Campus

Alt-Rektorin Verena Meyer verstorben

Sie baute Teilchenbeschleuniger, prägte die nationale Forschungspolitik mit und stand als erste Frau an der Spitze einer Schweizer Universität: Die Kernphysikerin Verena Meyer. Am 21. Juli ist die ehemalige UZH-Rektorin im Alter von 89 Jahren verstorben.

David Werner 3 Kommentare

Alt
Verena Meyer war die erste Rektorin der UZH. Auch nach ihrem Altersrücktritt leistete sie bedeutende Arbeit für die Wissenschaftspolitik in verschiedenen Gremien und Stiftungen. (Foto: Frank Brüderli)

 

Es war eine grosse Zeit für die Kernforschung, damals, vor sechzig Jahren, als Verena Meyer, die spätere Rektorin der Universität Zürich, sich für ein Physikstudium einschrieb. Physik war zur unangefochtenen Leitwissenschaft avanciert, dem Fach gehörte die Zukunft. Die Schweiz erwog, eine Atomstreitmacht zu werden und investierte viel in die Nuklearforschung. Die Physikabteilungen der Schweizer Universitäten wuchsen schlagartig, und in kurzer Zeit erreichte die Schweiz in der Kernphysik eine internationale Spitzenposition. 

Wer Talent und Einsatzbereitschaft mitbrachte, dem boten sich in dieser Aufbruchsphase grosse Chancen und Möglichkeiten. Auch Verena Meyer teilte diese Forschungseuphorie. Sie war eine begeisterte Studentin. Das Physiklabor der Universität Zürich bildete ihren Lebensmittelpunkt. Obwohl sie die einzige Physikstudentin weit und breit war, war sie in ihre Forschungsgruppe voll integriert. Einen kleinen Ausgleich bildeten das Cello und die wöchentlichen Proben des Akademischen Orchesters. Ansonsten ging Verena Meyer ganz in ihrem Studium auf.

Initialzündung im Physikkurs

Verena Meyer stammte aus einer Akademikerfamilie. Der Vater war Geschichtsprofessor an der Universität Zürich. Die Mutter war Juristin, vor der Familiengründung war sie in der Berliner Jugendanwaltschaft tätig gewesen. Dass Verena Meyer studieren würde, stand ausser Frage. Naturwissenschaften interessierten sie am meisten, sie wählte jedoch Medizin, dies schien einer jungen Frau eher angemessen.

Zum medizinischen Grundstudium gehörten auch Physikkurse. Sie waren nicht sonderlich beliebt, denn sie galten als besonders schwierig. Für Verena Meyer aber wirkten diese Kurse als Initialzündung. Nach dem bestandenen medizinischen Propädeutikum sattelte sie auf Physik um.

Ihre berufliche Laufbahn ergab sich von da an wie von selbst. Verena Meyer wurde schon früh in die Forschung einbezogen. Als Postdoc ging sie für zwei Jahre in die USA, wo sie auch den Bau eines Teilchenbeschleunigers zu überwachen hatte, den die Universität Zürich in Auftrag gegeben hatte. Durch diese Mission vertiefte sich ihre Bindung an das Physik-Institut, anderseits sammelte sie wichtige Auslandserfahrungen. Zurück in Zürich wurde sie 1963 Extraordinaria. Fünf Jahre später wurde sie zur ordentlichen Professorin für Experimentalphysik befördert. Ihr Spezialgebiet: Kernphysik.

Einflussreiche Positionen

1976 wurde Verena Meyer Dekanin. Die Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät war stolz darauf, erstmals eine Frau an ihrer Spitze zu haben. Eine wichtige biografische Zäsur für Verena Meyer war die Zeit als Rektorin der Universität Zürich von 1982 bis 1984.

In dieser Zeit erwachte ihr Interesse für die Wissenschaftspolitik – und sie übernahm hier bald auch auf nationaler Ebene Verantwortung. In den Achtziger- und den Neunzigerjahren bekleidete sie wissenschaftspolitische Schlüsselpositionen: Als Vorsitzende der Abteilung IV des Schweizerischen Nationalfonds war sie für nationale Forschungsprogramme zuständig. Danach war sie Mitglied und später, bis 2000, Präsidentin des Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierates SWTR, dem beratenden Organ des Bundesrates für Fragen der Wissenschafts-, Hochschul-, Forschungs- und Technologiepolitik.

Weit über die Emeritierung 1994 hinaus blieb Verena Meyer in der Wissenschaftspolitik aktiv. Neben ihren Funktionen in den erwähnten nationalen Gremien hatte sie Einsitz in verschiedensten Stiftungen.

David Werner, Leiter Storytelling & Inhouse Media

3 Leserkommentare

Peter Truöl schrieb am Gedenkfeier Angehörige des Physik-Instituts planen zu einem späteren Zeitpunkt ein Kolloqium abzuhalten zum Andenken an ihre verstorbene Kollegin, der sie viel verdanken und sich auch nach ihrer Emeritierung sehr verbunden fühlten. I. A. Ulrich Straumann, Peter Truöl
Beat Butz schrieb am Eine Persönlichkeit von grosser Authentizität Frau Prof. Verena Meyer war eine aussergewöhnliche Persönlichkeit, die ihre Fähigkeiten und Stärken generös in den Dienst der Wissenschaft in der Schweiz stellte, ohne viel Aufhebens davon zu machen. Frau Meyer beeindruckte durch ihre echte curiosité intellectuelle, die sich auf alle Wissenschaftsbereiche bezog, durch ihre stets inhaltsreichen Voten,die sie in klarer, ruhiger, sachbezogener Sprache vorbrachte, sowie durch ihr unprätentiöses Auftreten und den respektvollen Umgang mit ihren Mitmenschen. Hohe Anforderungen an sch selbst stellend, klare konzeptionelle Vorstellungen entwickelnd, fundiert und überzeugend in ihren Beiträgen, bescheiden in ihrer Selbsteinschätzung - dies alles machte sie zu einer Persönlichkeit, die zu Recht höchste Glaubwürdigkeit und Ansehen genoss. Beat Butz, Dr., ehem. Leiter der Abteilung (IV) Programme (NFP/NFS) des Schweizerischen Nationalfonds
Rudolf Haltiner schrieb am In guter Erinnerung Ich denke mit grossem Vergnügen an Verena Meyers Vorlesungen zurück und behalte sie als hervorragende Dozentin in Erinnerung.

Kommentar schreiben

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Unberücksichtigt bleiben insbesondere anonyme, ehrverletzende, rassistische, sexistische, unsachliche oder themenfremde Kommentare sowie Beiträge mit Werbeinhalten.

Anzahl verbleibender Zeichen: 1000