EU-Rahmenprogramm «Horizon 2020»

Horizonterweiterung für Geistes- und Sozialwissenschaften

Die Geistes- und Sozialwissenschaften sollen sich stärker als bisher um EU-Gelder bemühen. Mit diesem Ziel startet am 24. Mai im Bern die Kampagne für das EU-Rahmenprogramm «Horizon 2020». 

Thomas Gull

Die Universität Zürich warb seit 2007 über 102 Millionen Euro an EU-Forschungsgeldern ein. Die Geistes- und Sozialwissenschaften waren daran in relativ geringem Umfang beteiligt. (Bild: Pixelio)

Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: Im Rahmen des siebten EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation von 2007 bis 2013 (FP7) wurden bislang insgesamt 174 Projekte von Forschenden der Universität Zürich mit EU-Geldern unterstützt. Dank dieser Projekte flossen mehr als 102 Millionen Euro an Drittmitteln an die UZH.

Den Löwenanteil sicherten sich die Medizinische Fakultät (77 Projekte, 47 Mio. Euro) und die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät (58 Projekte, 37 Mio. Euro). Erst an vierter Stelle der sieben Fakultäten erscheint in dieser Rangliste die grösste Fakultät der UZH, die Philosophische Fakultät mit neun Projekten und einer Summe von rund 2,3 Mio. Euro. Sie liegt damit noch deutlich hinter der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (20 Projekte, 15 Millionen).

Noch zu wenige Peers

Weshalb ist das so? Agatha Keller, Co-Leiterin von EU GrantsAccess nennt dafür mehrere Gründe: «Die Rahmenprogramme verlangen die Zusammenarbeit mit mindestens drei Partnern, wobei es oft mehr sind. In der Medizin und den Naturwissenschaften ist es üblich, in grösseren Forschungsverbünden zu arbeiten. Bei den Geistes- und Sozialwissenschaften ist das weniger verbreitet.»

Ausserdem fehle in den Geistes- und Sozialwissenschaften etwas der Anreiz, sich um EU-Gelder zu bewerben. Einerseits, weil die Gelder des Nationalfonds oft ausreichen, um eigene Projekte zu realisieren, andererseits weil es (noch) zu wenige Peers gibt, die sich erfolgreich um EU-Gelder beworben haben. «Deshalb freuen wir uns über Leute wie Tristan Weddigen», sagt Keller. Der Kunstgeschichtsprofessor hat 2009 für sein Projekt zur Erforschung des Textils als Medium in Kunst und Architektur einen ERC Starting Grant erhalten.

Informiert darüber, wie Forscherinnen und Forscher der Geistes- und Sozialwissenschaften beim Einwerben von Drittmitteln erfolgreicher werden können: Agatha Keller, Co-Leiterin von EU GrantsAccess. (Bild: Efa Muehlethaler)

Interessen und Forschungsgebiete einbringen

Jetzt sollen es ihm seine Kolleginnen und Kollegen gleichtun und sich erfolgreich um Forschungsgelder des achten EU-Rahmenprogramms «Horizon 2020» bewerben. Mit diesem Ziel führt die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften SAGW in Zusammenarbeit mit Euresearch und ALLEA (All European Academies) am 24. Mai in Bern eine Tagung durch.

An der Tagung wird über das neue Rahmenprogramm informiert.  Der dritte Teil des achten Rahmenprogramms «Societal Challenges» bezieht sich ausdrücklich auf die Forschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Beim ersten Treffen in Bern wird es darum gehen, auszuloten welches Potenzial die Forschung in der Schweiz in diesem Bereich hat. Dazu werden fünf Workshops durchgeführt: «Inclusive Societies», «Intelligent Growth», «EU as a Global Actor», «Diversity, Beliefs and Values» and «Sustainable Growth».

«Wenn wir wissen, welche Interessen und Forschungsgebiete unsere Wissenschaftler einbringen wollen, können wir das in die Planung und Entwicklung der Arbeitsprogramme innerhalb von Horizon 2020 einfliessen lassen», sagt Agatha Keller. Konkret geschieht dies über das Staatssekretariat für Bildung- Forschung und Innovation, das an der Ausarbeitung der Arbeitsprogramme innerhalb von «Horizon 2020» beteiligt sein wird.

Jetzt schon zu wissen, welche Fachgebiete und Projekte infrage kommen, ist entscheidend, wie Keller betont: «Forschende können sich nur auf konkrete Arbeitsprogramme bewerben, die ab 2014 aufgelegt werden.» Ausserdem haben die Forschenden noch zwei Jahre Zeit, um ihre Projekte zu entwickeln und sich Partner zu suchen. Für die ERC-Grants sind allerdings keine zusätzlichen Partner nötig – die letzten Ausschreibungen dazu im Rahmen von FP7 folgen im Sommer und Herbst 2012. Forschende, die eine Eingabe vorbereiten, werden von EU GrantsAccess und Euresearch unterstützt.

Thomas Gull ist Redaktor des Magzins der UZH.

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