cogito-Preis 2014

Das Beben von Basel

Der Seismologe Donat Fäh erhält heute an der UZH den «cogito-Preis 2014». Mit einem interdisziplinären Team untersuchte er die Erdbebenkatastrophe von 1356 in Basel neu.

Adrian Ritter

Wird für seine Grundlagenforschung zu Erdbeben ausgezeichnet: Seismologe Donat Fäh. (Bild: Comet Photoshopping GmbH/Dieter Enz)

Am 18. Oktober 1356 bebte in der Stadt Basel und ihrem Umland die Erde. Es war das stärkste Erdbeben, das die Schweiz bis heute erlebt hat. Es bescherte der Stadt am Rhein grosse Schäden: Gebäude stürzten ein und die durch das Beben ausgelösten Brände konnten lange nicht gelöscht werden. Glücklicherweise konnten viele Bewohner nach einem Vorbeben am Nachmittag aus der Stadt flüchten, bevor nachts das Hauptbeben einsetzte.

Der Ursprung des Erdbebens liegt in der Tektonik des südlichen Oberrheingrabens. Dort verläuft ein tiefer Riss in der Erdkruste, entlang dessen vor vielen Millionen Jahren die Birs- und Rheinebene in die Tiefe sank. Aufgrund der tektonischen Bewegungen ist die Region Basel bis heute erdbebengefährdet.

Kaum erforschtes Beben

Umso wichtiger ist die seismische Risikoanalyse. Für Donat Fäh, Mitarbeiter beim Schweizerischen Erdbebendienst (SED) und Professor an der ETH Zürich, ist klar, dass dazu auch die Untersuchung historischer Erdbeben gehört. Das Beben von Basel beispielsweise war bislang nur wenig erforscht – die Beurteilung stützte sich weitgehend auf Sekundärquellen ab.

Mit einem interdisziplinären Team und neuen Forschungsansätzen hat Donat Fäh dies in den vergangenen Jahren geändert. Historikerinnen arbeiteten dabei mit Archäologen an der Interpretation der historischen Dokumente. Archäologen analysierten mit Seismologen, Geologen und Bauingenieuren die Bausubstanz des 14. Jahrhunderts und das Schadensbild und zogen daraus Rückschlüsse auf die Stärke des Bebens.

Neue Wege der Grundlagenforschung

«Die unterschiedlichen Wissenskulturen und die disziplinübergreifende Zusammenarbeit führten zu einer Neubearbeitung von bekannten historischen Quellen. Sie förderten eine nicht erwartete, grosse historische und archäologische Datenbasis in Basel zu Tage», sagt Fäh.

Die «cogito Foundation» zeichnet ihn dafür mit dem «cogito-Preis 2014» in der Höhe von 50'000 Franken aus. Die Stiftung lobt, das Projekt zeige exemplarisch, wie sich völlig unterschiedliche Disziplinen in gemeinsamer Arbeit gegenseitig befruchten und neue Wege für die Grundlagenforschung in der Erdbebenvorsorge aufzeigen können.

Zur Person

Donat Fähstudierte an der ETH Zürich Umweltphysik mit einem Schwerpunkt in Geophysik. Seine Dissertation widmete er der numerischen Simulation von Erdbeben und der lokalen seismischen Gefährdungsanalyse. Nach einem mehrjährigen Forschungsaufenthalt an der Universität Trieste arbeitete er ab 1994 beim Schweizerischen Erdbebendienst an der ETH Zürich. Seit 1997 ist er dort Leiter der Gruppe «Erdbebengefährdung und Risiko». Sein Team beschäftigt sich unter anderem mit Gefährdungsanalyse, der Untersuchung historischer Erdbeben in der Schweiz und der numerischen Modellierung von Erdbeben.

cogito foundation

Ziel der Ziel der ist es, den Dialog und die Verständigung zwischen Naturwissenschaften/Technik und Geistes-/Sozialwissenschaften zu fördern. Zudem will die Stiftung das Verständnis für die naturwissenschaftliche Denkweise in der Öffentlichkeit fördern und die Bedeutung der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung aufzeigen. Seit 2002 vergibt die Stiftung alle zwei Jahre den mit 50'000 Franken dotierten cogito-Preis. UZH-Rektor Michael Hengartner gehört dem Stiftungsrat der cogito foundation an.

Adrian Ritter ist Redaktor UZH News.

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