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Leading House Asia Pacific

Multilateral forschen im Asien-Pazifik-Raum

Mehr als 200 Projektvorschläge von verschiedenen Schweizer Hochschulen gingen beim ersten Funding Call des Leading House Asia Pacific ein. Viele der geförderten Projekte bringen Partner aus mehreren Ländern zusammen – so auch einige Initiativen, die von der UZH geleitet werden.
Autor: Barbara Simpson
Illustration für Research Network Grants
Im Rahmen des Leading House Asia Pacific Mandats fördern die Research Network Grants trilaterale oder multilaterale Forschungskooperationen im asiatisch-pazifischen Raum. (Illustration: UZH)

Das erste Förderinstrument im Rahmen des UZH-Mandats für das Leading House Asia Pacific ist in der Schweiz auf grosses Interesse gestossen. Der LHAP Funding Call 2025 richtete sich an Forschende an Schweizer Hochschulen, die neue Kooperationen mit Partnern im Asien-Pazifik-Raum aufbauen wollen – von Forschungsnetzwerken über Policy Engagement bis hin zu PhD-Mobilität und Innovationspartnerschaften. Mehr als 200 Projektvorschläge wurden eingereicht. Die starke Resonanz zeigt, wie wichtig die Region für die Schweizer Forschung geworden ist.

Dabei setzte der Call bewusst auf multilaterale Zusammenarbeit. Im Förderinstrument Research Network Grant mussten Projekte Partner aus mindestens zwei förderberechtigten Ländern im Asien-Pazifik-Raum einbeziehen. Gefördert werden sollten damit nicht nur bilaterale Beziehungen, sondern breitere regionale Netzwerke zwischen der Schweiz, Ostasien, Südostasien, Australien und Neuseeland.

Dieses Ziel spiegelt sich nun in den ausgewählten Projekten wider. Insgesamt werden 40 interdisziplinäre Projekte gefördert, darunter 33 multilaterale Vorhaben. Hier stellen wir einige der Initiativen vor, die von Forschenden der Universität Zürich (UZH) geleitet werden. Sie geben einen Einblick in die thematische Vielfalt des Calls – von Klimakommunikation und der Wiederherstellung von Ökosystemen über maschinelles Lernen, Reisemedizin und kulturell verankerte KI bis hin zu digitaler psychischer Gesundheitsversorgung.

Netto-Null-Kommunikation glaubwürdiger machen

Viele Unternehmen verpflichten sich heute öffentlich zu Netto-Null-Zielen. Wirkung entfalten solche Versprechen aber nur, wenn sie glaubwürdig sind und Öffentlichkeit und Politik bei der Klimawende mit an Bord holen. Nadine Strauß vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung leitet ein trilaterales Forschungsnetzwerk mit Partnern in Hongkong und Australien, das untersucht, wie Unternehmen der drei Länder ihre Netto-Null-Ziele kommunizieren.

Gemeinsam mit der University of Technology Sydney und der Hong Kong Baptist University wollen die Forschenden praxisnahe Instrumente entwickeln, die eine glaubwürdigere Klimakommunikation von Unternehmen unterstützen und Greenwashing entgegenwirken. Geplant ist zudem eine jährliche Summer School für Doktorierende, um Nachwuchsforschende in Nachhaltigkeitskommunikation international zu vernetzen.

Dieses Projekt soll die Lücke zwischen unternehmerischen Klimazusagen und öffentlichem Vertrauen schliessen – mit evidenzbasierten Kommunikationsstrategien, die Netto-Null-Ziele glaubwürdiger, verständlicher und wirkungsvoller machen.

Nadine Strauß
Assistenzprofessorin für Strategische Kommunikation und Medienmanagement

Maschinelles Lernen für bessere wirtschaftliche Entscheidungen

Wirtschaftliche Modelle helfen, komplexe Systeme zu verstehen – von der Klimapolitik bis zum Welthandel. Viele aktuelle Herausforderungen lassen sich mit herkömmlichen rechnergestützten Methoden jedoch nur begrenzt analysieren. Yucheng Yang vom Department of Finance baut deshalb ein internationales Forschungs- und Ausbildungsnetzwerk auf, das die UZH mit Partnern in Hongkong, Japan und China verbindet, darunter die University of Hong Kong, das National Graduate Institute for Policy Studies in Japan und die Peking University.

Das Projekt bringt Expertise aus Ökonomie, Finanzwissenschaft, Informatik und Politik zusammen. Untersucht wird, wie sich Methoden des maschinellen Lernens, etwa Reinforcement Learning und bayessche Optimierung, mit ökonomischer Theorie verbinden lassen, so dass die Ergebnisse nachvollziehbar, reproduzierbar und für Entscheidungen nutzbar bleiben.

Maschinelles Lernen kann Ökonom:innen helfen, komplexe Herausforderungen anzugehen – von der Klimapolitik bis zu Handelsverwerfungen. Dieses Projekt baut dafür ein internationales Forschungs- und Ausbildungsnetzwerk auf.

Yucheng Yang
Assistenzprofessor für Finance

Reisemedizin in einer wärmeren Welt

Der Klimawandel verändert, wo und unter welchen Bedingungen Infektionskrankheiten auftreten. Für die Reisemedizin ist das eine zunehmende Herausforderung: Umweltbedingte Risiken verändern sich rasch, während die Beratung von Reisenden klar, aktuell und praktisch bleiben muss. Andrea Farnham vom Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention leitet ClimAtlas, ein schweizerisch-asiatisch-pazifisches Netzwerk mit Konsortialpartnern in Australien, Thailand und Japan, darunter die University of Queensland, Mahidol University und Waseda University.

