Wirtschaftsgeographie

Japan – von Schokoriegeln und grossen Unternehmen

Der japanische Markt verlangt ständig nach Innovationen. Gleichzeitig werden in den Unternehmen traditionelle Werte hochgehalten. Studierende des Geographischen Institutes lernten im Juni vor Ort die japanische Wirtschafts- und Unternehmenskultur kennen.

Sarina Hablützel und Stefanie Knubel

Erdbeer, Pfirsich, Soyabohne und natürlich Grüntee: Die Geschmacksvielfalt beim Schokoriegel «Kitkat» in Japan ist gross. Während etwa in Grossbritannien höchstens zwei neue Geschmacksrichtungen pro Jahr produziert werden, wirft Nestlé in Japan monatlich mehrere neue Geschmacksrichtungen des Schokoriegels auf den Markt.

Peter Jaggy, Direktor der Produktionsabteilung von «Nestlé Japan»: «Ein Unternehmen muss hier ständig mit Innovationen aufwarten». Die Produkte bleiben meist nur kurze Zeit im Verkauf, da die Konsumentinnen und Konsumenten dauernd neue Artikel erwarten.

Grüntee-Schokoriegel: In Japan werden monatlich neue Geschmacksrichtungen auf den Markt geworfen. (Bild: Blogcdn.com)

Nachsicht mit Ausländern

Das rasende Tempo der Veränderung auf dem Konsummarkt steht im Kontrast zu Formen und Traditionen, die in der japanischen Unternehmenskultur eine wichtige Rolle spielen. Das Idealbild einer japanischen Karriere besteht auch heute noch darin, jung in ein grosses Unternehmen mit gutem Namen wie «Sony» oder «Toyota» einzusteigen und diesem bis zur Pensionierung treu zu bleiben. Über Jahre hinweg gilt es, sich als Arbeitnehmer eine gute Position zu erarbeiten.

Eindrücklich wurde dies uns Teilnehmenden der Exkursion auch am Beispiel des Schweizer Startup-Unternehmens «Gaipro» vor Augen geführt. Gemäss Martin Stricker, CEO des Headhunterunternehmens, ist in Japan ein Unternehmen umso angesehener, je grösser und älter es ist und je mehr Kunden es hat.

«Für eine junge, kleine und noch dazu von einem Ausländer geleitete Firma ist es denkbar schwierig, in Japan Fuss zu fassen», berichtete Stricker. Allerdings könne es auch von Vorteil sein, als Ausländer in Japan tätig zu sein. Ihm werde nämlich eher verziehen, wenn er gewisse Höflichkeitsregeln mal nicht einhält.

Wanderung mit japanischer Reiseführerin: UZH-Studierende der Wirtschaftsgeographie während ihrer Exkursion im Juni. (Bild: zVg)

Krisenerprobte Wirtschaft

Ein weiterer Besuch führte uns zu Martin Schulz, Volkswirtschaftler am «Fujitsu Research Institute», der uns über die Wirtschaftsgeschichte des Landes informierte. Japan war es in der Nachkriegszeit gelungen, zur zweitgrössten Wirtschaftsmacht der Welt aufzusteigen - und es verteidigt diesen Platz bis heute. Dies, obwohl sich seine Wirtschaft während der so genannten «Bubble Economy» in den späten 1980er Jahren stark überhitzte und das Platzen der Blase 1990 das Land in eine tiefe Rezession stürzte.

Gemäss Schulz gelang es zwar anschliessend, die Produktion wieder anzukurbeln. Allerdings stieg die Inlandnachfrage nicht an, unter anderem aufgrund der stagnierenden Einkommen der Arbeitenden. Japan hatte vor allem langfristige Investitionen getätigt, jedoch die Produktion zu stark auf den Export ausgerichtet. Entsprechend befinde sich das Land aktuell nicht in einer Finanzkrise, sondern in einer Produktionskrise.

Zum Abschluss der Veranstaltung «Regionale Geographie: Japan» an der Universität Zürich reisten im Juni 19 Studierende der Wirtschaftsgeographie für zwei Wochen nach Japan. Der Schwerpunkt der Exkursion lag auf wirtschafts- und sozialgeographischen Themen: die Gegensätze in der Weltmetropole Tokyo zwischen Trendvierteln und Tagelöhnerquartieren, der Tourismus in ländlichen Regionen und die Produktionsweise grosser Konzerne. Das Seminar stand unter der Leitung von Hermann Escher, Hertha Escher und Stefan Baumann.

Sarina Hablützel und Stefanie Knubel
sind Studentinnen am Geographischen Institut und haben an der Exkursion nach
Japan teilgenommen.

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