Betty und David Koetser Stiftung

Neurobiologe Massimo Scanziani ausgezeichnet

Der diesjährige Preis der Betty und David Koetser Stiftung für Hirnforschung geht an Massimo Scanziani, Professor an der University of California, San Diego. Seine Forschungsgruppe konnte die Mechanismen aufdecken, die der Balance zwischen neuronaler Erregung und Hemmung im Neokortex von Säugern zugrunde liegen. 

Ladan Egolf

Der Preisträger Massimo Scanziani hat in Zürich promoviert und arbeitete als Professor am Institut für Hirnforschung, bevor er an die University of California, San Diego berufen wurde. (Bild: Howard Hughes Medical Institute)

Der Neokortex wird für höhere Hirnfunktionen wie logisches Denken, Gedächtnisleistung und Sprachsteuerung benötigt. Die koordinierte Aktivität neuronaler Populationen ist essenziell für die gezielte Bewegungssteuerung, die Sinneswahrnehmung und höhere kognitive Leistungen.

Professor Massimo Scanziani und seine Gruppe erforschen die Kontrolle kortikaler Aktivität, insbesondere aber die Mechanismen, welche die Balance zwischen neuronaler Erregung und neuronaler Hemmung (Inhibition) regulieren.

Es ist bereits bekannt, dass bei neuronaler Erregung die Inhibition proportional dazu ansteigt. Allerdings war bisher unklar, ob die Inhibition gleichmässig verteilt ist, oder aber individuell dem Erregungszustand einzelner Neuronen angepasst wird.

Auf die Balance kommt es an

Neueste Forschungsergebnisse Scanzianis am Mausmodell liefern nun eine Antwort auf diese Frage. Die Forscher konnten nachweisen, dass im Kortex die erregenden Neuronen in einem ihrem eigenen Erregungsgrad entsprechenden Mass auch gehemmt werden. Für diese individuell angepasste Inhibition ist eine bestimmte Untergruppe von inhibitorischen Interneuronen zuständig.

Die Erhaltung der Balance zwischen Erregung und Inhibition sind von grosser Relevanz, da bereits kleine Störungen dieser Balance zu Erkrankungen wie beispielsweise Epilepsie und Schizophrenie führen können.

Für seine Arbeit erhält Massimo Scanziani den diesjährigen Preis der Betty und David Koetser Stiftung für Hirnforschung. Er ist Professor an der University of California, San Diego (USA) und Forscher des Howard Hughes Medical Institute. Im Anschluss an die Preisverleihung am 11. September 2014, welche im Rahmen des alljährlichen Symposiums des Zentrums für Neurowissenschaften Zürich (ZNZ)  stattfand, präsentierte Scanziani seine neuesten Forschungsergebnisse in seiner Koetser Gedenkvorlesung. 

Betty und David Koetser Stiftung Die Betty und David Koetser Stiftung wurde 1993 gegründet und unterstützt in erster Linie klinische Forschung und Grundlagenforschung in Neurologie und Neurobiologie an der Universität Zürich. Zudem verleiht sie jährlich einen mit 20'000 Franken dotierten Preis für herausragende Arbeiten in der Hirnforschung. Der Preisträger Massimo Scanziani hat 1993 in Zürich promoviert. Nach seiner Zeit als Postdoc in den USA und in Paris kam er an die Universität Zürich zurück um eine Assistenzprofessur am Institut für Hirnforschung anzutreten. 2002 wurde er dann von der University of California, San Diego rekrutiert, wo er inzwischen als ordentlicher Professor angestellt ist. 2008 wurde er vom prestigereichen Howard Hughes Medical Institute (HHMI), einer Non-Profit-Organisation für biomedizinische Forschung, zum HHMI Forscher ernannt. Diese Auszeichnung erhielt er für seine erfolgreiche Forschung an der Informationsverarbeitung im Säugerhirn.

Dr. Ladan Egolf,
Scientific Coordinator

Laboratory of Neural Circuit Dynamics, UZH.

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