Buchherstellung im Mittelalter

«Die Mönche suchten das Licht»

Die mittelalterlichen Mönche waren Künstler. Sie kopierten alte Schriften, zeichneten, malten und illustrierten – tagelang, jahrelang. Wie aber entstand solch ein Buch, und was wissen wir heute darüber? Studierende der Kunstgeschichte an der Universität Zürich haben dazu eine Ausstellung gemacht.

Marita Fuchs

Aus dem Film «Der Name der Rose» ist es uns vertraut: Das Bild des stummen Mönches, der im halbdunklen Scriptorium über wertvollen Büchern sitzt und sie illustriert.

Ulrike Koenen, Kunsthistorikerin: «Die Mönche waren eingebunden in einen komplizierten Prozess der Buchherstellung.» (Bild: Marita Fuchs)

«Die Vorstellung vom dunklen Mittelalter ist jedoch falsch», erklärt Ulrike Koenen, Gastprofessorin am Kunsthistorischen Institut. «Die Mönche suchten im Gegenteil das Licht, um gut arbeiten zu können, und sie waren eingebunden in einen komplizierten Prozess der Buchherstellung.» Wurde das Pergament doch mit viel Aufwand aus der Haut von Schaf, Kalb oder Ziege präpariert, dann galt es das Format des Buches festzulegen – oft nach den Regeln des goldenen Schnitts.

Die Ausstellung «Werkstätten der Buchkultur – Damals und heute» vollzieht die mittelalterliche Arbeit der Buchherstellung nach und stellt sie modernen Analysemethoden gegenüber. Schritt für Schritt erfahren die Besucherinnen und Besucher, wie ein Buch entstand: Aufbereitung des Pergaments, Gewinnung von Farbpigmenten, Textniederschrift, Illustration und schliesslich die Buchbindung.

Mit Röntgenblick hinter die Illustration schauen

Gezeigt wird auch, wie die mittelalterlichen Bücher heute wissenschaftlich untersucht werden. Besonders eindrücklich belegen das die Röntgen-Aufnahmen der Illustrationen: Mittelalterliche Künstler wichen gern von der Vorzeichnung ab und versuchten – wie die Maler grosser Bilder – die Komposition der Figuren dem Format anzupassen, so dass die Darstellung stimmig wurde. «Diese künstlerischen Anpassungen bieten Raum für kunsthistorische Deutungen», sagt Ulrike Koenen.

Zwanzig Studierende des kunsthistorischen Instituts haben zusammen mit ihrer Gastprofessorin aus Düsseldorf die Ausstellung konzipiert und umgesetzt. «Nicht nur Theorie zu büffeln, sondern Theorie in Praxis umzusetzen hat sehr viel Spass gemacht», sagt die angehende Kunsthistorikerin Christine Burger.

Die Ausstellung «Werkstätten der Buchkultur – Damals und Heute» eignet sich für alle, die sich für den mittelalterlichen Herstellungsprozess eines Buches interessieren. Die Exponate werden mit viel Text erklärt, zum Lesen braucht es deshalb etwas Geduld. Wer sich lieber durch die Ausstellung führen lässt, kann das tun. Die Studierenden des Seminars erklären Schulklassen oder Familien gerne die Prozesse rund um die Buchherstellung. «Werkstätten der Buchkultur – Damals und Heute». Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Instituts der Universität Zürich in Zusammenarbeit mit dem Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaften der Fachhochschule Köln. Kunsthistorisches Insitut der Universität Zürich, Rämistrasse 73 13. Januar bis 14. Februar 2010 Öffnungszeiten: Di – Fr 13 bis 18 Uhr Sa – So 11 bis 17 Uhr, Mo geschlossenEintritt frei. Wünschen Sie eine kostenlose Führung? Dann melden Sie sich: Telefon 044 634 28 26 oder E-Mail ulrike_koenen@web.de

Marita Fuchs ist Redaktorin UZH News.

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