Professorinnen-Apéro

Berufene Frauen

Am diesjährigen Professorinnen-Apéro berichtete die renommierte amerikanische Wissenschaftlerin Hazel Sive, wie sich Frauen am Massachusetts Institute of Technology (MIT) für mehr Gleichstellung engagieren und wie sie Geschlechterfallen umgehen. 

Marita Fuchs

Begegnung und Austausch: Professorinnen-Apéro 2013. (Bild: Marc Latzel)

Das Ziel steht fest: 25 Prozent aller Professuren und 40 Prozent Assistenzprofessuren an der Universität Zürich sollen von Frauen besetzt sein. Der neue Aktionsplan zur Förderung der Chancengleichheit soll dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen.

Damit soll ein Ruck durch die Fakultäten gehen, sagte die Rechtsprofessorin und derzeitige Präsidentin der Gleichstellungskommission Brigitte Tag am Professorinnen-Apéro. Er fand am vergangenen Montag zum vierten Mal im Restaurant Uniturm statt. Auf Einladung der Abteilung Gleichstellung und der Gleichstellungskommission waren auch in diesem Jahr aktive und emeritierte Professorinnen zum gemeinsamen Gespräch und Erfahrungsaustausch gekommen.

Brigitte Tag führte durch den Abend und stellte die Projekte des Aktionsplans zur Förderung der Chancengleichheit vor: So werden an der Mathematisch-naturwissenschaftlichen und der theologischen Fakultät die Berufungsverfahren im Hinblick auf Genderbias – unbeabsichtigte geschlechterbezogene Verzerrungseffekte – unter die Lupe genommen. An der Philosophischen Fakultät wird untersucht, warum so wenig Frauen in Leitungsgremien mitwirken. Die Vetsuisse-Fakultät startet demnächst ihr Projekt zum Thema «kids and careers». Weitere Projekte folgen, sagte Tag.

Mit Verve und Humor

Als Gastrednerin war die amerikanische Biologin und Professorin am MIT in Boston, Hazel Sive, eingeladen, über den Stand der Gleichstellung zu berichten. Sive erzählte mit Verve und Humor von ihrer Hochschule, an die sie 1991 als Assistenzprofessorin berufen wurde. Ihre Zwillinge waren gerade einmal fünf Monate alt, doch von Unterstützung bei der Kinderbetreuung war damals am MIT nicht die Rede. Die junge Biologieprofessorin hatte nur wenige Kolleginnen, keine hatte eine leitende Position inne.

In der Zwischenzeit sind mehr Professorinnen am MIT angestellt, vor allem in der Hirnforschung und der Chemie sei von 2002 bis 2011 ein Anstieg zu verzeichnen, während man Mathematikerinnen nach wie vor mit der Lupe suchen müsse, sagte Sive. Doch der Anstieg der Professorinnen sei nicht von selbst erfolgt, sondern Resultat einer aktiven Politik für die Frauen. Auslöser dieser Entwicklung waren Studien, die die Ungleichheit von Männern und Frauen an der Hochschule aufdeckten.

Kinderbetreuung ausbauen

Sive gab Tipps, wie man den Anteil der Frauen erhöhen kann. Sie plädierte dafür, dass man Frauen länger als bisher die Möglichkeit für eine Festanstellung («tenure») offen halten solle, weil sie durch Familienpflichten häufig einige Jahre in Verzug kämen. Die Kinderbetreuung an Hochschulen müsse unbedingt ausgebaut werden: «Childcare, Childcare und nochmals Childcare!» – rief sie ins Publikum.

Eine weitere Forderung: Doppelkarrieren müssten vermehrt möglich sein. Zudem sei es wichtig, auf Lohngleichheit zu achten und die Auswahl- und Berufungsverfahren auf Genderbias hin zu analysieren. Mentorinnen oder Mentoren müssten den angehenden Akademikerinnen zur Seite stehen, sie in ihrem Selbstvertrauen stützen und Strategien für den Fortlauf der Karriere aufzeichnen.

Ermunterung nötig

Prorektorin Andrea Schenker-Wicki war eingeladen, auf das Gastreferat der amerikanischen Wissenschaftlerin zu antworten. Sie zeigte sich auch davon überzeugt, dass die Gleichstellung von Frauen auf die Agenda der Universität gehöre. Sie sei ebenfalls – wie ihre Vorrednerin – der Meinung, dass Frauen speziell ermuntert werden müssten, eine wissenschaftliche Karriere anzupacken, sagte Schenker-Wicki. Bei der Förderung von Doppelprofessuren sei sie allerdings skeptisch und sehe die Gefahr von Vetternwirtschaft. Doch darüber müsse man reden. Und zum Diskutieren blieb an diesem Abend im Restaurant Uni-Turm genügend Zeit.

Frauen auf Listenplätzen

Auch Rektor Andreas Fischer war am Professorinnen-Apéro zugegen. In seiner Begrüssungsansprache sagte er, die Universität Zürich unterstütze das Bestreben, mehr Frauen zu berufen. Die Zeichen stünden gut: So habe er kürzlich bei Einsicht in zwei Berufungsverfahren nur Frauen auf den ersten drei Listenplätzen angetroffen. Das sei in seiner Zeit als Rektor bisher noch nicht vorgekommen.

Marita Fuchs, Redaktorin UZH News

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