Hautkrebswoche Schweiz vom 15. bis 19. Mai 2006

Hau(p)tsache Sonnenschutz

Vorbei die Zeiten, als gebräunte Haut «gesund» bedeutete. Heute und in Zukunft empfehlen Dermatologinnen und Dermatologen vornehme Blässe. Die Krebsliga hat eine Sonnenschutzkampagne lanciert, die sich auch an Universitätsangehörige richtet. Mit kostenlosem Hautcheck und Infomaterial bei den Hochschulsportanlagen des ASVZ.

Brigitte Blöchlinger1 Kommentar

Die meisten Schweizerinnen und Schweizer sind Hauttyp 1, 2 oder 3 – und müssen sich entsprechend gut vor der Sonne schützen. (Bild: Internet, Krebsliga Schweiz)

Bereits um zehn vor elf stehen die ersten Studentinnen und Studenten an, um einen der Fragebögen für den Gratis-Hauttest  auszufüllen und ein kostenloses Müsterchen Sonnencrème zu ergattern. Der anwesende Vertreter der Krebsliga, die die Melanom-Woche bei den Sportanlagen der Zürcher Hochschulen durchführen, ist ein wenig nervös: Der Protagonist, der Hautexperte, ist noch nicht aufgetaucht. «Er wird wohl die Polyterrasse suchen», beruhigt er die Wartenden in freundlichem Berndeutsch. Und so ist es auch. Um fünf nach elf erscheint der begehrte Dermatologe, und die Hautuntersuchungen können beginnen.

Check und Test

Im engen Untersuchungsräumchen wirft der Hautarzt erst einen Blick auf den ausgefüllten Fragebogen: Gab es Melanome in der engeren Verwandtschaft? Hatte man als Kind häufig Sonnenbrände? Welcher Hauttyp ist man? Alles Fragen, die entscheidend sind für die Risikoabwägung, ob jemand eher ein gefährliches Melanom entwickelt oder nicht. Dann wird man höflich gefragt, welche Hautveränderung man gerne zeigen möchte, und der Dermatologe schaut sich die Stelle an und gibt Entwarnung oder empfiehlt eine genauere Untersuchung. Der Check dauert nur gerade fünf Minuten, dann sind die meisten beruhigt wieder draussen und ziehen mit Sonnencrème, Infomaterial und erhöhter Achtsamkeit gegenüber der Sonne von dannen.

Links ein harmloses Pigmentmal, in der Mitte ein verdächtiges Pigmentmal, das dem Dermatologen zu zeigen ist, rechts ein Melanom: Es ist in Form und Farbe unregelmässig und muss sofort behandelt werden. (Bild: Internet, Krebsliga Schweiz)

Sonnenbrand ist keine Bagatelle

Ob die schädlichen UV-Strahlen der Sonne aggressiver geworden sind oder nicht, kann der Vertreter der Krebsliga nicht wissenschaftlich fundiert sagen. Aber das Wissen darum, dass Sonnenbrände die Haut langfristig schädigen und vermehrt zu bösartigen Hauttumoren führen, gilt als gesichert. Deshalb sollten gerade auch Universitätsangehörige, die sich häufig im Freien aufhalten, die Empfehlung beherzigen: Sonnencrème mit hohem Faktor eine halbe Stunde vorher reichlich auftragen, Sonnenbrille mit 100% UV-Schutz bis 400 Nanometer aufsetzen, Nacken, Nase, Oberlippe, Ohren, Schultern (also alle «Sonnenterrassen» des Körpers) vor der Sonne schützen, und los geht’s – möglichst dem Schatten nach.

Schluss mit den Mythen

Die Broschüre der Krebsliga macht mit einigen «Ammenmärchen» Schluss, die noch immer in der Bevölkerung kursieren: Zum Beispiel, dass Bräune ein Zeichen für Gesundheit sei – «Eine gesunde Bräune gibt es nicht. Eine Sonnenbräunung ist immer ein Zeichen, dass die Haut angegriffen ist»; oder dass der Besuch eines Solariums die Haut auf den Sommer vorbereite – «die Haut wird auch im Solarium strapaziert»; oder dass ein kleiner Sonnenbrand halt sein muss auf dem Weg zur Bräune – «die Haut vergisst nichts. Wiederholte Sonnenbrände in den ersten 20 Lebensjahren erhöhen das Hautkrebsrisiko markant.» Oder dass Kinder ihre Augen vor der Sonne nicht zu schützen brauchen – «Helles Sonnenlicht und UV-Strahlen können die Sehschärfe reduzieren und schmerzhafte Entzündungen von Horn- und Bindehaut verursachen. (…) Besonderen Schutz brauchen die Augen von Kindern und Jugendlichen.» Oder dass es im Winter keinen Sonnenschutz brauche – «Kälte und Bewölkung täuschen oft über die Strahlenintensität hinweg. Auch bei bedecktem Himmel dringen bis zu 80% der UV-Strahlen durch die Wolkendecke.»

Schutz und Selbstuntersuchung

Hautkrebs ist die häufigste Krebsform in der Schweiz, und die Fälle nehmen zu. Damit belegt die Schweiz in Sachen Hautkrebsrate europaweit den traurigen zweiten Platz. Jährlich erkranken rund 1600 Menschen an bösartigem schwarzem Hautkrebs, der Metastasen bilden kann. Die Krebsliga empfiehlt deshalb neben dem täglichen Schutz der Haut, dass insbesondere gefährdete Personen (Hauttypen 1 bis 3) regelmässig ihren ganzen Körper auf Hautveränderungen hin untersuchen, von der Kopfhaut bis zu den Zehenzwischenräumen.

Gratisuntersuchungen während der Ersten Nationalen Hautkrebswoche vom 15. bis 19. Mai. (Bild: Internet, Krebsliga Schweiz)

Erste Nationale Hautkrebswoche vom 15. bis 19. Mai 2006Die Krebsliga Schweiz, die Schweizerische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (SGDV)und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) lancieren zum ersten Mal die Hautkrebswoche Schweiz. Im Zentrum stehen die Früherkennung von Melanomen und anderen Hautkrebsformen sowie die Sensibilisierung der Bevölkerung für einen konsequenten Sonnenschutz. Im ganzen Land bieten Dermatologinnen und Dermatologen kostenlose Erstuntersuchungen von auffälligen Pigmentmalen an. 

Brigitte Blöchlinger ist Redaktorin von unipublic.

1 Leserkommentar

Yasiya Boyoglu schrieb am Hautkrebs auch bei dunklem Typ? Ich bin Türkin und habe dunklere Haut. Obwohl immer gesagt wurde, dass dunklere Haut ohne Probleme Sonne verträgt, kann ich sagen, daß oberhalb meiner rechten Brust sich eine dunkle Warze gebildet hat, die von Zeit zu Zeit immer dunkler wurde und sich bis jetzt zu schwarz entwickelt hat. Ich warne alle Hauttypen mit dunklerer Haut, auf Hautveränderungen zu achten und unbedingt bei Verdacht auf Hautkrebs, einen Arzt aufzusuchen.

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