Unterstützung durch Branco Weiss

Jugendgruppen erforschen

Der Unternehmer Branco Weiss finanziert an der Universität Zürich ab kommendem Herbstsemester eine Assistenzprofessur für Jugendforschung. Sie soll untersuchen, wie Jugendgruppen funktionieren.

Adrian Ritter

Warum schliessen sich Jugendliche Gruppen an? Wie sind Jugendgruppen organisiert? Solchen Fragen wird sich die neue Assistenzprofessur widmen. (Bild: Stockxpert)

In seinen letzten Wochen als Rektor durfte Hans Weder am Dienstag vom Unternehmer Branco Weiss die definitive Zusage entgegennehmen, ab Herbstsemester 2008 an der UZH eine Assistenzprofessur für Jugendforschung einzurichten. Diese wird am Pädagogischen Institut angesiedelt sein und «Prozesse der Selbstorganisation in Jugendlichen-Gruppen» untersuchen, wie es in der Vereinbarung zwischen Branco Weiss und der Universität Zürich heisst.

Evaluation nach drei Jahren

Branco Weiss, Unternehmer und Mäzen zahlreicher Einrichtungen an Schweizer Hochschulen, stellt die Finanzierung der Assistenzprofessur während maximal sechs Jahren sicher. Nach den ersten drei Jahren soll eine Evaluation der wissenschaftlichen Leistungen über den Fortbestand entscheiden. Die Finanzierung umfasst neben der Entlöhnung der Assistenzprofessur auch zwei 50 Prozent-Stellen für Doktorandinnen und Doktoranden sowie einen jährlichen Betriebskredit. Für die sechsjährige Laufzeit betragen die Kosten insgesamt rund 2 Mio. Franken.

Die Idee, die Forschung zu Jugendfragen zu unterstützen, kam Branco Weiss im Gespräch mit einem Jugendlichen, der ihm von Jugendgruppen berichtete. «Wir wissen wenig darüber, wie solche Gruppen aufgebaut sind und wie sie funktionieren», war das Fazit von Branco Weiss nach der Auseinandersetzung mit dem Thema.

Branco Weiss (links) und Rektor Hans Weder unterzeichnen die Vereinbarung zur Schaffung einer Assistenzprofessur für Jugendforschung. (Bild: Adrian Ritter)

Jugend mit Identitätsproblemen

Sein Interesse gelte keineswegs nur Jugendgruppen, die durch Gewalt auffallen. Von der neuen Professur erhofft er sich vielmehr grundsätzliche Erkenntnisse über die Bedeutung von Jugendgruppen: Warum schliessen sich Jugendliche solchen Gruppen an? Wie bilden sich Jugendgruppen? Welche Werte pflegen sie? Welche Strukturen weisen sie auf?

Weiss vermutet, dass solche Gruppen für Jugendliche attraktiv sind, weil in der heutigen Gesellschaft die Lebensläufe von Jugendlichen weniger vorbestimmt sind, etwa was die Berufswahl anbelangt. «Entsprechend leiden die Jugendlichen stärker an Identitätsproblemen, weil sie sich selber definieren müssen», so Weiss. Die Zugehörigkeit zu einer Jugendgruppe biete sich in dieser Situation an, indem sie eine kollektive Identität ermögliche.

Branco Weiss unterstützt an der UZH auch das Functional Brain Imaging Laboratory. Er finanzierte die Anschaffung den den Betrieb eines 3 Tesla Scanners. Mit diesem werden die neurobiologischen Grundlagen des menschlichen Sozialverhaltens erforscht.

Adrian Ritter ist Redaktor von unipublic.

Kommentar schreiben

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Unberücksichtigt bleiben insbesondere anonyme, ehrverletzende, rassistische, sexistische, unsachliche oder themenfremde Kommentare sowie Beiträge mit Werbeinhalten.

Anzahl verbleibender Zeichen: 1000