Ihr Projekt verbindet Epidemiologie, digitale Gesundheitssysteme, Reisemedizin sowie sprachliche und interkulturelle Kommunikation. Auf der Grundlage von Wetterdaten, Fernerkundung und der Überwachung von Infektionskrankheiten soll ClimAtlas einen gemeinsamen Rahmen für reisemedizinische Beratung entwickeln. Dieser soll in klinischen und digitalen Angeboten eingesetzt werden und für Fachpersonen wie Reisende gleichermassen verständlich sein.

ClimAtlas rückt die Reisemedizin stärker in den Kontext des Klimawandels und hilft Fachpersonen, neue Infektionsrisiken klar und kulturübergreifend zu kommunizieren.

Andrea Farnham
Leiterin der Forschungsgruppe Mobility & Planetary Health

Mangroven im Mekong-Delta regenerieren

In vielen Teilen des Asien-Pazifik-Raums schützen Mangroven seit Langem die Küsten. Doch diese Ökosysteme sind zunehmend durch steigende Meeresspiegel und die Ausweitung von Aquakulturen gefährdet. Leon Hauser vom Geographischen Institut baut ein trilaterales Forschungsnetzwerk mit Partnern in Vietnam und Taiwan (Chinese Taipei) auf, das die Regeneration von Mangroven im dicht besiedelten vietnamesischen Mekong-Delta untersucht.

Das Projekt vernetzt die UZH mit der Vietnam Academy of Science and Technology, der University of Economics Ho Chi Minh City und der National Taiwan Normal University. Durch die Kombination von Fernerkundung, Mangrovenökologie, naturbasierten Lösungen und lokaler Regenerationspraxis will das Projekt zu einer widerstandsfähigeren Küstenentwicklung beitragen – und dabei von und mit den Gemeinschaften und Fachpersonen lernen, die direkt am Schutz dieser Landschaften beteiligt sind.

Dieses Projekt will zur Regeneration von Mangroven beitragen – durch den intensiven Austausch mit Forschenden, Expert:innen und lokalen Gemeinschaften in Vietnam und Taiwan (Chinese Taipei) sowie durch gezielte Vermittlungsarbeit.

Leon Hauser
Postdoktorand am Geographischen Institut

Digitale psychische Gesundheitsversorgung in Vietnam

In Vietnam bleiben psychische Erkrankungen oft unerkannt, auch weil Screening und Monitoring in der medizinischen Grundversorgung nicht breit verfügbar sind. Clare Killikelly leitet ein Projekt, das untersucht, wie digitale Werkzeuge Gesundheitsfachpersonen dabei unterstützen können, psychische Belastungen früher zu erkennen und gezielter darauf zu reagieren.

Das Projekt arbeitet mit Partnern in Vietnam und China zusammen, darunter die Vietnam National University – International University, VinUniversity und NYU Shanghai. Das Team testet eine einfach zu bedienende App, die vor Arztbesuchen psychische Belastungen erfasst und tägliche Veränderungen von Stimmung, Schlaf, Energie und sozialen Interaktionen dokumentiert. Ziel ist es nicht, die persönliche Beratung zu ersetzen, sondern zu prüfen, ob kulturell angepasste digitale Tools die Früherkennung, eine rechtzeitige Intervention und einen breiteren Zugang zu psychischer Gesundheitsversorgung in Vietnam unterstützen können.

Digitales Screening kann psychische Gesundheitsversorgung näher dorthin bringen, wo Menschen bereits Hilfe suchen. Mit kulturell angepassten Instrumenten wollen wir Früherkennung, rechtzeitige Intervention und faireren Zugang unterstützen.

Clare Killikelly
Assistenzprofessorin für Clinical Intervention and Global Mental Health

Kulturell verankerte KI für Museen und Kulturerbe

KI-Systeme werden zunehmend zur Analyse von Bildern, kunstgeschichtlichen Texten und Museumssammlungen eingesetzt. Viele Basismodelle werden jedoch vor allem mit westlichen Daten trainiert. Das schränkt ihren Nutzen für Museen und Archive ein, die mit kulturspezifischen Sammlungen arbeiten.

Darío Negueruela Del Castillo vom Center for Digital Visual Studies baut ein Netzwerk zu kulturspezifischer KI in Museen und im Kulturerbe auf, das Forschende in der Schweiz mit Partnern in Südkorea und Japan verbindet – darunter das geplante Centre Pompidou Hanwha Seoul, MMCA Korea und das Nakanoshima Museum of Art in Osaka. Gemeinsam werden die Partner Bewertungsrahmen für KI-Systeme entwickeln, die mit moderner und zeitgenössischer asiatischer Kunst arbeiten.

Situated AI fragt, wie Maschinen – über kulturelle Unterschiede hinweg – sehen lernen können. Wir legen die methodischen Grundlagen für KI, die kuratorisches Wissen unterstützt, statt es zu verdrängen.

Darío Negueruela Del Castillo
Wissenschaftlicher Koordinator des Center for Digital Visual Studies (DVS)