Wirtschaftschemie

Zwischen Labor und Markt

Die ersten Master-Absolventen des neuen Studiengangs Wirtschaftschemie sind ins Berufsleben eingetreten. Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind gut. Die Industrie ist interessiert an den Grenzgängern zwischen Ökonomie und Chemie.

Adrian Ritter

Wirkstoffe für Medikamente beschaffen, Lieferanten betreuen oder den Packungsprospekt organisieren. Der Arbeitsalltag von Nadia Schmid lässt an Vielfalt nichts zu wünschen übrig. Seit eineinhalb Jahre ist die Wirtschaftschemikerin beim Pharma- und Chemiekonzern Cilag in Schaffhausen als Trainee im Einkauf tätig.

Wirtschaftschemie: Naturwissenschaftliches Fachwissen mit ökonomischem Denken kombinieren. (Bild: iStockphoto/DNY59)

Seit 2004 können Studierende an der Universität Zürich das Fach Wirtschaftschemie studieren. Nadia Schmid ist eine der elf Absolventinnen und Absolventen, die das Studium bisher mit einem Master abgeschlossen haben.

Der Studiengang ist einzigartig in der Schweiz, indem er praxisnah auf eine Tätigkeit in der chemischen oder pharmazeutischen Industrie vorbereitet. «Zentral ist, dass das Studium optimal die ökonomische Denkweise mit fundiertem chemischem Wissen kombiniert», so Nadia Schmid. In ihrem Berufsalltag muss sie sowohl über die Zusammensetzung und Eigenschaften der Cilag-Produkte als auch über Kosten und Absatzmärkte Bescheid wissen.

Marktchancen untersuchen

Gelernt hat Nadia Schmid dies nicht zuletzt im Industriepraktikum, welches zum Studium gehört und mindestens sechs Wochen dauert. Für die Lonza in Visp hat sie damals untersucht, wie die Produktion einer bestimmten chemischen Substanz kostengünstiger gestaltet werden kann.

Auch die Master-Arbeit schreiben die Studierenden in enger Zusammenarbeit mit der Industrie. Nadia Schmid analysierte für ein Unternehmen den Markt für gerichtsmedizinische Geräte und Methoden, um die Chancen für ein neues Produkt abzuschätzen.

Wirtschaftschemikerin Nadia Schmid: «Ich muss sowohl über die Produkte als auch die Absatzmärkte Bescheid wissen.» (Bild: zVg)

Cilag hat gleich drei

«Der neue Studiengang ist in der Branche zwar noch nicht durchwegs bekannt, die Reaktionen seitens der chemisch-pharmazeutischen Industrie sind aber sehr positiv», so die Erfahrung von Stefan Seeger, Professor am Physikalisch-chemischen Institut der Universität Zürich und Initiant des Lehrgangs. Das hat auch Nadia Schmid so erlebt, als sie sich nach dem Studium auf Stellensuche begab.

Die Cilag beschäftigt gleich drei der Zürcher Wirtschaftschemiker – neben dem Einkauf sind sie in der Qualitätskontrolle und im Projektmanagement tätig. «Insbesondere in den Bereichen Verkauf, Marketing, Planung und Beschaffung können Wirtschaftschemiker bei uns eingesetzt werden. Der Studiengang passt auch gut zu unserer Anforderung, die Prozesse vom Lieferanten bis zum Kunden zukünftig noch stärker zu professionalisieren», sagt Daniel Aebischer, Einkäufer bei Cilag.

«Der Studiengang ist zudem eine sehr gute Ausgangsbasis für Führungsaufgaben in Unternehmen», ist Stefan Seeger überzeugt. Wer sowohl betriebswirtschaftliches wie produktspezifisches Wissen mitbringt, ist prädestiniert, strategische Funktionen zu übernehmen. Etwa, wenn es darum geht, die Märkte der Zukunft zu erkennen oder Mitarbeitende zu führen.

Akademischer Weg steht offen

Neben der Tätigkeit in der Industrie steht den Absolventen aber auch der akademische Weg offen. So haben sich drei der elf bisherigen Absolventen mit Master-Abschluss für ein Doktorat entschieden. Wer von Anfang an weiss, dass er in der chemischen Hochschulforschung tätig werden will, dem empfiehlt Seeger jedoch den Weg des herkömmlichen Studiums der Chemie. Wer sich aber für die Schnittstelle zwischen Chemie und Ökonomie qualifizieren will, ist im neuen Lehrgang genau am richtigen Ort.

Adrian Ritter ist Redaktor von UZH News.

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