Rede von Friedensnobelpreisträger Kofi Annan

Einsatz für ein gutes Klima

1946 hielt Winston Churchill in der Aula der UZH seine berühmte Rede «An die akademische Jugend der Welt». Kofi Annan sprach am Freitag am selben Ort über die Herausforderung des Klimawandels. Die heutige akademische Jugend war in so grosser Anzahl erschienen, dass das Kollegiengebäude einem Bienenhaus glich.

Marita Fuchs

Wie ein Popstar wurde Kofi Annan am Freitagabend von wartenden Studierenden und Besuchern empfangen; viele waren schon eine Stunde vor Türöffnung gekommen, um den ehemaligen Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN) zu sehen und zu hören. Gross die Enttäuschung, als die Aula sich als zu klein erwies für den riesigen Ansturm. Doch die Organisatoren reagierten schnell und effizient, die Rede Annans wurde in mehrere Hörsäle übertragen und auch die Emporen wurden geöffnet. Alle zückten ihr Handy, um ein Foto zu machen. Dem Blitzlichtgewitter begegnete Annan mit stoischer Gelassenheit. Zu Beginn seiner Rede über «The University and the Challenge of Climate Change» ging er scherzhaft auf seine Popularität ein und meinte, dass er schon häufig mit Morgan Freeman verwechselt worden wäre.

Rektor Andreas Fischer, Kofi Annan und Andrea Schenker-Wicki am Freitag in der Aula der Universität Zürich. (Bild: Li-Jiao Sauder Lu)

Rektor Andreas Fischer würdigte seinen berühmten Gast: So wie 1946 Premierminister Winston Churchill in der Aula der Universität Zürich sich an die Akademische Jugend der Welt gewandt habe, so spreche heute Kofi Annan zur zahlreich erschienenen Jugend. Sei Churchill ein Architekt der Nachkriegszeit gewesen, so sei Annan in seiner Tätigkeit als Generalsekretär der Vereinten Nationen der Architekt einer Zeit, die sich nach dem Fall des eisernen Vorhangs durch grosse Veränderungen und weltpolitische Herausforderungen ausgezeichnet hätte.

Die Organisatorin Professor Andrea Schenker-Wicki, Leiterin des Executive MBA-Programms, betonte in ihrer Begrüssungsansprache, dass sich Nobelpreisträger Kofi Annan, nach seiner aktiven Zeit als UN-Generalsekretär nicht zur Ruhe gesetzt habe, er engagiere sich weiterhin und nutze sein diplomatisches Geschick. So habe er zum Beispiel Anfang dieses Jahres in Kenia den beiden zutiefst verfeindeten Rivalen, Mwai Kibaki, dem kenianischen Präsidenten, und Raila Odinga, dem Führer der Opposition, einen Kompromiss abgerungen. Dadurch wurde ein blutiger Konflikt entschärft, der Kenia entlang ethnischer Bruchlinien zu zerreissen drohte.

«Der weltweite Klimawandel ist eine der grössten Herausforderungen unserer Zeit», Kofi Annan, ehemaliger UN-Generalsekretär. (Bild: Li-Jiao Sauder Lu)

Annan unterstrich in seiner Rede die Rolle der Universitäten im Kampf gegen den Klimawandel. Das Motto des diesjährigen UZH-Jubiläums «Wissen teilen» sei der richtige Weg, denn es gehe darum, dass Forscherinnen und Forscher ihre kreativen Ideen für die Würde aller Menschen und den Frieden einsetzten. «Der weltweite Klimawandel ist eine der grössten Herausforderungen unserer Zeit, Frieden und die Sicherheit sind in Gefahr», sagte Annan.

Teurer Hitzekollaps der Erde

Der Klimawandel bedrohe die Lebensgrundlagen von Milliarden von Menschen. Der Anstieg des Meeresspiegels bedinge beispielsweise den Untergang kleinerer Inseln, ganze Landstriche könnten von der Landkarte verschwinden. Ernteeinbrüche, Überschwemmungen und Artensterben seien die Folge. «Fluten, Wirbelstürme, Dürre- und Hitzeperioden werden immer mehr Menschen gefährden», sagte Annan. Ohnehin schon wasserarme Regionen in Afrika könnten vollends verdorren. «Auch Unterernährung wird zu einem immer grösseren Problem.» Letztlich müssten sich Milliarden von Menschen neue Lebensräume suchen. Arme Länder seien vom Klimawandel besonders betroffen, da sich die Menschen dort gegen die Folgen nicht schützen könnten.

Rein ökonomisch gesehen gehe die Rechnung der Klimaerwärmung nicht auf, so Annan. Schon 2006 habe der ehemalige Chef der Weltbank, Nicholas Stern, ausgerechnet, dass Klimapolitik die beste Wirtschaftspolitik ist: Sie kostet nur etwa ein Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes, während der Verzicht auf sie Kosten von bis zu 20 Prozent verursachen könnte. Ein makroökonomisches Modell hat Stern zu dem Ergebnis kommen lassen, dass Klimaschutz – anders als manche meinen – das Wirtschaftswachstum nicht schmälert, sondern langfristig sogar fördert.

Im Blitzlichtgewitter: Kofi Annan. (Bild: Li-Jiao Sauder Lu)

Rasches Handeln erforderlich

Allerdings, so Annan, müsse die Politik rasch die richtigen Entscheidungen treffen: dem Ausstoss des klimaschädlichen Kohlenstoffs weltweit einen Preis verpassen, ökologische Innovationen fördern und sämtliche Hindernisse aus dem Weg räumen, welche die effizientere Verwendung von Energie bremsten. Je früher agiert werde, desto besser, so Annan. Die Schweiz gehe mit gutem Beispiel voran, indem sie für eine Verstärkung des Klimaschutzes einsetze. Der Vorstoss der Schweizer Regierung, mit einer CO2 Abgabe die nötigen Anpassungen finanziell zu fördern, sei ein Schritt in die richtige Richtung.

Die Macht des Wandels

Den Universitäten komme in diesem Prozess eine besondere Rolle zu, sagte Annan. Sie sollten ihr Know-How teilen und schüfen damit die Voraussetzung dafür, wie klimaverträgliche Techniken eingesetzt werden könnten.

Zum Abschluss richtete Kofi Annan seine Worte an die jungen Zuhörer, deren Zukunft auf dem Spiel stehe. «Ihre Generation wird tiefer greifende technische, soziale, ökonomische und politische Fortschritte auslösen als jede andere zuvor. Sie werden als die 'Generation der Veränderung' in die Geschichte eingehen.»

Marita Fuchs ist Redaktorin von unipublic

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