Jahresmedienkonferenz

Innovation im Dienste der Gesellschaft

Jane Beil-Wagner und Stefan Kleiser gehören zu den ersten Fellows, die am Innovationsprogramm der UZH im Bereich Biomedizin und Life Sciences teilnehmen. Die BioEntrepreneur-Fellowships für junge Forscherinnen und Forscher wurden an der Jahresmedienkonferenz vorgestellt. Dank einer Donation der Werner Siemens-Stiftung kann das Innovationsprogamm ausgeweitet werden.

Stefan Stöcklin

beil wagner
beil wagner
Jane Beil-Wagner plant die biotechnologische Produktion eines Hormons, das bisher dem Blut von schwangeren Stuten entnommen wird, die in Südamerika unter unethischen Bedingungen gehalten werden. (Bild: Adrian Ritter)

 

Die Geschäftsidee von Jane Beil-Wagner, Postdoktorandin am Institut für Labortierkunde der Universität Zürich, kann das Leid tausender von Stuten in Südamerika lindern. Trächtigen Tieren wird nämlich auf ziemlich brutale Art und Weise das Hormon PMSG (pregnant mare serum gonadotropin) aus dem Blut isoliert. Die Tiere werden in so genannten Blutfarmen unter unethischen Bedingungen gehalten und misshandelt. Der Wirkstoff ist bei Züchtern von Schweinen, Rindern und weiteren Nutztieren beliebt, da es die Zuchteffizienz erhöht und die Gruppenhaltung erleichtert.

«Wir haben aus fötalem Gewebe eine Zelllinie isoliert, aus der sich das Hormon in der Kulturschale gewinnen lässt», sagt die Wissenschaftlerin. Dieses Kunststück ist bisher noch niemanden gelungen und macht den Weg frei für die biotechnische Produktion. Die Gründung einer Firma zwecks Entwicklung eines Produktionsprozesses auf der Basis dieser Zellen ist naheliegend.

Die innovative Forscherin bewarb sich beim BioEntrepreneur-Fellowship um Unterstützung und erhielt im September 2017 den Zuschlag. Sie erhält nun 150000 Franken und ein Coaching, um während anderthalb Jahren ihre Geschäftsidee als Firma «Equsave» weiterzuentwickeln. Damit sollen die ersten Hürden überwunden und Investoren vom Projekt überzeugt werden. Geht alles nach Plan, möchte die Jungunternehmerin 2020 ihr Produkt auf dem Markt anbieten.

Nitsch
Nitsch
Alexander Nitsch (im Bild) entwickelt zusammen mit Stefan Kleiser ein Sauerstoffmessgerät für Frühgeborene. (Bild: Adrian Ritter)

 

Grosses Potential hat auch das Messgerät für Sauerstoff von Stefan Kleiser, Postdoc an der Klinik für Neonatologie des Universitätsspitals. Wie seine Kollegin hat er sich erfolgreich um eine Förderung beworben und letzten Herbst eine BioEntrepreneur-Fellowship erhalten. Sein innovatives Gerät misst sehr präzise den Sauerstoffgehalt im Blut des Gehirns von Frühgeborenen und hilft, schwere Entwicklungsstörungen und Frühsterblichkeit zu verhindern.

Wie Alexander Nitsch an der Medienkonferenz ausführte, gebe es weltweit über eine Million Todesfälle bei Frühchen und der Sauerstoffwert im Gehirn sei ein entscheidender Faktor. Das Messgerät «Oxyprem» besteht aus einem weichen Silikonband und wird dem Kind am Kopf angelegt. Dank eingebauten Lichtsensoren kann es den Sauerstoffgehalt von aussen mit hoher Genauigkeit verfolgen. Dies erlaubt eine rechtzeitige Intervention und hilft, Langzeitfolgen zu verhindern.

Erste klinische Studien sind bereits in Gang und das Team um Kleiser hofft, den Oximeter 2020 auf den Markt zu bringen. 2017 erhielten im übrigen zwei weitere Jungforscher eine Fellowship für BioEntrepreneure: Denis Schapiro vom Institut für Molekulare Biologie für eine Software zur Diagnose von Krebs sowie Iwan Zimmermann, vom Institut für Medizinische Mikrobiologie für einen Antikörper gegen multiresistente E.coli-Bakterien.

Innovationsförderung im Zeichen der Zeit

Michael Schaepman, Prorektor Veterinärmedizin und Naturwissenschaften, ist in der Universitätsleitung unter anderem für die Bereiche Innovation und Nachwuchsförderung zuständig. Er erläuterte an der Jahresmedienkonferenz die Ziele der breit aufgestellten Innovationsförderung der UZH, die in den letzten Jahren verstärkt wurde. War die Innovationsförderung der Universitäten in den 1980er Jahren noch praktisch inexistent, sei sie heute erwünscht und neben Ausbildung und Forschung breit akzeptierter Teil der Hochschul-Aufgaben.

