Georg-Friedrich-Götz-Preis

Steffen Böttcher und Silvia Brem für exzellente medizinische Forschung geehrt

Der Krebsforscher und Arzt Steffen Böttcher von der Klinik für Medizinische Onkologie und Hämatologie und die Neurowissenschaftlerin Silvia Brem von der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich haben den Georg-Friedrich-Götz-Preis erhalten. Der Preis wird jährlich für besondere Leistungen in der medizinischen Forschung verliehen.

Nathalie Huber

Krebsforscher Steffen Böttcher und Neurowissenschaftlerin Silvia Brem erhalten den Georg-Friedrich-Götz-Preis 2019. Die Preisverleihung fand aufgrund der Covid-19-Situation in einem sehr kleinen Rahmen an der Universität Zürich statt. (Video: UZH Foundation)

Ein viel untersuchtes Gen neu erfasst

Steffen Böttcher
Krebsforscher Steffen Böttcher (Bild: zVg)

Steffen Böttcher ist Oberarzt an der Klinik für Medizinische Onkologie und Hämatologie des Universitätsspitals Zürich und leitet dort seit 2019 eine Forschungsgruppe. Als klinisch-tätiger Arzt, der gleichsam erfolgreiche medizinische Forschung betreibt, ist er für das Preiskomitee ein «Role Model Physician Scientist».

Steffen Böttcher forscht auf dem Gebiet der Onkologie und Hämatologie. Er hat Originalarbeiten und Beiträge zur Regulation der Blutbildung sowie zu Tumorerkrankungen in renommierten Fachzeitschriften wie «Science», «Blood», «Nature Cell Biology» und «Journal of Clinical Oncology» veröffentlicht.

Der Hauptfokus von Steffen Böttchers aktueller Forschung liegt auf den molekularen Mechanismen der Krebsentstehung – insbesondere untersucht er Tumoren mit sogenannten TP53-Mutationen. TP53 ist ein Tumorsuppressorgen. Normalerweise drosseln Tumorsuppressorgene unkontrolliertes Zellwachstum. Treten allerdings Mutationen in solchen Genen auf, führt dies zu einer verstärkten Zellteilung und damit zur Krebsentstehung. Dies ist beim TP53-Gen der Fall: Es ist das am häufigsten mutierte Gen bei Krebserkrankungen des Menschen. Etwa 50 Prozent aller Tumoren tragen TP53-Mutationen.

In seiner gewürdigten Forschungsarbeit untersuchte Steffen Böttcher die ungewöhnliche Häufung von sogenannten Missense-Mutationen im TP53-Gen. Bisher wurde diese Anomalie damit erklärt, dass das mutierte TP53-Gen dadurch zusätzliche tumor-fördernde Eigenschaften erwirbt. Steffen Böttcher ist es nun gelungen, mithilfe von Genom-Editierungsverfahren in Zelllinien, Versuchen in Tiermodellen sowie anhand Analysen in Patienten mit akuter myeloischer Leukämie, diese gängige Hypothese zu widerlegen und stattdessen einen dominant-negativen Effekt als treibende Kraft für die Häufung von TP53 Missense-Mutationen zu identifizieren. Daraus ergeben sich für die Zukunft neue therapeutische Ansätze. 

Dyslexie frühzeitig erkennen

Silvia Brem
Neurowissenschaftlerin Silvia Brem (Bild: zVg)

Die Neurowissenschaftlerin Silvia Brem überzeugte die Jury durch ihre klinisch und grundlagenwissenschaftlich bedeutsamen Studien. Ihre Arbeiten liefern wichtige Erkenntnisse über die Ursachen von Dyslexie und tragen dazu bei, eine Lese- und Rechtschreibestörung frühzeitig zu erkennen.  

Silvia Brem ist seit 2017 Assistenzprofessorin und leitet eine Forschungsgruppe an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. Sie erforscht seit vielen Jahren, wie sich das kindliche Gehirn während des Lesenlernens entwickelt. In ihren Längsschnittstudien begleitet sie Kinder mit einer beeinträchtigten Leseentwicklung über mehrere Jahre. Sie hat dabei eine einmalige Expertise in der Nutzung bildgebender Verfahren erworben, um die Entwicklung des Sprachnetzwerkes im Gehirn des Vorschulkindes bis zum lesenden Kind sichtbar zu machen.

In ihren neuesten Studien untersucht Silvia Brem die Verknüpfung zwischen Sprachlauten und Buchstaben bei Kindern mit familiär erhöhtem Risiko für eine Lese-Rechtschreibstörung. Sie konnte einen Zusammenhang zwischen dem Lernerfolg und der neuronalen Repräsentation der gelernten Schriftzeichen im Gehirn nachweisen. Die Ergebnisse lassen vermuten, dass bei langsamen Lernerinnen und Lernern neue Schriftzeichen schwächer repräsentiert werden. Gestützt auf diese Erkenntnisse entwickelt und evaluiert Silvia Brem ein App-basiertes Trainingsprogramm, um betroffene Kinder möglichst im Vorschulalter oder zu Schulbeginn unterstützen zu können.

Georg-Friedrich-Götz-Preis

Der Georg Friedrich Götz-Preis wird jährlich an zwei Forschende, die an der Universität Zürich habilitiert sind und sich über hervorragende, international anerkannte Leistungen auf dem Gebiet der Grundlagen- oder klinischen Forschung ausweisen können, ausgerichtet. Der Stiftungsgründer Georg Friedrich Götz lebte von 1893 bis 1972. Der in Deutschland geborene Unternehmer siedelte 1960 in die Schweiz um. Er musste sich im Laufe seines Lebens mehrmals in Zürich Operationen unterziehen, etwa wegen Lungenkrebs oder einer Darmerkrankung. Aus Dankbarkeit für die wiedererlangte Gesundheit gründete er an der Universität Zürich eine Stiftung, welche jährlich einen Preis für Fortschritte in der Medizin vergibt. Der Preis ist mit insgesamt 30'000 Franken dotiert.

Die Georg Friedrich Götz-Stiftung ist innerhalb der medizinischen Fakultät der Universität Zürich angesiedelt, die UZH Foundation führt seit 2019 die Geschäfte der Stiftung.
 

Nathalie Huber, Redaktorin UZH News

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