Wyss Translational Center Zurich

Die Brücke zur Praxis

Am Montagabend wurde das Wyss Translational Center Zurich feierlich eröffnet. Mit der Donation des Unternehmers Hansjörg Wyss schaffen Universität und ETH Zürich ein neues Entwicklungszentrum. Sein Ziel ist es, innovative Ideen aus der Grundlagenforschung schneller nutzbar zu machen.

Adrian Ritter

Im Gespräch mit der Journalistin Odette Frey: Donator Hansjörg Wyss. (Bild: ETH Zürich, Jonathan Chan)

Die Schweiz nimmt im Bereich der Grundlagenforschung weltweit einen Spitzenplatz ein. Bis jedoch aus einer Erkenntnis der Grundlagenforschung neue medizinische Therapien oder neue Produkte entstehen, dauert es oft lange. Manchmal müssen Projekte wegen fehlender Finanzmittel auf dem Weg in die klinische Umsetzung gar plötzlich gestoppt werden.

Dieses «Valley of Death» zwischen der Wissenschaft einerseits und der Klinik und Industrie andererseits will das neue Wyss Translational Center Zurich überbrücken helfen, erklärten die beiden Co-Direktoren Simon Hoerstrup (UZH) und Roland Siegwart (ETH Zürich) an der offiziellen Eröffnungsfeier am Montagabend an der Universität Zürich.

Universität und ETH Zürich können das neue Zentrum dank der grosszügigen Donation von 120 Millionen Dollar des Unternehmers Hansjörg Wyss gründen. Das neue Zentrum fokussiert auf die zukunftsträchtigen Bereiche der regenerativen Medizin und der Robotik.

Freuen sich für den Forschungsplatz Zürich und Schweiz (von links): UZH-Rektor Michael Hengartner, Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann und Lino Guzzella, Präsident der ETH Zürich. (Bild: ETH Zürich, Jonathan Chan)

Nachwachsende Leber

Seit März 2015 ist das Wyss Translational Center Zurich – kurz Wyss Zurich –  operativ tätig. An der Eröffnungsveranstaltung wurden vier gestartete Projekte vorgestellt. Im Projekt Liver4Life soll Lebergewebe ausserhalb des Körpers gezüchtet werden – bis es gross genug ist, um den kranken Teil der Leber eines Patienten zu ersetzen. Im Projekt LifeMatrix sollen aus humanen Zellen künstliche Prothesen wie Herzklappen und Blutgefässe entstehen, die im Körper eines Kindes mitwachsen.

Forschende des Projektes HeartOne entwickeln Technologien für bessere künstliche Herzpumpen. Im Projekt Zurich Eye entstehen Roboter, die mit Hilfe von Kameras selbstständig navigieren können. Dies wäre zum Beispiel für Fahrzeuge und Fluggeräte im Katastropheneinsatz nützlich. Weitere von Wyss Zurich unterstützte Projekte suchen nach neuen Therapien bei Diabetes, Rückenmarksverletzungen und Multipler Sklerose.

Weiter will Wyss Zurich junge, unternehmerische Teams fördern. Sie erhalten Coaching durch Expertinnen und Experten aus Industrie und Wirtschaft und werden dabei unterstützt, ein Netzwerk von potenziellen Industriepartnern und Kapitalgebern sowie eigene Spin-offs aufzubauen. Dies soll einen möglichst nahtlosen Übergang von der Hochschule in die Unabhängigkeit sicherstellen.

Natürliche Verbündete

«Die Donation von Wyss erlaubt es, die Stärken der beiden Hochschulen optimal zu nutzen», betonten UZH-Rektor Michael Hengartner und ETH Präsident Lino Guzzella in ihrer gemeinsamen Ansprache. Zwar seien die beiden Hochschulen Konkurrenten auf der Suche nach Forschungsgeldern und den besten Forschenden. «Wir sind aber auch natürliche Verbündete – und dies mit langjähriger Erfahrung», sagte Hengartner. Bereits 1971 habe man das erste gemeinsame Institut gegründet.

Im Rahmen der Initiative Hochschulmedizin Zürich (HMZ) arbeiten UZH, ETH Zürich und das Universitätsspital Zürich in der biomedizinischen Forschung seit einigen Jahren noch intensiver zusammen. Gemäss Lino Guzzella kann die Hochschulmedizin Zürich mit einem Kreuzfahrtschiff verglichen werden, das insbesondere die längerfristige Grundlagenforschung unterstützt. Das Wyss Center sei demgegenüber das Schnellboot für Forschung, die bereit sei, in die klinische Praxis umgesetzt zu werden. Das neue Zentrum springt insbesondere dort in die Bresche, wo die Pharmaindustrie kein Interesse zeigt.

Führen das Wyss Zurich (von links): Michael Stucky (Chief Operating Officer) und die Co-Direktoren Roland Siegwart und Simon P. Hoerstrup. (Bild: ETH Zürich, Jonathan Chan)

Alternative Geldquelle

«Ich will mit meiner Spende eine Alternative schaffen zu Geldgebern wie Venture- Kapitalisten, die nach fünf Jahren eine Rendite sehen wollen und ansonsten den Geldhahn zudrehen», sagte Hansjörg Wyss bei der Eröffnungsfeier. Ihm sei bewusst, dass nicht jedes geförderte Projekt ein Erfolg werde, aber: «So ist das Leben. Man kann nicht alles vorhersehen.»

Die Motivation für seine Donationen fasste Wyss mit einem Schmunzeln wie folgt zusammen: Er habe vor einigen Jahren entdeckt, dass er sterblich sei und das Geld nicht mitnehmen könne. Und schon US-Präsident Thomas Jefferson habe gesagt: Wenn das Leben und die eigene Arbeit einen reich gemacht hat, soll man der Gesellschaft etwas zurückgeben. Das neue Zentrum von UZH und ETH Zürich ist nicht die erste Donation von Hansjörg Wyss für den Forschungsplatz Zürich. Den vergangene Woche eröffneten neuen Campus der Universitätsklinik Balgrist hat er mit 14 Millionen Franken unterstützt.

«Genau solche Engagements brauchen wir, wenn die Schweiz auch morgen ein anerkannt starker Standort für Forschung und Innovation sein will», lobte Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann die Initiative von Hansjörg Wyss. Es sei das richtige Mass von Wettbewerb und partnerschaftlicher Zusammenarbeit der Hochschulen, das zum Erfolg führe.

Adrian Ritter ist Redaktor von UZH News.

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