Zürcher Philosophie Festival

Nichts als logisch

Logik hilft auf der Suche nach Klarheit. Am kommenden Zürcher Philosophie Festival führt UZH-Postdoktorand Christoph Pfisterer mit einem Crashkurs in die Logik ein. Testen Sie schon jetzt Ihr logisches Verständnis anhand einiger Logik-Rätsel.

Nathalie Huber, Christoph Pfisterer2 Kommentare

Symbolbild Logik, farbige Steine
Das diesjährige Philosophie Festival im Kulturzentrum Kosmos lädt ein, zum Thema «Entscheiden» nachzudenken und zu debattieren. (Bild: iStock, Radachynskyi)

 

Logik ist die Lehre von gültigen Schlussfolgerungen und von Fehlschlüssen. Wenn wir nach Klarheit und Eindeutigkeit suchen, versuchen wir uns an ihr zu orientieren – ob im privaten oder wissenschaftlichen Bereich.

Einer, der sich in der Königsdisziplin der Philosophie auskennt, ist Postdoktorand Christoph Pfisterer. Er hat die Logik-Ausbildung an der Universität Zürich über mehrere Jahre mitgestaltet. Am dritten Zürcher Philosophie Festival erklärt Pfisterer Interessierten die Kunst des Schlussfolgerns und führt sie anhand einfacher Beispiele in die formale Logik ein. Wollen auch Sie sich im logischen Denken üben? Dann lösen Sie unten das Logik-Quiz.

Entscheide dich

Das diesjährige Festival im Kulturzentrum Kosmos lädt ein, zum Thema «Entscheiden» nachzudenken und zu diskutieren. Besucherinnen und Besucher können sich mit Philosophinnen und Philosophen an Gedankenexperimenten beteiligen oder sich beim Speed-Dating ohne Hintergedanken mit Hirnverwandten und Denkabschnittspartnern treffen.

Neben Christoph Pfisterer nehmen auch viele andere UZH-Angehörige am Philosophie Festival teil. Zum Beispiel diskutiert Francis Cheneval, Professor für Politische Philosophie, das Thema «Das letzte Wort dem Volk? Über die Grenzen der Demokratie». Oder Markus Kneer, der u.a. zu künstlicher Intelligenz forscht, thematisiert die Folgen, «wenn Algorithmen entscheiden». Und Ethik-Professor Peter Schaber beantwortet Fragen zum Freitod: «Mein Ende gehört mir. Letzte Entscheidung Freitod».

Logik-Quiz


Aufgabe 1 (Lösungen siehe Kasten)

Drei Logikerinnen kommen in eine Bar und werden gefragt: «Nehmt ihr alle ein Bier?» Die erste sagt «Keine Ahnung», die zweite sagt «Weiss ich nicht», und die dritte sagt «Ja!». Weshalb?

Aufgabe 2

Wie lautet die Verneinung der Aussage «Alle Bilder sind Fälschungen»?

a) Alle Bilder sind keine Fälschungen.
b) Einige Bilder sind keine Fälschungen.
c) Kein Bild ist eine Fälschung.

Aufgabe 3

Wie lautet die Verneinung von «Höchstens zwei Bilder sind Fälschungen»?

a) Mindestens drei Bilder sind Fälschungen.
b) Genau zwei Bilder sind Fälschungen.
c) Mindestens ein Bild ist keine Fälschung.

Aufgabe 4

Vier Freunde wandern zu einer Berghütte. Anna kommt vor Bernhard an und Carla kommt vor Daniel an. Anna und Daniel kommen gleichzeitig an. Wer kommt zuletzt bei der Berghütte an?

Aufgabe 5 (aus: *R. Smullyan, Alice in Puzzle-Land, 1982)

Von zwei identischen Zwillingen wissen wir, dass einer John heisst und dass einer immer lügt, während der andere immer die Wahrheit sagt.

a) Mit welcher Frage finden wir heraus, welcher von beiden John ist?
b) Mit welcher Frage finden wir heraus, ob John lügt?

Für Erläuterungen von R. Smullyan zu einem ähnlichen Rätsel, siehe:
https://www.youtube.com/watch?v=E27v83WWiGo

Aufgabe 6 (in Anlehnung an Bertrand Russell)

In Sevilla lebt ein Barbier, der alle Männer rasiert, die sich nicht selbst rasieren.
Frage: Rasiert der Barbier von Sevilla sich selbst?

a) Ja
b) Nein
c) So einen Barbier kann es nicht geben.

 

Lösungen

Aufgabe 1: Würden die ersten beiden kein Bier wollen, könnten sie je die Frage verneinen. Da sie das nicht tun, weiss die dritte, dass die beiden, wie sie selbst, gerne ein Bier hätten.

Aufgabe 2: b)

Aufgabe 3: a)

Aufgabe 4: Bernhard

Aufgabe 5: a) «Sagt John die Wahrheit?» Oder: «Lügt John?» (nicht: «Bist du John? Lügst du? Ist Wasser nass?»)

Aufgabe 5: b) «Bist du John?» (nicht: «Lügt John? Sagt John die Wahrheit?»)

Aufgabe 6: c) So einen Barbier kann es nicht geben. Erklärung: Wenn er sich rasiert, dann gehört er nicht zu jenen Männern, die sich nicht selbst rasieren und daher vom Barbier rasiert werden. Wenn er aber nicht vom Barbier rasiert wird, dann rasiert er nicht sich selbst (Widerspruch). Und: Wenn er sich nicht rasiert, dann gehört er zu jenen Männern, die sich nicht selbst rasieren und daher vom Barbier rasiert werden. Dann aber rasiert er sich selbst (Widerspruch).

Zürcher Philosophie Festival

Das Philosophie Festival wird von der Universität Zürich unterstützt. Einige UZH-Dozierende wirken mit. Es findet vom 16. bis 18. Januar im Kulturzentrum Kosmos statt.

Nathalie Huber, Redaktorin UZH News; Christoph Pfisterer, Postdoktorand Philosophisches Seminar

2 Leserkommentare

Christoph C. Pfisterer schrieb am Paradox Da haben Sie recht! Gemeint ist, dass er genau jene (also die und nur die) rasiert, die sich nicht selbst rasieren. Russells Formulierung ist diesbezüglich eindeutig: "You can define the barber as 'one who shaves all those, and those only (!), who do not shave themselves'. The question is, does the barber shave himself?" (B. Russell, The Philosophy of Logical Atomism 1918; VII). Es freut mich, dass Ihnen die Rätsel gefallen.
Thomas Czikmantori schrieb am Lösung 6a ist richtig Tolle Aufgaben, danke!! Ich würde argumentieren, dass nur weil der Barbier alle Männer rasiert, die sich nicht selbst rasieren, er nicht zusätzlich auch Männer rasieren kann, die es selbst auch tun. Sonst müsste es meiner Meinung nach heissen, “ein Barbier, der NUR alle Männer rasiert, die sich nicht selbst rasieren“. Oder sehe ich das falsch? Viele Grüsse Thomas Czikmantori

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