WTO Moot Court Competition

Stresstest mit Bravour bestanden

Vier UZH-Studierende gehen als Sieger aus dem internationalen John H. Jackson Moot Court hervor, der eine Anhörung innerhalb der Welthandelsorganisation simuliert. Dabei wird ein fiktiver Fall mit Streitigkeiten zwischen zwei WTO-Mitgliedern verhandelt.

Melanie Nyfeler

moot court competition
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Strahlende Gewinner:innen der WTO Moot Court Competition: Giulia Bachmann, Robert Matic, Laia Guardiola (Coach), Mattia Brugger, Kayla-Leigh Coetzee (v.l.n.r.). (Bild: zVg)


Wer kennt sie nicht, die Serien im Fernsehen, in denen ein Team von Staranwältinnen und Staranwälten in nächtelanger Recherchearbeit die Verteidigung vorbereiten und dann im Gerichtssaal ihre Partei durch eloquente Plädoyers zum Sieg führen? Genauso ist es vier Studierenden der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich ergangen: Im Hauptgebäude der World Trade Organization (WTO) in Genf vertraten sie Anfang Juli einen fiktiven Fall vor Publikum und einem siebenköpfigen Experten- und Expertinnen-Panel, präsidiert von der WTO Deputy Director-General Angela Ellard. Sie gewannen ihren Fall mit Bravour.

Rechtlich und inhaltlich sehr komplex

Vor diesen Schlussplädoyers hatten Giulia Bachmann, Mattia Brugger, Kayla-Leigh Coetzee und Robert Matic bereits die regionale Ausscheidungsrunde in Europa gewonnen – beim WTO Moot Court, an dem insgesamt 71 Teams von Universitäten aus der ganzen Welt teilnahmen. In diesem internationalen Wettbewerb wird ein fiktives Verfahren vor einem WTO-Panel simuliert: Ein Team von maximal vier Studierenden arbeitet sich in einen fiktiven Fall ein. Die Studierenden verfassen schriftliche Klage- sowie Antwortschriften und plädieren mündlich vor Fachleuten im Welthandelsrecht. Sie müssen sich in die Fakten und Argumentationen beider Prozessparteien eindenken, verfassen die schriftlichen Stellungnahmen und vertreten sowohl das beschwerdeführende als auch das angeklagte Land.

Im Fall des vierköpfigen UZH-Teams ging es um rechtlich wie inhaltlich sehr komplexe Handelsstreitigkeiten in Bezug auf Windräder. Für den Bau der Windräder werden seltene Erden benötigt, deren Abbau ökologisch und gesundheitlich fragwürdig ist und von einem Land subventioniert wird, was zu einem Wettbewerbsvorteil gegenüber dem anderen Land führt – also durchaus ein Fall, der auch in der Realität vor einem WTO-Panel verhandelt werden könnte.

Zwei Semester intensive Vorarbeit

Die Vorbereitung der vier Studierenden war während der zwei Semester sehr intensiv. «Sie mussten sich nicht nur mit handelsrechtlichen Finessen auseinandersetzen, sondern auch mit den technischen Anforderungen zu erneuerbaren Energien und bei der Gewinnung seltener Erden», erklärt Doktorandin Laia Roxanne Guardiola, die das UZH-Team am Lehrstuhl für Wirtschaftsvölkerrecht an der RWF coachte und früher selbst am WTO Moot Court teilgenommen hatte. Zudem stand das Viererteam auch unter zeitlichem Druck, weil die Deadlines für die verschiedenen Vorrunden strikt eingehalten werden mussten.

Obwohl sich die vier Studierenden vorher nicht gekannt hatten und erst aufgrund des sehr kompetitiven Auswahlverfahrens der RWF zueinander fanden, haben sie hervorragend zusammengearbeitet und sich gegenseitig sehr unterstützt. «Man hat im Vorfeld und während der Plädoyers gemerkt, dass alle am gleichen Strang ziehen. Die Vier bestachen sowohl einzeln als auch als Team und konnten auf knifflige Fragen und Einwände der Expertinnen und Experten kompetent reagieren», so Guardiola.

Teamleistung brachte den Sieg

Diese Teamleistung hat sie wohl zum Sieg getragen, sowohl in der europäischen Vorrunde als auch in der weltweiten Finalrunde gegen 24 andere exzellente Teams. Matthias Oesch, Professor für Öffentliches Recht, Europarecht und Wirtschaftsvölkerrecht, lobt das gute Abschneiden des UZH-Teams: «Das ist ein grossartiger Erfolg. Ich freue mich, dass wir einmal mehr bewiesen haben, dass unsere Studierenden auch im internationalen Vergleich hervorragende Leistungen erbringen. Besser geht es nicht!

Dieser Sieg im Weltfinale ist für die Universität Zürich und die vier Studierenden eine gute Visitenkarte und eine ideale Gelegenheit, das eigene Netzwerk zu erweitern. Die Studierenden haben Freundschaften fürs Leben geschlossen, wie sie selbst sagen.  Zudem erhalten die Siegerinnen und Sieger ein Stipendium für die Georgetown University in Washington. Und wer weiss, vielleicht sind sie später die eingangs beschriebenen Staranwältinnen und -anwälte.

Melanie Nyfeler, Medienbeauftragte UZH