die Aspekte gesunder Langlebigkeit und suchen nach innovativen Ansätzen, um gesundes Altern zu fördern. Wobei diese stets an die lokalen Begebenheiten und an die Situation, in der sich die ältere Person befindet, angepasst sein sollten.

„Wenn Gesundheitslösungen auf Gruppen oder Eigenschaften von Personen wie etwa Blindheit oder Gehörlosigkeit zugeschnitten sind, ist das wenig effizient“, erklärt Mike Martin und macht dies am Beispiel einer Person mit Gedächtnisschwierigkeiten deutlich. Diese Person braucht nicht ständig Erinnerungshilfen in ihrem Alltag, sondern nur in bestimmten Situationen. Sprich: Sie braucht kontext- und situationsbezogene Hilfestellungen. Nur können diese nicht auf der ganzen Welt gleich ausgestaltet sein.

Blinde Flecken aufdecken

«Wenn wir in Zürich an Informationssysteme für ältere Personen denken, gehen wir implizit von den Bedingungen in der Schweiz aus», sagt Martin. An Orten, wo die Sattelitenabdeckung schlecht ist oder die Distanzen zwischen den Gesundheitszentren viel grösser sind, müssen Informationssysteme jedoch ganz anders aussehen.

Neben den räumlichen Begebenheiten, der vorhandenen Infrastruktur und den politischen Bedingungen nennt Martin auch kulturelle Eigenheiten als relevante Grösse bei der Ausgestaltung von Gesundheitslösungen, beispielsweise, wie ältere Personen neueren Technologien gegenüber eingestellt sind, oder wie sie mit Werbung umgehen. «Die Zusammenarbeit mit den Forschenden aus Australien hilft uns, blinde Flecken aufzudecken und bei der Entwicklung von innovativen Lösungen eine möglichst grosse Variabilität im Hinblick auf die räumlichen, kulturellen und historischen Aspekte zu erreichen», so Martin.

Teams, die sich ergänzen

Der Austausch von Erfahrungswissen und bestehenden Ansätzen in den jeweiligen Ländern ist nur einer von vielen Vorteilen der Zusammenarbeit im Bereich gesunde Langlebigkeit. Diese erhielt im letzten Jahr durch die strategische Partnerschaft zwischen der Universität Zürich und der University of Queensland einen institutionellen Rahmen und wurde seither intensiviert. Heute arbeiten Forschende der beiden Universitäten im Forschungscluster «Healthy Longevity» mit älteren Personen aus der Schweiz und Australien sowie verschiedenen Partnern aus der Privatwirtschaft an innovativen Gesundheitslösungen für ältere Personen.

Wie Nancy Pachana erklärt, ergänzen sich die Teams der beiden Universitäten auch durch ihre Expertise in unterschiedlichen Bereichen: „Aus unserer Perspektive ist die Kollaboration mit der UZH wertvoll wegen der potenziellen Synergien zwischen unseren Experten im Bereich Big Data und Innovationsmanagement und der Expertise von Mike Martin und seinem Team im Bereich der Analyse von situationsbezogenen Daten.»

Die Auswertung solcher situationsbezogenen Daten – zum Beispiel zur Variabilität des Mobilitätsverhaltens oder sozial oder intellektuell anregender Aktivitäten – erlaubt es, älteren Personen kontext- und situationsbezogene Rückmeldungen zu ihrem Verhalten zu geben. Diese wiederum sollen dabei helfen, Entscheidungen zu treffen, die die eigene Gesundheit fördern. So kann es einer älteren Person beispielsweise helfen, wenn sie Rückmeldungen dazu erhält, wann, wie oft und wie lange sie geistig anspruchsvollen Gesprächen ausgesetzt ist.

Altersforschung wird attraktiver

An einzelnen Projekten des Forschungsclusters «Healthy Longevity» sind ältere Personen nicht nur als Studienteilnehmende beteiligt, sie planen diese auch aktiv mit. Während die Universität Queensland diesbezüglich von den Erfahrungen an der UZH mit partizipativer Altersforschung profitieren kann, streicht Mike Martin die Kapazitäten der Universität Queensland im Bereich Innovationsmanagement heraus, die es braucht, um Forschung in innovative Gesundheitslösungen zu übersetzen.

Er bezeichnet die strategische Partnerschaft zwischen den beiden Universitäten auch als wertvoll für die Förderung des akademischen Nachwuchses im Bereich der Altersforschung. «Die internationale Zusammenarbeit und die damit verbundenen Möglichkeiten für Studierende und Nachwuchsforschende helfen uns, das vergleichsweise kleine Gebiet der Altersforschung attraktiver zu machen», so Martin. Dabei profitiert das Forschungscluster «Healthy Longevity» nicht nur von der grösseren Sichtbarkeit durch die strategische Partnerschaft, sondern auch von der Möglichkeit, sich auf institutionelle Fördermittel zu bewerben.

Nicht zuletzt konnte die Universität Zürich auch davon profitieren, dass die University of Queensland bereits als Age-Friendly University zertifiziert war und der UZH im Prozess der Anerkennung beratend zur Seite stand. Seit Kurzem gehört die UZH ebenfalls zum globalen Netzwerk der Age-Friendly-Universities, die das Bild des Alterns durch ihre Forschung, aber auch Bildungs-, Wellness- Kultur- und Sportaktivitäten verändern wollen.

 

Strategische Partnerschaft der UZH und der University of Queensland

Die Zusammenarbeit der Universität Zürich und der University of Queensland (UQ) besteht seit vielen Jahren. 2004 unterzeichneten die beiden Universitäten ein erstes Memorandum of Understanding, 2013 folgte ein Abkommen zum Studierendenaustausch.

Die Universitäten pflegen in diversen Forschungsbereichen und in der Lehre enge Beziehung, beispielsweise im Bereich Criminal Law mit gemeinsamen Forschungsseminaren für Masterstudierende, im Bereich Agriculture and Plant Science mit einem gross angelegten Projekt zur Züchtung von nachhaltig anbaubaren Pflanzen sowie im Bereich Healthy Longevity.

Dank der Mitgliedschaft der UZH im globalen Netzwerk Universitas 21 ab 2017 konnte die Zusammenarbeit mit der University of Queensland intensiviert werden, was 2021 in der strategischen Allianz zwischen UQ und UZH mündete. Seither wurden zu den oben genannten Forschungsbereiche weitere «Research Cluster» identifiziert, in denen die beiden Universitäten ihre Zusammenarbeit in Forschung und Lehre intensivieren möchten. Dazu gehören z.B. Paediatric Critical Care, Neuroscience, Imaging and Spectroscopy oder Green Chemistry and Biocatalysis.

Die Partnerschaft mit der University of Queensland ist eine von derzeit 6 bilateralen strategischen Partnerschaften der UZH. Die weiteren sind: FU Berlin, HU Berlin, Universität Genf, Karls-Universität Prag, Kyoto University.

Melanie Keim ist freie Mitarbeiterin UZH Kommunikation

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