Premiere für Alumni Art History UZH

Videokunst hat sich etabliert

Absolventinnen und Absolventen der Kunstgeschichte der Universität Zürich haben einen eigenen Alumniverein mit den Namen «Alumni Art History UZH» ins Leben gerufen. Im Mittelpunkt der Gründungsfeier stand ein Vortrag über den Aufschwung des Marktes für Videokunst.

Natalie Grob

«Der Markt für Videokunst hat sich nach der Wirtschaftskrise wieder erholt.» Noah Horowitz, Direktor der New Yorker Kunstmesse Armory Show. (Bild: zVg.)

Das Interesse an der ersten Veranstaltung des «Alumni Art History UZH» war gross. Bis auf den letzten Platz war der Vorlesungssaal E-18 im Kollegiengebäude besetzt – einige der über 50 Gäste mussten gar stehen. Sie alle waren gekommen, um den Vortrag des amerikanischen Kunsthistorikers Noah Horowitz über den Aufschwung des Video-Kunstmarktes zu hören und damit die Gründung des neuen Alumni-Vereins zu feiern.

Rekordpreise für Gemälde

Noah Horowitz, Direktor der New Yorker Kunstmesse «Armory Show» und Autor des Buches «Art of  the Deal: Contemporary Art in a Global Financial Market», richtete seinen Fokus auf die Videokunst und deren Preisentwicklung. Er verglich dazu Gemälde und Videokunst an Auktionen. So kam «Der Schrei» des Norwegers Edvard Munch dieses Jahr in New York für eine Rekordsumme von 119,9 Millionen Dollar unter den Hammer. Dem gegenüber fand ein Werk des amerikanischen Video- und Installationskünstlers Bill Viola 2006 einen Käufer für 712’452 Dollar: Die höchste je bezahlte Summe für ein Video.

Dass Videokunst bei Sammlern im Vergleich zu Gemälden nicht so hoch im Kurs steht, hat verschiedene Gründe. So brächten reproduzierbare Werke wie Videos, Fotografien oder Filme in Bezug auf Eigentümerrechte und Konservierung viele Fragen mit sich, erklärte Horowitz. Auch bräuchten die Projektionen viel Platz. Dennoch habe sich die Videokunst etabliert, erklärt der Kunsthistoriker. Es gäbe einen wachsenden Markt dafür, wenn auch nur einen kleinen. Künstler gliederten beispielsweise ihre Videoarbeiten häufig auch in Installationen ein, die dann auf dem Kunstmarkt viel höhere Preise als die reinen Videos generieren.

Videos für 15 bis 150 Dollar

Die Videokunst entstand in den frühen 1960ern. Gemäss Noah Horowitz wurde 1969 erstmals ein Video in den USA versteigert. Bei der New Yorker Galerie «Castelli-Sonnabend Videotapes and Films» konnten Kunstsammler in den Anfängen Videos für 15 bis 150 Dollar mieten oder eine unlimitierte Edition für 40 bis 1000 Dollar kaufen, sagte Noah Horowitz. In den 1970ern erlebte die Videokunst einen ersten Boom. Das Auktionshaus Christie’s versteigerte Nam June Paiks Videoinstallation «Family of Robot: High Tech Child» für 60’000 Dollar. Es war das erste Mal, dass Videokunst auktioniert wurde.

Die 1980er kultivierten den Videoclip. Die Künstler entdeckten neben der Populärkultur die spielerischen Möglichkeiten des Mediums. Von der Wirtschaftskrise 1991 und 2008 blieb dann auch der Kunstmarkt nicht verschont. Doch er erholte sich wieder, so Horowitz und mit ihm der Markt für Videokunst.

«Der Geist Heinrich Wölfflins ist immer noch am Institut zu spüren», Präsidentin des Alumni Art History UZH Chonja Lee. (Bild: zVg)

Erste Professorin für Kunstgeschichte

An diesem Abend feierte nicht nur der Verein Alumni Art History UZH Premiere, sondern auch Chonja Lee als dessen Präsidentin. In ihrer Einführung ging Lee auf die Geschichte des Kunsthistorischen Instituts der Universität Zürich ein. Der Geist Heinrich Wölfflins, einer der Gründer der Kunstgeschichte, sei immer noch am Institut zu spüren. Auch wies sie auf die kontinuierliche Erweiterung des Studienangebots hin – etwa durch die Einrichtung einer Lehr- und Forschungsstelle für Theorie und Geschichte der Fotografie. In diesem Zusammenhang hob sie hervor, dass mit Bettina Gockel die erste Frau als Professorin am Kunsthistorischen Institut tätig sei – seit seiner Gründung im Jahr 1870.

Mehrere Veranstaltungen pro Jahr

In ihrer Ansprache nutzte sie die Gelegenheit, auf die Ziele der Alumni-Organisation hinzuweisen. Alumni Art History UZH wolle die Beziehungen zwischen dem Kunsthistorischen Institut und seinen Ehemaligen sowie zwischen den Ehemaligen untereinander aufrecht erhalten. Absolventinnen und Absolventen des Kunsthistorischen Instituts werde Gelegenheit geboten, ihrem Interesse an Kunst und Kunstgeschichte nachzugehen, gegenseitig Erfahrungen auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.

Die Alumni konnten im Anschluss an die Veranstaltung im Lichthof des Kollegiengebäudes bei einem Apéro ihre eigenen Netzwerke erweitern und sich mit anderen Ehemaligen und den Referenten austauschen. Mit an der Organisation des Anlasses beteiligt war auch die EMAMS, der Executive Master in Art Market Studies.

Natalie Grob, Redaktorin UZH Journal

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