cogito-Preis 2004

Cogito-Preis für interdisziplinäre Verhaltensforschung

Für ihre Verbindung von Ökonomie, Biologie und Psychologie wurde dem Wirtschaftswissenschaftler Prof. Ernst Fehr von der Universität Zürich und dem Zoologen Prof. Alex Kacelnik (Universität Oxford) am 20. Oktober an der Universität Zürich der cogito-Preis 2004 verliehen.

Adrian Ritter

Simon Aegerter, Präsident des Stiftungsrates der cogito foundation (Bild: Dieter Enz / Comet Photoshopping GmbH)

Das Ziel der «cogito foundation», Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft einander näher zu bringen, sei noch keineswegs selbstverständlich, sagte Dr. Simon Aegerter, Präsident des Stiftungsrates, in der Begrüssung zur Preisverleihung in der Aula der Universität Zürich. Im populären Buch «Bildung» von Dietrich Schwanitz beispielsweise würden naturwissenschaftliche Erkenntnisse schlicht nicht zur Bildung gezählt. Eine Gesellschaft, die Natur- und Geisteswissenschaft derart trenne,denke aber mit zwei Köpfen – «wobei der eine Kopf nicht weiss, was der andere tut».

Gemeinsamer Forschungsaufenthalt

Damit sich dies ändern kann, gibt es unter anderem den jährlich mit 50`000 Franken dotierten cogito-Preis. Verliehen wird er 2004 zu gleichen Teilen an Ernst Fehr, Professor für Mikroökonomie und Experimentelle Wirtschaftsforschung an der Universität Zürich und an Alex Kacelnik, Professor für Zoologie an der Universität Oxford (UK). Die beiden werden für ihre je eigenen interdisziplinären Forschungen wie auch für die gemeinsame Arbeit im Rahmen ihres Forschungsaufenthaltes am Wissenschaftskolleg in Berlin ausgezeichnet.

von links: Dr. Simon Aegerter, Prof. Dr. Alex Kacelnik, Prof. Dr. Ernst Fehr, Dr. Irene Aegerter (Vizeräsidentin des cogito-Stiftungsrates), Prof. Dr. Urs R. Behnisch (Mitglied des cogito-Stiftungsrates) (Bild: Dieter Enz /Comet Photoshopping GmbH)

Fehr wird insbesondere geehrt für seine Zusammenarbeit mit Biologen und Neurowissenschaftern bei der Frage des rationalen Handelns und des menschlichen Altruismus. In seiner Laudatio wies Prof. Hans Weder, Rektor der Universität Zürich und Mitglied des Stiftungsrates der cogito foundation, auch auf die weltweite Anerkennung hin, welche die interdisziplinäre Forschung des Preisträgers durch die Publikation in «Nature» und «Science» gefunden habe. Die Arbeit von Fehr habe das Konstrukt des rationalen und egoistischen Homo oeconomicus in Frage gestellt.

Als einzigartig im Kombinieren verschiedener Fachgebiete bezeichnete cogito Stiftungsrat Prof. Rüdiger Wehner auch den zweiten Preisträger Alex Kacelnik. In der Laudatio wurde er für die pionierhafte Verbindung von Evolutionsbiologie, experimenteller Psychologie und Ökonomie geehrt. Kacelnik wurde mit seinen Arbeiten zu Fragen des rationalen Handelns bei Tier und Mensch bekannt.

cogito-Preisträger 2004 Ernst Fehr (Bild: Dieter Enz /Comet Photoshopping GmbH)

Neurowissenschaften beiziehen

Nach der Preisverleihung skizzierten die beiden Forscher ihre Arbeiten. Fehr ging dabei der Frage nach der «Natur des menschlichen Altruismus» nach. In seiner Forschung interessiert er sich speziell für die sogenannte «starke Reziprozität». Dabei betreiben Individuen scheinbar irrational einen Aufwand, um andere für die Verletzung sozialer Normen zu bestrafen oder für deren Einhaltung zu belohnen.

Für Fehr ist es «unmöglich, die Funktionsweise von Wirtschaft und Gesellschaft zu verstehen, wenn man die starke Reziprozität vernachlässigt». Die Forschung stehe allerdings noch vor einigen offenen Fragen – etwa bezüglich der biologischen, sozialen und emotionalen Grundlagen des Altruismus. Geklärt werden müsse auch, welche Konsequenzen die neuen Erkenntnisse auf die politische Philosophie im Sinne unserer Sicht einer guten und gerechten Gesellschaft haben.

Das Publikum in der Aula der Universität. (Bild: Dieter Enz /Comet Photoshopping GmbH)

Interdisziplinär streiten

Kacelnik ging in seinem Vortrag dem Begriff des rationalen Handelns in Philosophie, Ökonomie und Biologie nach. Die heutige Forschung zeige, dass sich Menschen weniger rational und andere Spezies weit rationaler verhalten als bisher angenommen. Das weitere Verständnis derartiger Fragen werde aus einer interdisziplinären Perspektive kommen müssen, ist Kacelnik überzeugt. Gerade der Forschungsaufenthalt am Wissenschaftskolleg in Berlin sei für ihn eine wertvolle Erfahrung gewesen. Dabei sei auch herzhaft gestritten worden über unterschiedliche Auffassungen, etwa zwischen ihm und Ernst Fehr, meinte Kacelnik lachend. Unterschiedliche Auffassungen haben die beiden Preisträger etwa zur Frage der evolutionären Ursachen von starker Reziprozität. Während diese für Fehr eine sinnvolle evolutionäre Anpassung darstellt, betrachtet Kacelnik sie eher als Fehlanpassung.

Adrian Ritter ist freischaffender Journalist in Zürich.

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