Pride Month

Akzeptanz für andere Identitäten fördern

Die Universität Zürich bietet sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten ein offenes und sicheres Umfeld. Dies bestätigen die Erfahrungen von vier befragten Personen zum Pride Month. Dennoch gibt es Entwicklungspotenzial.

Melanie Nyfeler

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Der Pride Month ist wichtig für die Community. Die UZH ist zusammen mit weiteren Hochschulen am Zurich Pride Festival vom 17. und 18. Juni 2022 mit einem Stand auf dem Kasernengelände präsent. (Bild: UZH)


Im Juni wird in Zürich der Pride Month mit vielen Aktivitäten und Events begangen. Auch die Universität Zürich ist erstmals am Pride Festival zum Thema «trans - Vielfalt leben» ab dem 6. Juni mit einem Stand auf dem Kasernenareal mit dabei (siehe News)

Was heute mit bunten Paraden und Partys unter der Regenbogenfahne gefeiert wird, hat einen ernsten Ursprung: In der Nacht auf den 28. Juni 1969 fand in der Christopher Street in New York eine Razzia in der bei Homosexuellen beliebten Bar «Stonewall Inn» statt, die aus dem Ruder lief. Erstmals wehrten sich die Verhafteten und wurden von Leuten aus dem Quartier sowie anderen Homosexuellen, Lesben und trans Menschen im Kampf gegen Kriminalisierung, Stigmatisierung und Ausgrenzung unterstützt. Seitdem hat sich der Pride Month weltweit etabliert und steht für Stolz, Toleranz und Selbstbewusstsein in der Community der LGBTQIA+ (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer, Intersexual und Asexual).

Wichtig für Gemeinschaft und Aufklärung

Eine kleine, nicht repräsentative Umfrage an der Universität Zürich bestätigt, dass der Pride Month weiterhin wichtig für die Community ist. Luca, der sich als gay Mann bezeichnet, geniesst es, sich in dieser Zeit unter Gleichgesinnten zu bewegen. «Ich fühle mich nicht mehr so allein und kann Kontakte knüpfen», sagt der Student der Englischen Literatur und Sprachwissenschaften. Heute fühlt er sich gut und steht dazu, gay zu sein. Das war nicht immer so – er stammt ursprünglich aus einem konservativen Umfeld. «Der Pride Month kann anderen zeigen, dass man mit seiner Sexualität glücklich sein kann. Und dass man stolz darauf ist, so zu sein, wie man ist», sagt der 20-Jährige. Dem stimmt auch trans Frau Sofia bei: «Es braucht einfach diese Zeit im Jahr, wo queer sein völlig normal ist».

Emily versteht den Pride Month nicht als bunte Party, sondern im ursprünglichen Sinn – als radikale Befreiung und Kampf gegen festgesetzte Normen, was Menschsein eigentlich bedeutet. «Für mich steht die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität im Vordergrund. Und ich hoffe, dass in diesem Monat auch Themen aus der Queer-Community ans Licht kommen, die nicht so bekannt sind.» Die Englisch-Studentin, die sich als aromantisch und asexuell definiert, weiss aus eigener Erfahrung: «Viele ausserhalb unserer Community wissen nicht, was «aromantisch» heisst. Sie haben das Gefühl, alle müssten sich verlieben, immer. Bei mir ist das eben nicht so – und bei vielen anderen Menschen auch nicht», sagt die 21-Jährige.

Annegret sieht im Pride Month eine gute Gelegenheit, sexuelle und geschlechtliche Minderheiten in den gesellschaftlichen Fokus zu rücken und mehr Akzeptanz zu schaffen. «Wenn Unternehmen über Strategien gegen Diskriminierung diskutieren oder eine Universität sich Gedanken zur besseren Integration der LGBTQIA+ macht, ist schon einiges gewonnen», sagt die 24-Jährige, bisexuelle Studentin der Englischen Literatur und Linguistik. Allerdings: Ein Instagram-Post mit Regenbogenbild zu posten, genüge nicht. Es brauche das Engagement von allen. «Natürlich wäre es super, wenn wir keinen Pride Month mehr bräuchten – aber so weit sind wir leider noch lange nicht.»

