Koetser-Preis

Verräterische Augenbewegungen

Der diesjährige Preis der Betty und David Koetser Stiftung für Hirnforschung geht an Christopher Kennard, Professor für Neurologie an der Universität Oxford. Er wird für seine Forschung zu ruckartigen Augenbewegungen ausgezeichnet. Diese kommen bei gesunden Menschen vor, können aber auch auf neurodegenerative Krankheiten hinweisen.  

Ladan Egolf

Preisvergabe am Symposium des Zentrums für Neurowissenschaften: Fritjof Helmchen, David Koetser, Ruth Koetser, Christopher Kennard und Jenny Waters von der Koetser Stiftung. (v.l.n.r.) (Bild: zVg.)

Unsere Augen sind permanent in Bewegung. Sobald wir einen Punkt fixieren, nehmen wir optische Informationen bewusst wahr und verarbeiten sie. Sakkaden werden die schnellen Sprünge zwischen solchen Fixationspunkten genannt.

Der klinische Neurologe Christopher Kennard erforscht solche Sakkaden bei gesunden Menschen, er untersucht jedoch auch, ob sie auf beeinträchtigte Hirnfunktionen hinweisen könnten. Für seine Arbeit wurde er am vergangenen Freitag im Rahmen des jährlichen Symposiums des Zentrums für Neurowissenschaften Zürich (ZNZ) mit dem Preis der Betty und David Koetser Stiftung für Hirnforschung ausgezeichnet.

Frühzeitige Behandlung

Seine Forschungsgruppe untersucht unter anderem Patienten, die an fokalen Hirnläsionen leiden. Die Neurologen wollen herausfinden, welche Hirnregionen an der Erzeugung von Sakkaden beteiligt sind. Die Forschungsgruppe versucht, die Augenbewegungen als Biomarker einzusetzen. Damit sollen neurodegenerative Krankheiten wie Parkinson oder die Huntington-Krankheit erkannt werden, bevor für die Krankheit typische Symptome auftreten. Damit eröffnet diese Forschung die Möglichkeit, solche Krankheiten frühzeitig zu behandeln.

Zur Person Christopher Kennard hat am MRC’s National Institute of Medical Research, London, promoviert. Nachdem er seinen Facharzt in Neurologie in London und Oxford abgeschlossen hatte, arbeitete er als Consultant Neurologistam Royal London Hospital. Anschliessend ging er als Professor für klinische Neurologie an das Imperial College London. Dort wurde er zum Leiter der Abteilung Clinical Neurosciences and Psychological Medicineund später zum stellvertretenden Direktor der Medizinischen Fakultät. 2008 trat er seine jetzige Stelle als Professor für klinische Neurologie an der Universität Oxford an. 2010 wurde er dort Leiter des Nuffield Department of Clinical Neurosciences.

Betty und David Koetser Stiftung Die Betty und David Koetser Stiftung wurde 1993 gegründet und unterstützt in erster Linie klinische Forschung und Grundlagenforschung in Neurologie und Neurobiologie an der Universität Zürich. Zudem verleiht sie jährlich einen mit 20'000 Franken dotierten Preis für herausragende Arbeiten in der Hirnforschung.

Ladan Egolf, Scientific Coordinator, Brain Research Institute UZH

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