Nachhaltigkeitswoche

Haltungen statt Reglemente

Am letzten Mittwoch sprachen Rektoren und Angehörige von fünf Zürcher Hochschulen an einer Podiumsdiskussion über ihre Vision einer «nachhaltigen Hochschule».

Fabio Schönholzer

Podium
Die Teilnehmenden des Podiumsgespräch (v.l.n.r.): Heinz Rhyn (Rektor PHZH), Ulrich Weidmann (Vizepräsident Personal und Ressourcen ETH), Sonja Hasler (SRF Persönlich), Thomas D. Meier (Rektor der ZHdK), Gabriele Siegert (Prorektorin UZH), und Jean-Marc Piveteau (Rektor ZHAW). (Bild: Leonard Bauersfeld)

 

Bis 2030 will die Schweiz ihre Treibhausgasemissionen halbieren. Damit sollen die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreicht werden. Doch was können die Hochschulen dazu beitragen? Dieser Frage wurde an einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche Zürich nachgegangen. Auf dem Podium an der pädagogischen Hochschule: Jean-Marc Piveteau (Rektor ZHAW), Gabriele Siegert (Prorektorin UZH), Thomas D. Meier (Rektor der ZHdK), Heinz Rhyn (Rektor PHZH) und Ulrich Weidmann (Vizepräsident Personal und Ressourcen ETH). Moderiert wurde der Anlass von der Radiojournalistin Sonja Hasler (SRF Persönlich).

Eine Frage der Einstellung

Alle Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer schätzten die Bestrebungen ihrer Hochschulen im Hinblick auf die Nachhaltigkeit zwar als grundsätzlich genügend ein, erkannten jedoch noch einiges an Verbesserungspotenzial.

Bereits heute liessen sich im Hinblick auf die Nachhaltigkeit der Hochschulen aber durchaus positive Entwicklungen erkennen: Beispielsweise mietet sich die UZH in Liegenschaften mit Minergiestandard ein und gewinnt immer mehr Solarstrom, während die PHZH einen modernen Neubau bezogen hat und ihren Mitarbeitenden empfiehlt, Geschäftsreisen nur ab einer Distanz von mehr als 600 Kilometern mit dem Flugzeug zu unternehmen.

Generell sind die Flugreisen von Mitarbeitenden eine der bedeutendsten Ursachen für  hohe CO2-Emissionen. Die Hochschulen seien aber auch darauf angewiesen, dass sich ihre Angehörigen selbständig für klimafreundliche Reisen entscheiden, sagte Jean-Marc Piveteau, Rektor der ZHAW. Er sprach sich aber gegen weitere Reglemente und Verordnungen für Mitarbeitende und Studierende aus: «Wir müssen Haltungen entwickeln und keine weiteren Reglemente einführen.» Nachhaltiges Denken und Handeln sei eine Frage der Einstellung und könne nicht aufgezwungen werden.

Alle auf dem Podium befürworteten die Notwendigkeit eines Rechenschaftsberichts über die nachhaltigen Tätigkeiten ihrer Hochschulen. Einen solchen Nachhaltigkeitsbericht publiziert bislang nur die ETH. Der Bericht ist laut Ulrich Weidmann, Vizepräsident Personal und Ressourcen der ETH, ein bedeutendes Führungsinstrument der Nachhaltigkeitsstrategie, mit dem man auch zeigen könne, dass es sich um ein zentrales Anliegen der Hochschule handle.

Vorlesung zur Nachhaltigkeit

Von Seiten der Studierenden wurde der Wunsch geäussert, Nachhaltigkeit vertieft in die Lehre der Hochschulen zu integrieren. Eine Einführungsvorlesung in Nachhaltigkeit hielten die Podiumsteilnehmer jedoch für ungeeignet. Solche Themen würden bereits in der Lehre an den jeweiligen Hochschulen behandelt: So würden Designer beispielsweise mit Materialwissenschaftlern zusammenarbeiten, angehende Lehrpersonen müssten sich hinsichtlich Lehrplan21 mit entsprechenden Themen beschäftigen und auch im Bereich der Life-Sciences werde über grüne Thematiken gesprochen. An der UZH hätten sich dabei sogar ohne konkrete Anweisung Forschungszentren gebildet, die sich unter anderem mit nachhaltigen Finanzanlagen beschäftigen, wie Siegert anmerkte. Ob es sinnvoll sei, beispielsweise in den Musikwissenschaften eine Vorlesung zur Nachhaltigkeit einzuführen, bezweifelte sie jedoch.

Gemeinsame Leistung

In der abschliessenden Fragerunde stellten sich die Podiumsteilnehmer den kritischen Fragen des Publikums. Insbesondere wurden die Kernaufgaben der Hochschulen diskutiert. Dabei ging es auch um die Frage, inwiefern sie ihre Studierenden zu nachhaltigem Handeln anleiten sollen. Abschliessend kam es zum Konsens: Die Hochschulen hätten zwar eine Vorbildfunktion im Hinblick auf die Nachhaltigkeit, aber blosse Verordnungen sollten vermieden werden. Es gelte vielmehr, gemeinsam mit den Studierenden den Weg zu einer umweltfreundlichen Hochschule zu schaffen. Veranstaltungen wie die Nachhaltigkeitswoche, die aus der Initiative von über hundert Studentinnen und Studenten entstanden ist, seien Schritte in die richtige Richtung.

Swiss Sustainability Week (SSW)

Seit 2013 ist die Nachhaltigkeitswoche Zürich (NHWZ) ein Erfolgsprojekt. Bis anhin fehlte jedoch eine schweizweite Kooperation ähnlicher Initiativen. Die Swiss Sustainability Week (SSW), geplant vom Komitee des Schweizer Verband Studentischer Organisationen für Nachhaltigkeit (VSN), schöpft nun dieses Potential aus und initiierte schweizweit an diversen Hochschulen Nachhaltigkeitswochen und unterstützt dabei langfristig deren Etablierung. Dadurch soll die Thematik Nachhaltigkeit an Schweizer Hochschulen und in der Gesellschaft auf allen Ebenen gefördert werden. Weiter fördert die SSW die Umsetzung des nationalen Forderungs- und Positionspapiers des Verbandes der Schweizer Studierendenschaften(VSS) und VSN an den beteiligten Hochschulen, damit sie und ihre Studierenden eine Vorbildfunktion in Nachhaltigkeit einnehmen können. Die Veranstaltungen der jeweiligen lokalen Nachhaltigkeitswochen führen zur Bildung und Inspiration der Besucherinnen und Besucher, um zu einer Transformation der Gesellschaft in Richtung nachhaltige Entwicklung beizutragen. Die erste SSW fand vom 5. bis 10. März 2018 statt und soll danach jährlich durchgeführt, evaluiert, erweitert und optimiert werden.

Fabio Schönholzer ist Redaktor UZH news.

Kommentar schreiben

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Unberücksichtigt bleiben insbesondere anonyme, ehrverletzende, rassistische, sexistische, unsachliche oder themenfremde Kommentare sowie Beiträge mit Werbeinhalten.

Anzahl verbleibender Zeichen: 1000