Tage der Genforschung 2009

Wissenschaft unter das Volk bringen

Anlässlich der Tage der Genforschung 2009 führten am Samstag Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Zürich eine Standaktion am Hirschenplatz in Zürich durch. Über mangelndes Interesse konnten sie sich nicht beklagen.

Marita Fuchs

Der Dekan der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät, Michael Hengartner, erklärt die Forschung mit dem Fadenwurm Caenorhabditis elegans. (Bild: Marita Fuchs)

«Die Leute sind viel besser informiert, als man gemeinhin annimmt», sagt der Neuropathologe Johannes Haybäck, der nun schon zum fünften Mal an einer Standaktion der Tage der Genforschung dabei ist. Entdeckt hat er sein Talent, mit einfachen Worten Forschung zu erklären, auf den Bauernmärkten in Affoltern am Albis. «Meiner Ansicht nach», sagt Haybäck, «ist die Botschaft der Wissenschaftler ja oft recht einfach und darüber lässt sich gut mit den Leuten diskutieren.»

Seit fünf Jahren dabei: Johannes Haybäck ist Neuropathologe und arbeitet in der Arbeitsgruppe von Professor Adriano Aguzzi. (Bild: Marita Fuchs)

Haybäck arbeitet in der Gruppe von Professor Adriano Aguzzi und forscht über Prionen, Erreger des Rinderwahnsinns und der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung. An seinem Stand schauen interessierte Besucher ins Mikroskop. Sie betrachten Schnitte von Zellen, die von Alzheimer befallen sind. Der Forscher erklärt, dass die Prionenforschung auf Dauer helfen könnte, eine präzise Diagnostik und wirkungsvolle Therapie für Prionen-Erkrankungen und andere verwandte Krankheiten, wie zum Beispiel Alzheimer, zu entwickeln.

«Was macht das Leben zum Leben?», Sabine Schrimpf vom Institut für Molekularbiologie. (Bild: Marita Fuchs)

Über Gott und die Welt

Am Stand des Instituts für Molekularbiologie ist Sabine Schrimpf in ein philosophisches Gespräch verwickelt. «Was macht Leben zum Leben? Wie definiert man Leben?», will ein älterer Herr wissen. «Es macht Freude, mit den Leuten zu reden», sagt Schrimpf strahlend. «Ich habe schon öfter Kindergartenkindern erzählt, worüber ich forsche und bin es gewohnt, wissenschaftliche Zusammenhänge mit einfachen Worten darzulegen.» Die Besucherinnen und Besucher an ihrem Stand erfahren etwas über den Nutzen von Modellorganismen, wie dem Fadenwurm Caenorhabditis elegans oder der Fruchtfliege Drosophila melanogaster. Und Schrimpf erklärt, wie Wurm und Fliege helfen können, Krebs zu verstehen.

Elzbieta Krowalska arbeitet am Institut für Pharmakologie und Toxikologie. Sie erklärt, dass die Medikamente von morgen aus der Forschung von heute stammen. (Bild: Marita Fuchs)

Eigene Speichelzellen unter dem Mikroskop

Bei Elzbieta Krowalska betrachten Besucherinnen und Besucher ihre eigenen Zellen unter dem Mikroskop, dazu genügt ein kleiner Speichel-Abstrich. Besonders beliebt ist das bei Kindern, aber auch die Älteren scheuen sich nicht, einmal ihre eigenen Zellen zu untersuchen. Krowalska arbeitet am Institut für Pharmakologie und Toxikologie. Sie erklärt, was am Institut erforscht wird, und erläutert, dass die Forschung helfe, wirkungsvolle Medikamente zu entwickeln. Häufig werde sie gefragt, ob sie mit Versuchstieren arbeite, erzählt Krowalska. Sie erkläre dann, dass Versuchtiere notwendig seien, um umfassend zu forschen und Medikamente gegen Krankheiten finden zu können.

Die diesjährigen Tage der Genforschung, die in der ganzen Schweiz stattfinden, stehen im Darwin-Jahr unter dem Motto: «GENialer Darwin – die Gentage im Licht der Evolution».

Marita Fuchs ist Redaktorin von UZH News

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