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Spielend forschen

Zwanzig Jahre alt ist das renommierte Artificial-Intelligence Laboratory (AI Lab) der Universität Zürich und den Kinderschuhen längst entwachsen. Nicht zuletzt der spielerische Zugang zur Forschung ist eines der Erfolgsgeheimnisse des Labors, das am Freitag seinen Geburtstag feierte.
Theo von Däniken

«Ich verstehe kein Wort von dem, was ich sage.» Robot Head führte dennoch überzeugend durch die Geburtstagsfeier.

Wie viel Intelligenz braucht es, um einen Festakt zu moderieren? Nicht viel, wäre man versucht zu sagen, denn der Moderator der offiziellen Feier zum 20sigsten Geburtstag des AI Lab gibt freimütig zu: «Ich verstehe kein Wort von dem, was ich sage.».

Doch wer hier moderiert, ist kein Mensch aus Fleisch und Blut, sondern ein Kopf aus Metall, Kunststoff, Drähten, Kabeln und Motörchen: Robot head, oder kurz «RH», kann sprechen und sehen, Augen und Kopf in Richtung der Sprechenden wenden oder übers Publikum schweifen lassen. Ab und zu streut er auch eine mehr oder weniger passende Zwischenbemerkung ein. Um den Anschein zu erwecken, einen Festakt zu moderieren, reicht das allemal. «RH», so sein Schöpfer Rolf Pfeifer, ist aber nicht wirklich intelligent: «Er liest nur Texte, die vorher jemand aufgeschrieben hat.» Damit er all das kann, braucht es jedoch schon ziemlich intelligente Köpfe, die ihm das beigebracht haben.

Der Roboter und sein Schöpfer: «RH» im «Gespräch» mir Rolf Pfeifer.

Natürliche und künstliche Intelligenz

So gesehen, muss die eingangs gestellte Frage ganz anders beantwortet werden: Es braucht eine Menge brillianter Intelligenz, um einen Festakt von einem Roboter moderieren zu lassen. Diese «faszinierende Fülle von natürlicher Intelligenz am AI Lab von Rolf Pfeifer», beeindrucke ihn mehr als die Geschöpfe, die das Lab hervorgebracht habe, meinte denn auch Rektor Hans Weder in seiner Gratulationsadresse.

Als Kind habe er davon geträumt, Roboter zu bauen, sagte Weder. Deshalb blicke er manchmal mit ein wenig Neid auf Rolf Pfeifer. «Er hat eine wissenschaftliche Lizenz, einen kindlichen Traum weiterzuleben.»

Rektor Hans Weder: «Die Universität Zürich ist erfreut, dieses höchst innovative und erfolgreiche Labor bei sich zu haben.»

Die Forschung, die Rolf Peifer betreibt, ist jedoch keine kindliche Spielerei, sondern Wissenschaft von Weltrang. Jüngster Beleg davon ist ein Aufsatz Pfeifers, den er in der vergangenen Woche für die «Science»-Spezialausgabe zum Thema Roboter publiziert hat. «Die Universität Zürich ist deshalb erfreut, dieses höchst innovative und erfolgreiche Labor bei sich zu haben», so Weder.

Maschinen und Roboter zu bauen, gehöre zu den uralten Faszinationen der Menschheit, stellte Hans Peter Wehrli, Dekan der wirtschaftwissenschaftlichen Fakultät, die Arbeit des AI Lab in eine grosse historische Perspektive: «Seit über 2400 Jahren beschäftigen sich die Menschen mit der Idee, Maschinen zu bauen.» Er sieht Rolf Pfeifers Arbeit deshalb in einer langen «Ahnenreihe», die von Plato bis Descartes reiche.

Kopf und Körper

Dass aus einer kleinen Abteilung des Informatik-Instituts ein weltbekanntes grosses Lab habe entstehen können, sei Rolf Pfeifers Konzept des «Embodiment» zu verdanken, sagte Martin Glinz, Managing Director des Instituts für Informatik der Universität Zürich. Intelligenz liegt nicht allein im Kopf sondern ebenso sehr in einem Körper und dem reziproken und dynamischen Austausch zwischen ihnen und der Umwelt: «Es braucht Kopf und Körper für die Intelligenz», so Glinz.

«Intelligenz braucht Kopf und Körper»: Begegnung zwischen natürlicher und künstlicher Intelligenz an der Geburtstagsfeier des AI Lab.

Senomotorische Fähigkeiten eines Kindes

Ernüchternd deshalb auch der Bescheid Pfeifers für «RH»: «Du kannst nicht intelligent sein. Du hast keinen Körper.» Doch Hoffnung besteht, wie die zahlreichen Roboter zeigen: Eine Hand, die greifen kann wie eine menschliche Hand, ein Beinpaar, das beschwingt über ein Laufband marschiert, ein Hündchen, ein Fisch, der ruhig im Wassertank seine Runden zieht.

Rolf Pfeifer, wie sein Roboter ihn «sieht».

«RH» selber ist Teil des Projekts iCub, in dem verschiedene europäische Institute an der Herstellung eines Roboters bauen. Dieser soll immerhin die sensomotorischen Fähigkeiten eines zweijährigen Kindes haben. Wirklich intelligent ist er vielleicht auch dann noch nicht, aber wie «RH» seinem Schöpfer entgegenhielt: «Vorgefertigte Texte von einem Blatt ablesen, das tust du doch auch.»