Talk im Turm

«Konflikte sind wie Eisblöcke»

Hat die Corona-Pandemie die Gesellschaft gespalten? Und was können wir aus der Krise zur Bewältigung von Konflikten lernen? Im Talk im Turm standen sowohl persönliche als auch gesellschaftliche Krisen zur Debatte.

UZH Kommunikation

«Sozialer Kitt – was uns verbindet» war das Thema des Talk im Turm mit der Psychologin und Mediatorin Andrea Grünenfelder und dem Politikwissenschaftler Daniel Kübler (Zweiter von rechts). Thomas Gull (li) und Roger Nickl leiteten den Talk, eine Gemeinschaftsproduktion von uzh alumni und UZH Kommunikation. (Video: Zentrale Informatik - MELS)

 

Die Psychologin und Mediatorin Andrea Grünenfelder hat ein eindrückliches Bild zur Hand, um Konflikte zwischen Menschen zu beschreiben: Wenn sich Personen nicht mehr verständigen könnten und bei ihr Rat suchten, kämen sie ihr manchmal vor wie Eisblöcke.

Über der Oberfläche ist nur noch Ablehnung, Eiseskälte, Distanz. Unter der Oberfläche aber stecken die Haltungen und Werte – die sich vielleicht sogar überschneiden und im übertragenen Sinn wie Eisblöcke berühretn. Ihre Aufgabe sei es dann, sagte die Alumna der UZH, diese versteckten Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten und den Konflikt zu deeskalieren.

Diese Strategie funktionierte auch in der Pandemie, folgerte die Psychologin im Talk im Turm zum Thema «Sozialer Kitt – Was uns verbindet». Denn es gibt es auch zwischen hartnäckkigen Befürwortern und Kritikern von Massnahmen Gemeinsamkeiten, zum Beispiel der Wunsch nach Freiheit. Auf diese gemeinsamen Werte müsse man sich in Krisenzeiten konzentrieren.

Gesprächspartner Daniel Kübler, Politikwissenschaftler an der UZH, thematisierte die Krise auf der gesellschaftspolitischen Ebene. Der Demokratieforscher konstatierte eigentlich keine Spaltung der Gesellschaft während der Pandemie, allerdings eine verstärkte Polarisierung verschiedener Gruppierungen, besonders ausgeprägt im Herbst 2021 vor der Abstimmung zum Covid-Gesetz. «Da fragte ich mich schon, schafft dies die Demokratie?», sagte der Politologe.

Fehlende Kollegialität

Weniger als um die Spaltung innerhalb der Gesellschaft sorgt sich Kübler um das Krisenmanagment des Bundesrats. Zwar habe die Regierung die Pandemie gesamthaft betrachtet gut gemeistert, aber die Kollegialbehörde habe schlecht funktioniert.

Je länger die Pandemie dauerte, desto mehr wurde sichtbar, wie die Bundesräte als Einzelpersonen funktionierten statt als gemeinsame Behörde. Ein offensichtlicher Mangel, der sich auch aktuell während des Ukrainekrieges zeigt. «Die schwache Kollegialität macht mir wirklich Sorgen», sagte Kübler.

Der Talk im Turm, der zum ersten Mal nach der Pandemie wieder stattgefunden hat, ist neu eine Koproduktion von uzh alumni und der UZH Kommunikation. Unter bewährter Gesprächsführung von Thomas Gull und Roger Nickl fanden die Gesprächspartner einen versöhnlichen Schluss:

Politologe Daniel Kübler attestierte demokratischen Gesellschaften ein gutes Krisenmanagment: Demokratien waren besser als autoritär geführte Länder. Und Andrea Grünenfelder hob hervor, dass ein überstandener (Paar)-Konflikt die Beziehung kittet und ein Gewinn ist.

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