Stiftungsprofessur

UZH lanciert Forschungscenter zum Stillen

Dank einer Donation von zehn Millionen Franken kann die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Zürich ein Center zur Langzeitwirkung des Stillens aufbauen. Finanziert wird die Professur und der dazugehörige Forschungsfonds von der Familie Larsson-Rosenquist Stiftung.

Stefan Stöcklin2 Kommentare

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Verhaltensökonom Ernst Fehr, Rektor Michael Hengartner, Geschäftsführerin Katharina Lichtner und Göran Larsson von der Larsson-Rosenquist Stiftung. (Bild: Janine Moroni)

 

Hocherfreut über das Engagement der Stiftung zeigte sich an der Medienkonferenz vom Donnerstag Rektor Michael Hengartner. Die Donation erlaube den Aufbau von Forschungsaktivitäten zur Langzeitwirkung des Stillens und passe hervorragend zum Schwerpunkt Jugendentwicklung, der an der UZH unter anderem am Kompetenzzentrum «Jacobs Center for Productive Youth Development» erforscht werde. Die von der Familie Larsson-Rosenquist Stiftung finanzierten zehn Millionen Franken erlauben den Aufbau einer Professur zur «Ökonomik der Kinder- und Jugendentwicklung mit einem Schwerpunkt auf Stillen» am Department of Economics und einen entsprechenden Forschungsfonds.

Einzigartige Kombination

Die Donation kommt zu weiteren 20 Millionen Franken hinzu, die vor drei Jahren von der Familie Larsson-Rosenquist Stiftung für eine Professur an der Medizinischen Fakultät zur Erforschung der Muttermilch auf die frühkindliche Entwicklung gesprochen wurde. Nun steht die Erforschung der langfristigen Entwicklung im Vordergrund. «Dank den beiden Donationen können wir ein relevantes Thema über einen breiten Bereich von der Biomedizin bis zu den gesellschaftlichen Auswirkungen erforschen», sagte der Rektor. «Die Kombination der medizinischen und ökonomischen Forschung auf diesem Gebiet ist weltweit einzigartig und verspricht neue wertvolle Einsichten», betonte Michael Hengartner.

Was die Ökonomie zum Thema Stillen und Entwicklung von Kindern beitragen kann, erläuterte an der Medienkonferenz Ernst Fehr, Professor für Volkswirtschaftslehre. «Wir beschäftigen uns schon lange mit den Ursachen, die hinter ökonomischen Entscheidungen und produktivem Verhalten stehen», sagte der für seine verhaltensökonomischen Studien weltweit renommierte Forscher.

Dass die frühkindliche Ernährung und damit das Stillen die Entwicklung fördere, sei im Grundsatz klar. Aber im Detail seien viele Fragen zu den Auswirkungen des Stillens auf das soziökonomische Verhalten unerforscht. Die ökonomischen Wissenschaften haben heute die Werkzeuge in der Hand, um diese Fragen empirisch anzugehen und die kausalen Faktoren zu entschlüsseln.

Zum Beispiel die herausragende Bedeutung der Hebammen beim Entscheid werdender Mütter für oder gegen Brustmilch. «Mit klug konzipierten Studien lassen sich aus bestehenden Daten die massgebenden Faktoren bestimmen», sagte Fehr. Im Bereich Entwicklung und Stillen liegt ein verhaltensökonomisches Forschungsfeld brach, das reiche Ernte verspreche, ist der Ökonom überzeugt.

Weltweites Engagement

Die Geschäftsführerin der Stiftung, Katharina Lichtner, überreichte eine Urkunde zu Stiftungsprofessur und Forschungsfonds an Michael Hengartner und Ernst Fehr. Sie erläuterte danach das von der Stiftung unterstützte Forschungs-Netzwerk in den USA, England und Australien. Weitere Engagements sind geplant, in China mit Schwerpunkt Epidemiologie. «Die Zürcher Aktivitäten sind nicht isoliert, sondern Teil eines weltweiten Netzwerkes», sagte Lichtner. Mit seinem Renommee passe das Institut für Volkswirtschaftslehre der UZH hervorragend dazu.

Geht alles nach Plan, soll der Lehrstuhl bereits auf das Herbstsemester besetzt werden. Ernst Fehr ist optimistisch, dass er die Vorgabe einhalten kann, erste Gespräche mit Kandidaten hätten bereits stattgefunden. Aufgrund einer Absage verzögerte sich hingegen die Besetzung an der Medizinischen Fakultät. Michael Hengartner betonte in diesem Zusammenhang die Forschungs- und Lehrfreiheit der Universität Zürich: «Wir entscheiden völlig autonom und unabhängig von der Stiftung über die Besetzung der Lehrstühle».

 

Stefan Stöcklin, Redaktor UZH News

2 Leserkommentare

Martina Ramos schrieb am Auswirkung Stillen auf Gene Guten Tag, das ist sehr erfreulich. Heute genau stille ich meinen Sohn schon 15 Monate und es ist noch kein Ende in Sicht. Da er eine seltene Lungenkrankheit hat, interessiert es mich sehr, welche Auswirkung die Muttermilch, möglicherweise, auf die Gene hat. Auch spannend ist die Frage, warum genau langes Stillen gesund ist. Was im Körper genau passiert, wenn ein Kind, Muttermilch zu sich nimmt. Falls es möglich ist, über generelle neue Erkenntnisse dieser Forschung benachrichtigt zu werden, habe ich Interesse daran. Besten Dank und freundliche Grüsse Martina Ramos
Tamara Beck schrieb am Bravo! Ein sehr wichtiges Thema! Ich setze mich seit bald 8 Jahren (seit meiner eigenen Mutterschaft also) für das Stillen ein. Unterdessen stille ich mein 3. Kind seit über 13 Monaten. Meine Mittlere wurde 4,5 Jahre lang gestillt. Ich bin gespannt auf die Erkenntnisse aus der Forschung! Herzliche Grüsse von einer ehemals auch an der UZH Studierenden.

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