Bankenregulierung

Wie man Finanzmärkte zähmt

Im Rahmen des neu gegründeten Universitären Forschungsschwerpunkts «Regulierung von Finanzmärkten» fand diese Woche eine erste Tagung statt. Dabei wurden juristische und ökonomische Sichtweisen einander gegenübergestellt. 

Adrian Ritter

Hektischer Betrieb an der Börse: Der neue UFSP sucht nach Möglichkeiten, die Fehlentwicklungen der Finanzmärkte zu korrigieren.   (Bild: iStock)

Eigenkapitalvorschriften, Anlegerschutz und «too big to fail»: Die Finanzkrise hat intensive Debatten darüber ausgelöst, wie die Finanzmärkte sinnvoll zu regulieren sind. Die Diskussionen sind für die Schweiz und insbesondere für den Bankenplatz Zürich von grosser Relevanz. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund hat die Universitätsleitung im vergangenen Jahr beschlossen, an der UZH einen entsprechenden Forschungsschwerpunkt zu etablieren.

Der UFSP «Regulierung von Finanzmärkten» analysiert in den kommenden zwölf Jahren auf nationaler wie internationaler Ebene die existierenden und geplanten Regulierungen des Finanzmarktes. Insbesondere die Regulierung auf EU-Ebene hat in der global vernetzten Finanzbranche unmittelbaren Einfluss auf das Marktgeschehen auch in der Schweiz.

Wo aber besteht zu wenig, wo allenfalls zu viel Regulierung? Wie sieht eine sinnvolle Regulierung aus? Diesen Fragen geht der neue UFSP nach. Er analysiert die bestehenden Regulierungen und deren konkrete Umsetzung.

Schutz und Stabilität

Für die ersten vier Jahre sind drei Teilprojekte mit je zwei Hauptthemen vorgesehen: Im «Investment Banking und Wealth Managament» stehen Fragen rund um Anlegerschutz, Marktmanipulation und Insiderrecht an. Das Teilprojekt «Systemstabilität» analysiert Aspekte der Regulierung im Zusammenhang mit Banken-Ratings, der Einlagensicherung und des «too big to fail» – also der Frage, wie Banken Konkurs gehen können, ohne das Finanzwesen insgesamt in Schieflage zu bringen.

Im Teilprojekt «Internationales Finanzmarktrecht» wird die Mitwirkung der Schweiz in internationalen Organisationen wie der Weltbank und die Zusammenarbeit der entsprechenden Akteure wie der Schweizerischen Nationalbank, der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) und ausländischen Zentralbanken und Behörden untersucht. Wichtige Themen werden auch das Bankgeheimnis und die Steuern auf Kapitalanlagen sein.

«Zentrum für Finanzmarktarchitektur» geplant

In allen Projekten werden Fragen der Entstehungsgeschichte von Regulierungen sowie der Ethik im Bankgeschäft einbezogen. Entsprechend ist der neue Forschungsschwerpunkt interdisziplinär angelegt und bringt UZH-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Rechtswissenschaft, Ökonomie, Psychologie, Geschichte, Ethik und Kommunikationswissenschaft zusammen.

Rechtsprofessor Rolf Sethe, Leiter des Forschungsschwerpunktes, weist stolz darauf hin, dass die vorgesehene Zusammenarbeit in Europa einzigartig ist: «Zwar gibt es auch an Finanzstandorten wie London und Frankfurt Forschungsvorhaben zum Thema Bankenregulierung. Diese werden jedoch teilweise von Banken finanziert, was Zweifel an ihrer Neutralität weckt, oder sie sind nicht im gleichen Masse interdisziplinär angelegt.»

An der UZH möchten die am UFSP beteiligten Forscher ihre Zusammenarbeit in der Form eines «Zentrums für Finanzmarktarchitektur» institutionalisieren. Ihre Erkenntnisse werden sie an regelmässigen Tagungen und Workshops mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Finanzbranche, der Politik und der Öffentlichkeit diskutieren.

Tagung zum Anlegerschutz

An der ersten Tagungdes neuen UFSP «Regulierung von Finanzmärkten» am 4./5. Feburar 2013 zeigte sich, dass Ökonomen und Juristen unterschiedliche Ansichten darüber haben, in welchen Bereichen der Finanzwirtschaft Regulierungsbedarf besteht. Die erste Aufgabe des UFSP wird daher darin bestehen, diesbezüglich zu einheitlichen Kriterien zu gelangen.Tagungsbericht

Adrian Ritter, Redaktor UZH News

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