Neuer Lehrstuhl für Protonentherapie

Die Protonentherapie ist eine vielversprechende Möglichkeit, Krebs zu behandeln. Ein gemeinsamer Lehrstuhl des Paul-Scherrer-Institutes und der Universität Zürich soll die weitere Entwicklung der Therapie unterstützen. Prof. Eugen B. Hug wird die Professur für Protonen-Radiotherapie am 1. Januar 2007 antreten.

Adrian Ritter

Bei der Protonentherapie werden die positiv geladenen Teilchen des Atomkerns in elektrischen Feldern beschleunigt und mit Magneten gelenkt. Weltweit mehr als 40'000 Menschen wurden bisher damit behandelt. (Bild: PSI)

Das Paul-Scherrer-Institut (PSI) im aargauischen Villigen und die Universität Zürich errichten per Anfang 2007 eine gemeinsame Doppelprofessur für Protonen-Radiotherapie. Der Universitätsrat hat Ende Oktober den 47-jährigen Krebsspezialisten Prof. Dr. med. Eugen B. Hug auf diese Stelle gewählt. Seine Aufgabe wird es sein, die Protonentherapie medizinisch weiter zu entwickeln und sie mit diesem schweizweit ersten Lehrstuhl für Protonentherapie akademisch zu verankern.

Gemäss Prof. Walter Bär, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich, soll der Lehrstuhl unter anderem dazu beitragen, «weitere therapeutische Anwendungsfelder für die zukunftsgerichtete Protonentherapie zu identifizieren». Verbunden ist die Professur von Eugen B. Hug an der medizinischen Fakultät mit der Leitung des Zentrums für Protonentherapie am PSI.

Beschleunigen und lenken

Eugen B. Hug studierte an der Ludwig-Maximilian Universität München Medizin und ist derzeit Professor für Radioonkologie an der «Dartmouth Medical School» in Hanover (USA) sowie Leiter der Sektion Radioonkologie am «Darthmouth Hitchcock Medical Center» in Lebanon (USA). Sein Arbeitsschwerpunkt liegt bei der Erforschung der Protonentherapie bei Tumorerkrankungen von Kindern sowie bei Schädelbasistumoren von Erwachsenen.

Seit fast 50 Jahren ist die erfolgversprechende Wirkung von Protonenstrahlen bei der Behandlung von Krebs bekannt. Protonen sind positiv geladene Teilchen des Atomkerns. Sie lassen sich in elektrischen Feldern beschleunigen und können mit Magneten präzise gelenkt werden. Diese Eigenschaften macht sich die Protonentherapie zunuzte. Weltweit mehr als 40'000 Menschen wurden bisher damit behandelt, vor allem bei Tumoren im Auge, im Gehirn, an der Schädelbasis sowie an der Wirbelsäule und im Becken.

Am Paul-Scherrer-Institut wird die Protonentherapie im bisher einzigen Forschungszentrum der Schweiz praktiziert. (Bild: PSI)

Pionierrolle in Europa

Das zum ETH-Bereich gehörende PSI ist europaweit ein Pionier in der Anwendung der Protonentherapie. Seit 1984 wird dort im bisher einzigen Forschungszentrum der Schweiz Protonentherapie praktiziert. Allein wegen einer speziellen Krebserkrankung im Auge sind bisher mehr als 4000 Patienten behandelt worden. Die Resultate sind beeindruckend: Gemäss PSI wurde in mehr als 98 Prozent dieser Augenbehandlungen das Tumorwachstum definitiv gestoppt oder der Tumor sogar zum Verschwinden gebracht.

Im Gegensatz zur herkömmlichen Strahlentherapie mit Photonen sind die Nebenwirkungen bei der Protonentherapie weitaus geringer. Dies hängt damit zusammen, wie Protonen ihre Energie abgeben, welche für die Zerstörung der Tumorzellen verantwortlich ist. Dringen Protonen in den Körper ein, werden sie abgebremst. Dabei geben sie die maximale Dosis ihrer Energie dort ab, wo sie stoppen.

Ihre Beschleunigung wird nun so gewählt, dass die Protonen genau am voraus berechneten Ort im Tumorgewebe stoppen. Hinter dem Tumor, im gesunden Gewebe, wird keine Dosis abgegeben und vor dem Tumor beträgt die Dosis deutlich weniger als bei Photonen. Dies erlaubt es gleichzeitig auch, im Tumor selber deutlich höhere Strahlendosen zu verwenden und damit die Wirkung der Behandlung zu erhöhen.

Den Einsatz im Spital vorbereiten

Bei all diesen Vorteilen ist das PSI sehr zuversichtlich, dass die Protonentherapie einen «wesentlichen Fortschritt» bei der Behandlung von Krebserkrankungen darstellen wird, wie Martin Jermann, Programmleiter Protonentherapie am PSI, erklärt. Entsprechend wird die Technik in Villigen ständig weiterentwickelt.

Durch den Ausbau der Anlage sollen ab 2008 deutlich mehr Patientinnen und Patienten behandelt werden können. Mit der noch schnelleren Scanning-Technik soll es dann möglich sein, auch bewegliche Tumoren (wie etwa im Falle von Lungenkrebs) mit hoher Präzision zu behandeln. Gleichzeitig wird am PSI die Technologie für den Einsatz in Spitälern vorbereitet.

Adrian Ritter ist Redaktor von unipublic.

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