Biopsychologie

Mit Schlaf und Duft zum Lernerfolg

Nicht nur viel Schlaf hilft beim Lernen, sondern auch Düfte. Weshalb dies so ist, erklärte Biopsychologe Björn Rasch in seiner Antrittsvorlesung. Im Anschluss gab er den Studierenden wertvolle Lerntipps mit auf den Weg.

Regula Pfeifer

Schlafen hilft, Gelerntes ins Langzeitgedächtnis zu überführen. Es empfiehlt sich deshalb nicht, ganze Nächte durchzustudieren. (Bild: iStockphoto)

Wer hat vor lauter Lernüberdruss nicht mal mit dem Gedanken gespielt, sich mit einem Buch unter dem Kopfkissen schlafen zu legen? Er wäre in bester Gesellschaft. Bereits die alten Ägypter philosophierten über das Lernen im Schlaf. Die Hoffnung darauf durchzieht die Forschung bis heute und hat fragwürdige technische Hilfsmittel hervorgebracht, die online vermarktet werden, wie Professor Björn Rasch in seiner Vorlesung belustigt anmerkte.

All die Studien haben allerdings erst wenig Beweise und keine praktikable Methode dafür geliefert, dass und wie man im Schlaf etwas von Grund auf neu lernen könnte. Immerhin aber konnten russische Forscher in den 70er-Jahren beweisen, dass sich im Schlaf verfestigt, was im Wachzustand gelernt wird.

Denn das menschliche Gedächtnis funktioniert so: Die Erinnerung an ein Erlebnis gelangt erst in einen Übergangsspeicher und muss dann reaktiviert werden, um im Langzeitgedächtnis abgelegt zu werden. Im Schlaf, besonders im Tiefschlaf, geschieht diese Reaktivierung spontan. Also hilft der Schlaf, Erlebtes oder Gelerntes in den Langzeitspeicher überzuführen. Und so erinnert man sich besser und länger daran.

Nicht ganze Nächte durchstudieren

Björn Rasch rät deshalb den Studierenden, zu akzeptieren, dass der Schlaf sehr wichtig ist für das Gedächtnis. Sie sollten sich danach richten, also nicht ganze Nächte durchstudieren – was viele tun –, sondern abends aufhören und durchschlafen. Auch tagsüber empfiehlt er, Lernpausen oder gar einen Mittagsschlaf einzuschalten. «Das ist definitiv die bessere Strategie, um Informationen langfristig zu speichern», betont der Biopsychologe.

Wer vor lauter Prüfungsangst Schlafprobleme kriegt, tut gut daran, sich dem Stressabbau und der Schlafhygiene zu widmen. Björn Rasch weiss von Studien, die belegen, dass die schulische Leistung von Kindern stark absackt, wenn sie – etwa wegen Atemwegserkrankungen – schlecht schlafen.  

Auch die Lernstrategie ist massgeblich für den Erfolg: «Der goldene Weg zum langfristigen Lernen ist die Wiederholung», bringt Rasch die Sache auf den Punkt. Dabei müsse man das Gelernte abfragen. Wer Vokabeln rein lesend lernen will, ist weniger erfolgreich, als wer diese zudeckt und sich selber abfragt, weiss Rasch aus entsprechenden Studien.

«Wenn Sie sich ein Buch zum Lernen unters Kopfkissen legen – schauen Sie doch vor dem Schlafen noch rein», rät Biopsychologe Björn Rasch. (Bild: Regula Pfeifer)

Düfte für besseres Erinnern

Zudem helfen Düfte das Gelernte speichern. Wenn etwa Rosenöl beim Memory-Spiel und im anschliessenden Schlaf duftet, erinnert sich die Versuchsperson später bedeutend besser an die Karten als ohne Dufteinwirkung. Dies stellte Björn Rasch in einer Geruchstudie fest. Die Sache hat aber ihre Grenzen. Wer oft mit Rosenduft lernt, riskiert, dass im Schlaf mit der Zeit nicht mehr das reaktiviert wird, was er lernen wollte.

Die Mühen des Lernens erübrigen sich leider durch reichliches Schlafen und Düfteschnuppern nicht. Deshalb sagt Björn Rasch: «Wenn Sie sich ein Buch zum Lernen unters Kopfkissen legen, rate ich Ihnen: Schauen Sie doch vor dem Schlafen noch rein.»

Regula Pfeifer, freischaffende Journalistin

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