Research Slam

Überraschende Erkenntnisse aus der Umweltökonomie

Dass die Ökonomie zu einer nachhaltigen, wirtschaftlichen Entwicklung beitragen kann, zeigten Nachwuchsforschende am «Research Slam», der zum dritten Mal von Doktorandinnen und Doktoranden des Department of Economics durchgeführt wurde. Wir stellen drei Forschungsprojekte vor.

Victoria Watts

Coffee-Rust
Coffee-Rust
Ausbreitung der Pilzkrankheit Coffee-Rust in Guatemala. (rot) (Bild: zVg.)

 

Eine nachhaltige Wirtschaft zu gestalten, ist eine der globalen Herausforderungen, zu deren Lösung auch die Forschenden des Departments of Economics beitragen wollen. Acht Doktoranden, Post-Docs und Professoren des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften hielten am Research Slam, der am 3. März stattfand, Fünf-Minuten-Vorträge über ein Paper aus ihrem Fachgebiet. Die präsentierten Forschungsprojekte zeigen auf, dass es keine einfachen Antworten auf komplexe Fragen gibt. Fazit: Um die effektivsten Massnahmen zur Gestaltung einer ökologisch und ökonomisch nachhaltigen Wirtschaft zu definieren, ist eine saubere Methoden- und Modellwahl zentral. Drei Projekte stellen wir hier kurz vor.

Unerwartete Emissionen

Dóra Simon, ehemalige Doktorandin des Departments und heute Assistenzprofessorin an der Universität Stavanger, startete den Research Slam mit einer umfassenden Analyse der CO2-Emissionen unseres Speiseplans. Die ökologisch beste Wahl ist dabei nicht immer offensichtlich, so die Forscherin. Ein konsequenter Verzicht auf Käse und Rindfleisch führt zum Beispiel zu einer besseren C02-Bilanz als eine rein vegane Ernährung. Ebenso zeigte sie, dass konsequent lokal einzukaufen in der Summe höhere CO2-Emissionen generieren kann. Warum? «Die Daten zeigen, dass ein durchschnittlicher Warenkorb, der mit rein lokalen Produkten gefüllt ist, mehr Fleisch enthält als ein Warenkorb, der auch nicht-lokale Produkte enthält», erklärte sie.

Paper von Dóra Zsuzsanna Simon To Beef or Not To Beef: Trade, Meat, and the Environment

Unerwünschte Nebenwirkungen einer Zertifizierung

Die Idee ist bestechend: Konsumentinnen und Konsumenten sind bereit, für eine umweltschonende Herstellung mehr zu bezahlen. So zum Beispiel, wenn im Anbau auf Pestizide verzichtet wird, wenn Zertifikate die Einhaltung der Standards sicherstellen und wenn Anbaukooperationen durch höhere Abnahmepreise gefördert werden, damit sie zu umweltschonenden Methoden wechseln.

Im Falle des pestizidfreien Kaffeeanbaus wies Emilio dal Re dabei auf eine bedeutsame unerwünschte Nebenwirkung hin: Die Ausbreitung von Coffee-Rust, einer Pilzerkrankung, die Kaffeepflanzen befällt und zu weitreichenden Ernteausfällen führt. Seine Untersuchung konnte einen direkten Zusammenhang zeigen zwischen der Ausbreitung der Pilzkrankheit und zertifizierten Anbauflächen in Guatemala. Die Ernte- und Einnahmeausfälle führen zu grossen sozialen Kosten. «Zertifizierung ist nicht per se der falsche Weg – ich zeige hier nur eine unerwünschte Nebenwirkung auf, die kausal mit der Zunahme von zertifizierten Anbauflächen zusammenhängt und die in die Gesamtnutzenrechnung integriert werden sollte», sagte dal Re.

Paper vonEmilio dal Re: The Hidden Costs of Organic Certifications

 

Durchschnittliche jährliche Anzahl der von Naturkatastrophen betroffenen Menschen seit 1980
Durchschnittliche jährliche Anzahl der von Naturkatastrophen betroffenen Menschen seit 1980
Durchschnittliche jährliche Anzahl der von Naturkatastrophen betroffenen Menschen seit 1980 (Bild: zVg.)

Die Kosten der Klimaflucht in die CO2-Steuer einpreisen

Der Klimawandel und die damit zusammenhängenden Naturkatastrophen werden sich in den kommenden Jahrzehnten verstärken. Dies geht mit einer Vertreibung vieler Menschen aus ihren Lebensräumen einher. Maria Alsina-Pujols untersucht, wie die Kosten dieser internationalen Migration in eine CO2-Steuer eingepreist werden kann. Sie integriert dabei die Auswirkungen von Klimaflüchtlingen in ein Klima-Wirtschafts-Wachstumsmodell und beschreibt die optimalen CO2-Emissionssteuern unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen und sozialen Kosten von Klimaflüchtlingen. Gemäss ihren Berechnungen haben entwickelte Länder, die auch oft Zielländer der Migration sind, einen Anreiz, ihre CO2-Emissionssteuer um bis zu 26 Prozent zu erhöhen, um die Emissionen zu senken. «Die erzwungene Migration durch Naturkatastrophen steigert die CO2-Emissionen», erklärt Maria Alsina-Pujols, «denn: tendenziell migrieren die Menschen in Regionen mit höheren CO2-Emissionen pro Kopf».

Paper von Maria Alsina-Pujols Warming with borders: Climate refugees and carbon pricing

Team
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Die Präsentatorinnen und Organisatorinnen des Research Slams «Pioneering Environmental Economics». (Bild: zVg.)

Victoria Watts, Head of Communications Department of Economics

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