Cogito-Preis 2012

Was in den Sternen geschrieben steht

Die Astronomin und Altertumswissenschaftlerin Rita Gautschy wurde gestern an der Universität Zürich mit dem Cogito-Preis ausgezeichnet. Ihre Forschung zeigt beispielhaft, wie sich zwei ganz unterschiedliche Fächer gegenseitig befruchten können.

Kommunikation

Mutige Forscherin ausgezeichnet: Simon Aegerter, Präsident des Stiftungsrates der cogito foundation, überreicht Rita Gautschy in der Aula der UZH den Cogito-Preis. (Bild: zVg)

Mit Rita Gautschy, Astronomin und Altertumsforscherin, wurde am Mittwoch erstmals eine Frau mit dem Cogito-Preis gewürdigt. Der Preis ist mit 50'000 Franken dotiert und wird alle zwei Jahre von der cogito foundation vergeben. Ziel der Stiftung ist es, die Verständigung zwischen den Natur- und Geisteswissenschaften zu fördern. Zu den bisherigen Preisträgern gehören etwa der Biologe und Epistemologe Hans-Jürg Rheinberger und der Physiker und Philosoph Michael Esfeld.

Originelle Projektidee

Simon Aegerter, Präsident des Stiftungsrates, lobte die diesjährige Preisträgerin für ihren Mut, auf eine vielversprechende Karriere in der Astronomie zu verzichten und etwas völlig Neues anzufangen. Die Auszeichnung, so Aegerter, gelte in erster Linie der originellen Projektidee: nämlich astronomische und altertumswissenschaftliche Fragestellungen und Methoden in einem eigenständigen Forschungsvorhaben zu kombinieren.

Blick in den Sternenhimmel: Astronomie kann dabei helfen, die Antike besser zu verstehen, wie Rita Gautschy in ihrer Forschung zeigt. (Bild: Wikipedia)

Sonnen- und Mondfinsternisse

Mittels Astronomie überprüfte Gautschy die antiken Chronologien. Es gelang ihr, mit Unsicherheiten behaftete Zeittafeln aus dem alten Ägypten und Mesopotamien mithilfe historisch dokumentierter astronomischer Ereignisse zu sichern. Aus der Analyse von gegen hundert Sonnen- und Mondfinsternissen, die in neubabylonischen Quellen dokumentierten sind, gewann sie Informationen über die Zuverlässigkeit antiker Beobachtungsdaten und ermittelte die Zeitabweichung, die durch die Änderung der Tageslänge entsteht.

Die Rolle der antiken Astronomie

«In meiner persönlichen Wahrnehmung existierte nie eine Trennung zwischen Astronomie und Altertumswissenschaften, im Gegenteil, sie waren immer irgendwie miteinander verbunden», sagte Rita Gautschy bei der Preisübergabe in der Aula der Universität Zürich.

In ihrem Festvortrag legte sie dar, wie sehr die Astronomie im Alltag der antiken Kulturen – in  Ägypten, Mesopotamien, Griechenland und Rom – verwurzelt war. Sie zeigte insbesondere auf, welch zentrale Rolle der Beobachtung der Gestirne bei der Landwirtschaft, der Religion und der Schifffahrt zukam.

Rita Gautschy Geboren 1973 im österreichischen Bad Ischl, studierte Rita Gautschy Astronomie und Klassische Archäologie an der Universität Wien, wo sie 2001 promovierte. 2003 nahm sie an der Universität Basel das Studium der Klassischen Archäologie und der Altertumswissenschaften wieder auf. 2008 wurde ihr ein zweijähriges Marie-Heim-Vögtlin-Stipendium des Schweizerischen Nationalfonds zugesprochen. Seither stehen einerseits die ägyptische Chronologie, andererseits die Grenzen und Möglichkeiten überlieferter astronomischer Beobachtungen für chronologische Zwecke in antiken Kulturen im Zentrum ihres Forschungsinteresses. Rita Gautschy ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Ägyptologie an der Universität Basel.

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