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Restitution

UZH gibt Benin-Bronzen aus dem Völkerkundemuseum an Nigeria zurück

Die Universität Zürich hat entschieden, 14 Objekte aus ihrem Völkerkundemuseum an die Bundesrepublik Nigeria zu restituieren. Die Objekte stammen ursprünglich aus dem Königreich Benin im heutigen Nigeria und sind für die dortige Bevölkerung von herausragender kultureller und spiritueller Bedeutung.
Vertragsunterzeichnung im Zürcher Stadthaus: Olugbile Holloway, Direktor der National Commission for Museums and Monuments (NCMM) und UZH-Prorektor UZH-Prorektor Christian Schwarzenegger.
Die Vertragsunterzeichnung im Zürcher Stadthaus: Olugbile Holloway, Direktor der National Commission for Museums and Monuments (NCMM) und UZH-Prorektor UZH-Prorektor Christian Schwarzenegger.

Die National Commission for Museums and Monuments (NCMM) in Nigeria hat im März 2024 im Auftrag der nigerianischen Regierung eine formelle Restitutionsforderung für 14 Benin-Artefakte aus dem Völkerkundemuseum der Universität Zürich (UZH) gestellt. Die Universität Zürich (UZH) hat entschieden, dieser Forderung nachzukommen.

Verantwortungsvoller Umgang mit kolonial geprägten Objekten

«Als Universität möchten wir uns kritisch mit der Herkunft der Kulturgüter in unseren Sammlungen auseinandersetzen und einen verantwortungsvollen Umgang damit finden», sagt Elisabeth Stark, Prorektorin Forschung an der UZH. «Die Provenienzforschung zu den Benin-Bronzen im Völkerkundemuseum hat ergeben, dass ein Grossteil dieser Objekte mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit geraubt wurde, bevor sie in unseren Besitz gelangten. Deshalb geben wir sie zurück.»

Bis heute sind die betroffenen Artefakte für die Menschen in Nigeria von herausragender kultureller und spiritueller Bedeutung. NCMM-Generaldirektor Olugbile Holloway nimmt den Entscheid mit grosser Genugtuung zur Kenntnis: «Die Restitution wird auf jeden Fall dazu beitragen, bestimmte Aspekte unserer kolonialen Vergangenheit zu heilen. Ich bin sicher, dass der Königspalast von Benin, die Bevölkerung von Benin und alle Nigerianerinnen und Nigerianer die Symbolik dieser bedeutsamen Rückgabe aufrichtig zu schätzen wissen.»

Bis zum 8. März 2026 waren die Benin-Artefakte aus dem Völkerkundemuseum der UZH Teil der Ausstellung «Benin verpflichtet». Aktuell werden sie umfassend digitalisiert. 14 der Objekte werden bis Ende August ins Nigerian National Museum in Lagos überführt, wo sie die National Commission of Museums and Monuments (NCMM), als Vertreterin der Bundesrepublik Nigeria, in Empfang nehmen wird.

  • Die Vertragsunterzeichnung im Zürcher Stadthaus am 20. März 2026. (Alle Bilder: Museum Rietberg, Matthias Willi)
    Die Vertragsunterzeichnung im Zürcher Stadthaus am 20. März 2026. (Alle Bilder: Museum Rietberg, Matthias Willi)

Gemeinsame Restitution mit Museum Rietberg und Musée d’ethnographie de Genève

In den letzten Jahren kam es bereits zu anderen bedeutenden Restitutionen: 2022 übertrugen deutsche Museen rund 1100 Objekte an Nigeria, 2025 folgte die Rückgabe von 119 Objekten durch die Niederlande. Im Februar 2026 hat die University of Cambridge über die Eigentumsübertragung von 116 Objekte an Nigeria informiert.

Zeitgleich mit dem Völkerkundemuseum der UZH restituieren auch das Museum Rietberg (MRZ) und das Musée d’ethnographie de Genève (MEG) geplünderte Kulturgüter aus dem Königtum Benin an Nigeria. Die Direktorinnen der drei Schweizer Museen, Dr. Carine Ayélé Durand (MEG), Dr. Annette Bhagwati (Museum Rietberg) und Prof. Dr. Alice Hertzog (Völkerkundemuseum der UZH), halten in einer gemeinsamen Stellungnahme fest: «Im Rahmen der Benin Initiative Schweiz haben unsere Museen die Herkunft ihrer Benin-Werke mit wissenschaftlicher Sorgfalt und im engen Austausch mit nigerianischen Partner:innen erforscht. Die Ergebnisse lassen keinen Zweifel zu: Eine Reihe von Objekten gelangte im Zuge des britischen Angriffs auf das Königtum Benin im Jahr 1897 durch Plünderung und über den internationalen Kunsthandel in unsere Sammlungen.

Die Übergabe der Benin-Bronzen an Nigeria schafft die Grundlage dafür, dass das Land seine Geschichte auf eigene Weise erforschen, bewahren und vermitteln kann. Als Schweizer Museen und Institutionen, die sich ihrer ethischen Verantwortung bewusst sind und den Dialog mit Herkunftsgesellschaften aktiv suchen, befürworten wir den Eigentumstransfer. Er ist ein notwendiger Schritt der historischen Aufarbeitung, ein Zeichen des Respekts – und ein Ausdruck gelebter internationaler Zusammenarbeit.»

Download Bilder

  • Reiter
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    Der hier angefügte Kopf gehört eigentlich nicht zur Figur. Er ist einem Kopf im British Museum nachgebildet. Wo der originale Kopf ist, und wie die Reiterfigur ihn verloren hat, ist unbekannt. (Bild: Kathrin Leuenberger, 2024)
  • Gedenkkopf
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    Die Iy’Ọba (Königinmutter) ist eine wichtige Person in der politischen Hierarchie des Königtums Benin im heutigen Nigeria. Solche Uhunmwu elao ọghe Iy’ọba standen auf dem Ahnenaltar im Schrein einer Königinmutter und dienten dazu im täglichen Kontakt mit der Ahnin zu bleiben. Dieser Gedenkkopf wurde wahrscheinlich 1897 von britischen Truppen geraubt. Über den Kunsthandel gelangte er 1940 in die Sammlung der Universität Zürich. (Bild: Kathrin Leuenberger, 2024)
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    Diese Reliefplatte zeigt Oba-Zwillinge, also zwei Königsfiguren. Britische Truppen haben die Platte wahrscheinlich im Jahr 1897 während des Angriffs auf das Königreich Benin im heutigen Nigeria geplündert. (Bild: Kathrin Leuenberger, 2024)
  • Anhängermaske
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    Die Uhunmwu-Ẹkuẹ (Anhängermaske) aus dem Königtum Benin wurde vermutlich im britischen Kolonialkrieg 1897 geraubt und gelangte über den Schweizer Sammler Han Coray in die Sammlung des Völkerkundemuseums. (Bild: Kathrin Leuenberger, 2021)
  • Beschnitzter Elefantenstosszahn
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    Dieser Aken'ni Elao wurden im Königreich Benin (Nigeria) zusammen mit sogenannten Gedenkköpfen der verstorbenen Könige auf Ahnenaltären verwendet. Als die Briten Benin 1897 plünderten, trennten sie die Aken'ni Elao von den azugehörigen Gedenkköpfen. Dieser Aken'ni Elao weist am unteren Ende Brandspuren auf, die von der Plünderung zeugen. (Bild: Kathrin Leuenberger, 2025)