Ziel sei es, gesellschaftlich relevante Erfindungen in marktfähige Produkte umzusetzen. Dazu hat die UZH eine Palette verschiedener Plattformen und Förderinstrumente aufgebaut. «Mit den Entrepreneur-Fellowships möchten wir gezielt junge Forschenden, das heisst herausragende Doktoranden und Postdoktoranden, bei der Gründung von Spin-offs unterstützen». Der Fellowship für BioEntrepreneure richtet sich vorderhand an Forschende in den Bereichen Biomedizin und Life Sciences. Für die Zukunft geplant sind weitere Entrepreneur Fellowships in den Bereichen Raumfahrt, Digitalisierung und Medtech.

Schaepman
Michael Schaepman: «Mit den Entrepreneur-Fellowships möchten wir gezielt junge Forschende bei der Gründung von Spin-offs unterstützen.» (Bild: Adrian Ritter)

Transparenz wird gewährt

Dass die neuen Entrepreneur-Fellowships auf Anklang stossen, zeigen nicht nur die vielen Bewerbungen im Bereich Biomedizin und Life Sciences. UZH-Rektor Michael Hengartner konnte auch eine grosszügige Donation von 10.7 Millionen Franken der Werner Siemens-Stiftung für das neue Förderinstrument ankündigen. «Dank dieser Spende können wir den MedTech Entrepreneurship aufbauen und während zehn Jahren mit über einer Million Franken jährlich unterstützen», sagte der Rektor. Mit der Spende werden am Campus Schlieren zudem neue Labors bereitgestellt.

Michael Hengartner zeigte sich über die steigenden Mittel erfreut, die der Hochschule via UZH Foundation von Stiftungen, Unternehmen und Personen zufliessen und die für ausgewählte Vorhaben wie die Entrepreneur-Fellowships oder den Life Sciences Fund verwendet werden. 2017 summierte sich der Betrag auf 27.5 Millionen Franken.

Der Rektor nutzte die Gelegenheit, Grundsätzliches zur Politik der UZH hinsichtlich Spenden und Kooperationen zu sagen: «Schenkungen müssen mit unseren strategischen Zielen vereinbar sein und dürfen die Freiheit von Forschung und Lehre nicht tangieren». Die Universität sei sich der Gratwanderung bewusst, deshalb stehe man für grösstmögliche Transparenz. Ab nächstem Jahr werden alle Drittmittel ab einem Betrag von 100000 Franken offengelegt. Diese Massnahme erfolge freiwillig und setze hinsichtlich Transparenz einen neuen Standard.

Erfreulicher Trend bei den Drittmitteln

Einen Überblick zu den Finanzen der UZH präsentierte zum Schluss der Jahresmedienkonferenz Stefan Schnyder, Direktor Finanzen und Personal. Bei einem Gesamtumsatz von 1.38 Milliarden Franken im letzten Jahr wachsen auch hier die Drittmittel von Schweizerischem Nationalfonds, Wirtschaft und EU sowie weiteren Finanzgebern. Seit 2010 sind die Drittmittel von 202 Millionen Franken pro Jahr um knapp 100 Millionen Franken auf 300 Millionen pro Jahr angestiegen, das heisst um 50 Prozent. «Ein erfreulicher Trend», sagte Schnyder, denn Drittmittel sind ein Zeichen der Wettbewerbsfähigkeit und damit ein Leistungsausweis. Er legte ein weiteres Augenmerk auf die wachsenden Studierendenzahlen in den MINT-Fächern und der Medizin. Gesamthaft bewegt sich die Zahl der Studierenden mit 25672 hingegen stabil auf hohem Niveau.

Die Diskussion drehte sich hauptsächlich um die Lizenzvereinbarungen mit Spin-off-Firmen und den Mitteln, die dadurch an die Universität zurückfliessen. Dieser Betrag liegt aktuell bei rund zwei Millionen Franken im Jahr. Was deutlich macht, dass die Innovationsförderung für die UZH kein grosses Geschäft ist. Oder wie es Michael Hengartner sagte: Wir leisten mit unseren Spin-offs in erster Linie einen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung und Kompetivität des Standortes. Wenn dann doch einmal ein Highflyer mit einem Produkt durchschlagenden Erfolg haben sollte, so wie Charles Weissmann mit dem Interferon, dann würden wir uns auch über Millionenbeträge im zweistelligen Bereich freuen, so der Rektor.

Stefan Stöcklin, Redaktor UZH News

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