Parasitologie

Welche Mücken übertragen Zika?

Die Europäische Union forciert die Forschung zu Zika. UZH-Insektenforscherin Eva Veronesi leitet ein Projekt, das von Horizon 2020 finanziert wird. Sie untersucht, ob eine in der Schweiz ansässige exotische Mückenart das Zika-Virus ebenfalls übertragen kann.

Adrian Ritter

Eva Veronesi
Eva Veronesi
Erforscht, welche Mückenarten das Zika-Virus übertragen können: Eva Veronesi vom Institut für Parasitologie. (Bild: Adrian Ritter)

Im Mai 2015 begann sich Zika von Brasilien aus in 47 Länder weltweit zu verbreiten. Insbesondere für Schwangere ist das Zika-Virus gefährlich, da es zu Missbildungen beim Fötus führen kann. Eine Behandlung oder Impfung gibt es bis jetzt nicht, zudem sind viele Fragen offen: Wie lässt sich das Virus charakterisieren? Was genau geschieht bei der Infektion während einer Schwangerschaft? Gibt es bisher unbekannte Wege, wie das Virus übertragen wird?

Um diese Fragen zu beantworten, finanziert die Europäische Union über das Förderprogramm Horizon 2020 den Forschungsverbund ZIKAlliance. 53 Forschungsstätten weltweit beteiligen sich an der dreijährigen Forschung, darunter auch die Universität Zürich. Die Insektenforscherin Eva Veronesi, Postdoktorandin am Institut für Parasitologie der UZH, geht mit ihrem dreiköpfigen Team einer spezifischen Fragestellung nach: Ist die mittlerweile auch in Europa heimische Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus) in der Lage, das Zika-Virus zu übertragen?

Eingewanderte Exoten

Bekannt ist bisher, dass das Zika-Virus insbesondere über drei Wege von Mensch zu Mensch übertragen wird – durch den Stich einer infizierten Ägyptischen Tigermücke (Aedes aegypti), von der schwangeren Frau auf den Fötus und durch sexuellen Kontakt mit einer infizierten Person. Neue Forschung zeigt zudem, dass die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) das Zika-Virus potentiell auch übertragen kann.

Für die grosse Mehrheit der Infektionen ist die Ägyptische Tigermücke verantwortlich. Sie hat sich bisher in Mitteleuropa nicht angesiedelt, da sie die Temperaturen im Winter nicht überlebt. Allerdings haben zwei andere exotische Mückenarten in Mitteleuropa Fuss gefasst – auch in der Schweiz. Die Asiatische Tigermücke ist seit 2003 im Tessin ansässig, die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus) seit 2008 insbesondere in der Nordschweiz.

Um abzuschätzen, ob sich die Zika-Krankheit auch in der Schweiz ausbreiten könnte, ist es deshalb wichtig, zu wissen, ob auch andere Mückenarten das Virus übertragen können. Eva Veronesi übernimmt diese Forschungsaufgabe für die Asiatische Buschmücke. Dazu sammelt sie mit ihrem Team an drei Standorten in der Schweiz Mückeneier, um daraus im Labor die Stechmücken zu züchten. Die Forschenden setzen den Mücken dann mit dem Zika-Virus infiziertes Blut als Nahrung vor. Lässt sich das Virus danach im Speichel der Mücke nachweisen, gilt diese als potentieller Überträger.

Forschen im Hochsicherheitslabor

Veronesi und ihr Team werden bei ihrer Forschung auch die Effekte unterschiedlicher Klimabedingungen untersuchen. So werden im Hochsicherheitslabor mehrere Mückengruppen gehalten, die unterschiedlichen Temperaturbedingungen – vergleichbar dem Leben in der Natur – ausgesetzt sind. Drei Varianten des Zika-Virus werden die Forschenden dabei testen: die südamerikanische, die afrikanische und die asiatische Variante.

«Dass auch die Asiatische Buschmücke das Zika-Virus übertragen kann, ist durchaus möglich», sagt Veronesi: «Bisherige Forschung an der UZH hat bereits gezeigt, dass diese Mücke das Dengue-Virus übertragen kann, das zur selben Familie gehört wie das Zika-Virus.» Das Team um Eva Veronesi hat zudem kürzlich nachweisen können, dass die Asiatische Buschmücke auch das West-Nil-Virus übertragen kann.

In Panik verfallen muss man deshalb nicht. Die erwähnten Viren sind in der Schweiz nicht endemisch – also etabliert. Es ist allerdings möglich, dass infizierte Menschen das Virus importieren. Wird eine solche Person von einer Mücke gestochen, kann diese das Virus auf einen anderen Menschen übertragen. «Deshalb ist es sehr wichtig, zu wissen, welche Mücken welche Viren übertragen. So können die entsprechenden Mückenarten überwacht und beim Ausbruch einer Krankheit geeignete Massnahmen ergriffen werden, um die Population zu dezimieren», sagt Veronesi.

Für die Forschung bedeutet das viel Arbeit, denn Mückenarten unterscheiden sich bezüglich ihrer Überträgereigenschaften auch von Population zu Population. So war eine untersuchte Population der Asiatischen Buschmücke in Deutschland nicht in der Lage, das West-Nil-Virus zu übertragen – im Gegensatz zur Population in der Schweiz.

Schweizweites Monitoring

«Falls sich die Asiatische Buschmücke jetzt auch noch als potentieller Überträger des Zika-Virus erweist, wäre ein schweizweites Monitoring angebracht», sagt Eva Veronesi. Derzeit besteht in der Schweiz nur ein Monitoring und Kontrollprogramm für die Asiatische Tigermücke im Tessin. Dezimieren lässt sich der Bestand exotischer Mücken unter anderem, indem man stehende Wasserflächen trockenlegt, mittels Insektiziden oder der Freisetzung steriler Mücken.

Mit ersten Ergebnissen ihrer Forschung rechnet Eva Veronesi bis Ende 2017. Insgesamt dauern die Projekte im Rahmen der ZIKAlliance bis 2019. Der Forschungsverbund ist für Veronesi eine rasche, sinnvolle Reaktion der Europäischen Union auf die Zika-Epidemie. Solche interdisziplinären Kooperationen ins Leben zu rufen sei zudem ein gutes Modell, wie auch in Zukunft auf ähnliche gesundheitliche Bedrohungen reagiert werden kann.  Veronesi ist überzeugt, dass uns noch mehr Viren beschäftigten werden, die durch Mücken übertragen werden. Mit der Globalisierung gehen nicht nur Menschen vermehrt auf Reisen, sondern auch Mücken und Viren. Mit dem Klimawandel und anderen Umweltveränderungen vergrössert sich zudem der Lebensraum zahlreicher Überträger exotischer Krankheiten auch in Europa.

 

ZIKAlliance wird unterstützt vom EU-Forschungsförderungsprogramm Horizon 2020 (ZIKAlliance Grant Agreement 734548).

Adrian Ritter ist Redaktor von UZH News.

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