Von der Bedeutung der Metalle für das Leben

Metall-Ionen sind von essentieller Bedeutung für alle Lebensformen. Sie waren der Fokus des diesjährigen Symposiums der Chemischen Gesellschaft Zürich am 14. Juni 2006 an der Universität Zürich. Vier herausragende Wissenschafter aus Europa und den USA präsentierten neueste Ergebnisse in anwendungs- und grundlagenforschungsorientierter bio-anorganischer Chemie.

Julia Fritz-Steuber, Roland Sigel und Eva Freisinger

Die Vorträge umfassten den gesamten Dimensionsbereich der belebten Welt. Prof. Dr. Holger Dobbek, Inhaber einer Juniorprofessur für Proteinkristallographie an der Universität Bayreuth, referierte über bakterielle Enzyme. Diese können mit Hilfe spezieller, katalytisch aktiver Metallzentren zweierlei Funktionen ausüben: In einem anaeroben, d.h. Sauerstoff-freien, Prozess wird das für viele Organismen giftige Kohlenmonoxid in ungiftiges Kohlendioxid umgewandelt und dadurch Energie gewonnen. In einer zweiten Variante wird Kohlendioxid aerob als Kohlenstoffquelle genutzt, um Vitamin B12 aufzubauen.

Eine «heavy metal band» an einem heissen Sommernachmittag: Von links nach rechts (hinten): Prof. Julia Fritz-Steuber (Präsidentin CGZ), Dr. Eva Freisinger, Prof. Roland Sigel, Prof. Holger Dobbek; vorne, Prof. Dario Neri (Alt-Präsident CGZ), Prof. Yi Lu, Prof. Bernard Meunier, Prof. Henryk Kozlowski. (Bild: zVg)

Prof. Yi Lu, Professor an der Universität von Illinois, bewegt sich mit seiner Forschung im Grenzgebiet zwischen Biologie und Chemie. Der mehrfach ausgezeichnete Professor sprach darüber, wie Proteine auf ihr kleinstmögliches Mass reduziert werden können, ohne dass sie ihre Aktivität verlieren. Im zweiten Teil seines Referates stellte er seine neuesten Ergebnisse in der invitro Evolution von fluoreszierenden Sensormolekülen vor, welche Blei oder kleine organische Moleküle im Nanobereich nachweisen können.

Einfluss von Kupferionen auf Prionen

Die beiden Vorträge nach der Pause befassten sich mit Themen, die einen Bezug zu hochaktuellen medizinischen Fragestellungen haben. Prof. Henryk Kozlowski, Leiter der Bioorganischen und Biomedizinischen Chemiegruppe an der Universität Wrozlaw, referierte über die nach wie vor ungeklärte Frage, warum und wie Prionen eine «falsche» Faltung einnehmen können. Durch diese falsche Faltung werden Krankheiten, wie Creutzfeld-Jacob oder Alzheimer ausgelöst. Er ging dabei auch spezifisch auf den Einfluss von Kupferionen auf diese Fehlfaltungen ein, was unter reger Beteiligung des Publikums diskutiert wurde.

Prof. Bernard Meunier, ehemaliger Leiter des Centre national de la recherche scientifique (CNRS) und nun Verwaltungsratspräsident und CEO der Firma Palumed, stellte neue, vielversprechende Entwicklungen in der Anti-Malariaforschung vor. In der traditionellen chinesischen Medizin wird Artemisia annua, der einjährige Beifuss, schon lange gegen Malaria verwendet. Neue Derivate, hergestellt aus dem Wirkstoff der Pflanze, sind bereits in der klinischen Versuchsphase. Meunier verspricht sich von den neuen Medikamenten, dass der Malariaerreger nicht mehr dagegen resistent wird.

Julia Fritz-Steuber (Biochemisches Institut, Universität Zürich), Roland Sigel und Eva Freisinger (Anorganisch-chemisches Institut, Universität Zürich) haben das Symposium organisiert.

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