Otto Nägeli-Preis

Weniger Essen und Rotwein aus kühlen Regionen kann das Leben verlängern

Wie erreichen wir ein höheres Alter? Es sind viele Faktoren, unter anderem genetische, sagt Ernst Hafen, Professor am Zoologischen Institut der Universität Zürich und diesjähriger Otto Nägeli-Preisträger der Bonizzi-Theler Stiftung. Der mit 200'000 Franken dotierte Preis gilt als einer der wichtigsten Schweizer Wissenschaftspreise.

Christoph Schumacher

Prof. Ernst Hafen, der diesjährige Otto Nägeli-Preisträger. (Bild: Christoph Schumacher)

Weniger essen erhöht die Wahrscheinlichkeit, lange zu leben. Diese alltagstaugliche Erkenntnis ist nur eines der Forschungsresultate aus dem Forschungsgebiet Ernst Hafens. Der Zürcher Forscher untersucht die Zusammenhänge von Wachstum und Alterung anhand eines Modellorganismus. Als solcher dient die Taufliege Drosophila. Rund drei Viertel der menschlichen Gene, die mit Krankheiten assoziiert sind, sind auch bei der Drosophila vorhanden.

Focus auf Wachstumsgene

Das Team um Ernst Hafen richtete die Aufmerksamkeit nun auf diejenigen Gene, die für Prozesse des Wachstums verantwortlich sind. Rund 15'000 Gene untersuchte die Gruppe und konnte schliesslich fünfzig Gene bestimmen, welche für das Wachstum eine Rolle spielen. Das erste Wachstumsgen wurde 1997 entdeckt und erhielt den sprechenden Namen Chico. Die Fliegen mit Chico-Gendefekt sind kleiner gewachsen, wobei einerseits weniger Körperzelle pro Organ vorhanden sind und zudem die einzelnen Zellen auch kleiner sind.

Dr. Kurt Müller, Präsident der Bonizzi-Theler Stiftung überreicht Ernst Hafen den Otto Nägeli-Preis. (Bild: cs)

Von der Drosophila zum Menschen

Die Gensequenz des Chico-Gens verglichen die Forscher mit den bereits vorhandenen Sequenzen in der Genom-Datenbank. Es zeigte sich, dass dieselbe Sequenz auch in anderen Organismen vorkommt. Auch beim Menschen existiert dieses Gen, es ist unter dem Namen Insulin-Rezeptor-Substrat (IRS) bekannt. IRS ist ein Element in der Kette der Insulinverarbeitung. Ist dieses Gen defekt, wird das Insulin nicht mehr richtig verarbeitet. Die Zuckerkrankheit Diabetes Typ 2 basiert auf einem solchen Defekt.

Die Insulinverarbeitung und das Wachstum hängen also eng miteinander zusammen. Auch das Gegenteil, die unkontrollierte Aktivierung der Insulinkaskade, ist fatal: Ein unnatürliches und ungebremstes Zellwachstum ist die Folge: Es entsteht Krebs.

Friss die Hälfte!

Eine weitere Erkenntnis aus Hafens Forschung ist im Volksmund schon seit längerem als Appell bekannt: Friss die Hälfte! Tatsächlich hat die Forschung gezeigt, dass Organismen unter weniger Nahrung signifikant länger leben. Auch Organismen mit einem Defekt in der Insulin-Rezeptor-Kette haben eine erhöhte Lebenserwartung. Grund dafür ist ein Schutzprogramm in den Zellen, das bei einem geringeren Insulinsignal aktiviert wird. Es bremst den Alterungsprozess der Zellen und verhilft dem Organismus so zu einem längeren Leben.

Mitglieder des Akademischen Orchesters Zürich sorgten für den musikalische Teil der Veranstaltung in der Aula. (Bild: cs)

Rotwein aus kühlern Regionen

Zum Schluss präsentierte Hafen noch ein etwas skurriles Forschungsresultat eines Kollegen der Harvard University. Der amerikanische Forscher David Sinclair hatte herausgefunden, dass eine chemische Substanz namens Resveratrol das Leben von Hefezellen verlängert. Dieselbe Substanz scheint auch den Alterungsprozess von Fliegen und Würmern zu verlangsamen.

Resveratrol ist eine pflanzliche Substanz, die unter anderem in Rotwein vorkommt. Es sind besonders die säuerlichen Trauben aus kälteren Klimagebieten, die besonders viel Resveratrol enthalten.

So darf also vermutet werden, dass gelegentliche intrakorporale Applikation des bacchantischen Getränks durchaus Gutes bewirken kann.

Christoph Schumacher ist freier Fotograf, Journalist und Mitarbeiter von unicom

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