Horizon 2020

Eine Cyberethik entwickeln

Wie kann die Sicherheit der digitalen Infrastruktur mit zentralen ethischen Werten wie der Freiheit und dem Schutz der Privatsphäre in Einklang gebracht werden? Die Europäische Kommission hat im Rahmen von «Horizon 2020» ein Konsortium beauftragt, dieser Frage nachzugehen. Koordiniert wird das Projekt vom Ethikzentum der Universität Zürich.

Markus Christen

Cybersecurity
Die digitale Infrastruktur schützen, ohne zentrale ethische Werte preiszugeben: Diesem Anliegen widmet sich das Konsortium CANVAS. (Bild: Thomas Poppenwimmer)

 

Es sind seltene Fälle geworden: Seit die Schweiz beim EU-Forschungsprogramm Horizon2020 nur noch teilassoziiert ist, hat der Anteil der von Schweizer Hochschulen koordinierten Projekten deutlich abgenommen. Umso erfreulicher, dass es der Forschungsgruppe um Markus Christen vom Ethikzentrum der UZH soeben gelungen ist, in einem neuen Projekt die Koordinationsaufgabe zu erhalten – im Projekt CANVAS (Constructing an Alliance for Value-driven Cybersecurity).

Dabei arbeiten neun Hochschulen, eine Datenschutzbehörde und eine Cybersecurity-Firma aus sieben europäischen Ländern zusammen. Sie sollen im Auftrag der Europäischen Kommission in den kommenden drei Jahren massgebliche Akteure aus Forschung, Industrie und Politik zusammenbringen, um gemeinsam zu diskutieren und nach Lösungen zu suchen, wie die Sicherheit der digitalen Infrastruktur (Cybersecurity) mit zentralen ethischen Werten wie Freiheit, Gleichheit oder dem Schutz der Privatsphäre in Einklang gebracht werden kann.

CANVAS fokussiert dabei auf drei Anwendungsbereiche mit spezifischen ethischen Herausforderungen – das Gesundheitswesen, den Finanzbereich und die nationale Sicherheit. Im Gesundheitswesen fallen Daten hoher Sensitivität an, die ausreichend geschützt werden müssen. Gleichzeitig verspricht deren Austausch ein hohes Potenzial für eine Steigerung der Effizienz im Gesundheitswesen. Im Finanzsektor führt die Digitalisierung zu einer eigentlichen Umwälzung der Geschäftsmodelle. Gleichzeitig ist der Finanzbereich ein lukratives Ziel für Cyberkriminelle. Polizei und nationale Sicherheit schliesslich stellen hohe Ansprüche an die Datensicherheit und müssen sich auf neue Herausforderungen wie «Cyberwar» einstellen.

Ein Fokus von CANVAS ist neben der Diskussion die Einbindung der ethischen Perspektive in die Aus- und Weiterbildung von Fachleuten aus Wirtschaft und Wissenschaft. So soll unter anderem ein Referenz-Curriculum für die Ethikausbildung im Bereich Cybersecurity und ein Massive Open Online Course (MOOC) für werteorientierte Cybersecurity entwickelt werden.

Das Konsortium CANVAS wird seine Arbeit im September 2016 aufnehmen. Koordiniert wird es vom Netzwerk „Ethik von Monitoring und Überwachung“ (NEMOS) am Ethikzentrum der UZH  – unter der Leitung von Privatdozent Markus Christen.

CANVAS

Im Rahmen von CANVAS arbeiten elf europäische Institutionen aus sieben Ländern und weitere Fachorgane zusammen: Universität Zürich, Universität Lausanne, Berner Fachhochschule Biel, Vrije Universiteit Brussel (Belgien), Universität Hamburg (Deutschland), Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg (Deutschland), ADAPT Centre der Dublin City University (Irland), Technische Universiteit Delft (Niederlande) und Universitat Rovira i Virgili, Tarragona (Katalonien/Spanien). Das Budget von CANVAS beträgt 1,57 Millionen Euro, davon werden 1 Million Euro von der Europäischen Kommission getragen, den Rest finanziert das Schweizerische Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI).

Markus Christen ist Privatdozent am Ethikzentrum der UZH und koordiniert das Netzwerk «Ethik von Monitoring und Überwachung».

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