Kaum Probleme im studentischen Umfeld

Und wie ist das Bewusstsein an der UZH gegenüber Menschen diverser sexueller und geschlechtlicher Identität? Die vier Befragten sagen einstimmig, dass sie sich in ihrem universitären Umfeld gut integriert fühlen und kaum negative Erfahrungen gemacht haben. Was aber auch mit ihrer Fachrichtung zu tun habe. «Das Englische Seminar ist sehr offen und divers», erzählt Emily. «Ich fühle mich in dieser Atmosphäre sehr wohl und habe ein Zuhause gefunden.» Luca ergänzt, dass bereits sehr früh Themen wie Queer Theory oder Feminismus angesprochen werden. Er ist sogar überzeugt, dass er sich erst aufgrund seines Englisch-Studiums so stark mit seiner eigenen Identität auseinandergesetzt habe.

Sofia, die an der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät Physik studiert, fühlt sich ebenfalls gut akzeptiert. Sie hat sich während des Studiums als trans Frau geoutet, was im nahen Studienumfeld und von den Professorinnen und Professoren grundsätzlich gut aufgenommen wurde. «Manchmal werde ich aber von Leuten, die mich nicht kennen, schräg angeschaut, weil ich halt eine tiefere Stimme habe», sagt sie. Zudem werden ihr teilweise sehr indiskrete Fragen gestellt, die sie gar nicht beantworten möchte. «Ich verstehe ja eine gewisse Neugier der anderen, aber wenn dies häufig und über Monate passiert, kostet mich das sehr viel Kraft.»

Annegret hat an der Universität ebenfalls gute Erfahrungen gemacht. «Ich überlege mir hingegen noch immer genau, wem gegenüber ich mich als bisexuell oute. Aber das ist eher ein generelles, gesellschaftliches Problem und hat nur indirekt mit meinem Studienumfeld zu tun.»

Genderneutrale Sprache, die nicht diskriminiert

Auch wenn die Vier kaum schlechte Erfahrungen an der UZH gemacht haben, orten sie Verbesserungspotenzial: Es müssen endlich genderneutrale WCs her, fordern sowohl Sofia als auch Annegret. Sofia habe sich während ihrer Transition kaum getraut, auf die Toiletten zu gehen, weil sie nirgendwo richtig hineingepasst habe. Und auch die Änderung von ihrem Vornamen dauerte in der universitären Administration sehr viel länger als ursprünglich versprochen.

Annegret wünscht sich, dass an der UZH generell mehr Bewusstsein gegenüber LGBTQIA+ Themen herrsche, dass Dozierende sowie Mitstudierende ihre Sprache so anpassten, dass sie genderneutral sei und nicht diskriminiere. Emily erhofft sich gesamtuniversitär mehr Aufklärung und Offenheit, damit sich die Studierenden an allen Fakultäten und Seminaren sicher fühlen können. Und Luca ist sich nicht ganz sicher, inwieweit die Institution UZH die Community generell unterstütze: «Die Universität ist eine akademische Bildungsinstitution, die die Akzeptanz für andere Identitäten fördern sollte.» Eine Flagge am Hauptgebäude und einen Monat lang die Anliegen von Minderheiten ins Bewusstsein zu rücken sei erst ein Anfang, meint er.

Studierendenverein PolyUniQue

An der UZH setzt sich der Studierendenverein PolyUniQue für die Anliegen der LGBTQIA+ Menschen ein. PolyUniQue hat sich neu aus den bereits bestehenden Vereinen L-Punkt und z&h formiert, um ein einziger, inklusiver Studierendenverein für alle zu sein. Der Verein versteht sich als Ort, wo Menschen sich selbst sein können und andere finden, die gleich denken. Es werden verschiedene geschlossene, aber auch für alle offene Events organisiert – von Karaoke- und Spiel-Abenden über Wanderungen und Velotouren bis hin zu Queer Partys und monatlichen gemeinsamen Abendessen.

PolyUniQue

LGBTIQ

Die Abteilung Gleichstellung und Diversität steht allen UZH-Angehörigen für allgemeine Informationen und Beratungen im Zusammenhang mit den Themen Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung zur Verfügung.

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Melanie Nyfeler, Medienbeauftragte UZH

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