Koetser-Preis 2022

Wo der Schwindel herrührt

In Anerkennung seiner wegweisenden Beiträge auf dem Gebiet der Augenbewegungen, der Gleichgewichtskontrolle und der räumlichen Orientierung erhält Adolfo Miguel Bronstein den diesjährigen Preis der Betty und David Koetser Stiftung für Hirnforschung.

Dominik Straumann

Adolfo Bronstein (rechts) erhält den Koetser-Preis von David Koetser, Famlienmitglied des Stiftungsrats der Betty und David Koetser Stiftung. (Bild:zVg)

 

Schwindel ist nach Schmerz der zweihäufigste Grund, weshalb ärztliche Hilfe gesucht wird. Die Abklärung von Schwindel, darunter Gleichgewichts- oder Augenbewegungsstörungen, ist anspruchsvoll. Denn das schwer zu beschreibende Symptom kann von Störungen verschiedener Orte ausgehen: vom Gleichgewichtsorgan im Innenohr, den Gleichgewichtsnerven, dem Hirnstamm oder dem Kleinhirn oder Grosshirn sind verschiedene Ausgangspunkte möglich.

Dabei können psychologische, physikalische, pathophysiologische oder biochemische Mechanismen dem Schwindel zugrunde liegen. Nicht selten liegt eine Kombination dieser Ursachen dem Leiden zugrunde.

Adolfo Bronstein, Professor für klinische Neuro-Otologie am Department of Brain Sciences, Imperial College London, gehört seit Jahrzehnten zu den prägendsten Neuro-Otologen weltweit. Seine Beiträge zum besseren Verständnis von Erkrankungen des Gleichgewichtssystems und zu deren Therapien haben eine ganze Generation von auf Schwindel spezialisierten Neurologen und Otologen entscheidend beeinflusst.

Wichtige Beiträge

Massgebende Arbeiten Bronsteins umfassen die erste Beschreibung des sogenannten visuellen Schwindel-Syndroms, die Identifizierung eines neuen Syndroms des Kleinhirns und dessen genetische Grundlage, die verbesserte Therapie der Menière-Krankheit (einer Störung im Innenohr) oder die Prognose nach Entzündungen des Gleichgewichtsnerven – um nur die wichtigsten zu nennen.

Sein Lehrbuch Dizziness: a practical approach to diagnosis and management (Koautor: T. Lempert) gehört zum Kanon der Neuro-Otologie und wurde inzwischen in sieben Sprachen übersetzt. In der Verbindung seines wissenschaftlichen Denkens mit einem empathischen Interesse am Patienten verkörpert Adolfo M. Bronstein den beispielhaften Kliniker, von dem wir im Krankheitsfall behandelt zu werden wünschen.

In Anerkennung seiner Beiträge wird Adolfo Miguel Bronstein im Rahmen des 27. Zürcher Schwindelsymposiums am 1. Dezember mit der Vergabe des Koetser-Preises geehrt.

Zur Person

Adolfo Miguel Bronstein, MD, PhD, wurde 1950 in Buenos Aires, Argentinien, geboren. Dort studierte er auch Medizin und wechselte Mitte der 1980er-Jahre nach London, wo er seither klinisch (Charing Cross Hospital und National Hospital Queen Square), wissenschaftlich und in der Lehre (Imperial College London) tätig ist. Seit 1989 ist sein Labor ein begehrter Forschungsort für zahlreiche Doktorierende und Postdocs.

Betty und David Koetser Stiftung

Die Betty und David Koetser Stiftung wurde 1993 gegründet und unterstützt in erster Linie klinische Forschung und Grundlagenforschung in Neurologie und Neurobiologie an der Universität Zürich. Zudem verleiht sie jährlich einen Preis für herausragende Arbeiten in der Hirnforschung.

Dominik Straumann ist UZH-Professor und Leitender Arzt der Klinik für Neurologie des USZ.