Universität Zürich in der medizinischen Forschung an der Spitze

Die Universität Zürich belegt gemäss dem am Donnerstag publizierten swissUp-Ranking in der medizinischen Forschung den Spitzenplatz in der Schweiz. In den naturwissenschaftlichen Fächern ist die Universität Zürich in der Forschung ebenfalls fast überall in der Spitzengruppe vertreten. Untersucht wurden elf naturwissenschaftliche und medizinische Studienfächer an acht Universitäten, den Eidgenössischen Technischen Hochschulen und erstmals auch an den Fachhochschulen.

Theo von Däniken

Das swissUp-Ranking erhebt verschiedene Indikatoren für die untersuchten Fachrichtungen aufgrund von hochschulstatistischen Daten sowie in Befragungen von Studierenden und Dozierenden. Weil pro Fach bis zu 30 verschiedene Indikatoren erhoben wurden, sind generelle Aussagen kaum möglich. Die Universität Zürich schneidet jedoch insbesondere bei den statistisch erhobenen Forschungsindikatoren (Anzahl Veröffentlichungen, Doktorate pro Professor, akquirierte Forschungsgelder) gut ab.

In der medizinischen Forschung steht die Universität Zürich in der Schweiz klar an der Spitze und geniesst unter den von swissUp befragten Professorinnen und Professoren die höchste Forschungsreputation. Auch in der Chemie ist Zürich mit drei von vier Forschungsindikatoren in der Spitzengruppe vertreten. Einzig bei der Forscherreputation liegt sie in diesem Fach in der Schlussgruppe. Ebenfalls führend ist Zürich – zusammen mit Bern – in der zahnmedizinischen Forschung.

Die medizinische Forschung an der Universität Zürich steht in der Schweiz klar an der Spitze. (Bild: unicom)

Befragungen

Neben den auf hochschulstatistischen Daten beruhenden Indikatoren zur Forschungsleistung wurden weitere Indikatoren durch Befragungen der Studierenden und Dozierenden erhoben. Nach Angaben von swissUp beteiligten sich 2703 Studierende und 1099 Dozierende an der Befragung.

Die Studierenden konnten sich zur Studiensituation gesamthaft, zu den Betreuungsverhältnissen, zum Praxisbezug, sowie der Infrastruktur und der Qualität von Exkursionen äussern. Die Professorinnen und Professoren wurden zur Reputation in der Lehre und in der Forschung befragt. Sie konnten angeben, welche Universitäten – ausser ihrer eigenen – sie Studierenden aufgrund der Lehr- bzw. der Forschungsqualität empfehlen würden.

In der Beurteilung der allgemeinen Studiensituation durch die Studierenden liegt die Universität Zürich in fast allen Fächern im Mittelfeld. Besonders attraktiv sind Biologie und Geographie, wo die Universität in der Beurteilung der Studiensituation in der Spitzengruppe liegt. In beiden Fächern ist die Universität Zürich auch mit zahlreichen anderen Indikatoren in der Spitzengruppe vertreten.

Für Studierende besonders attraktiv: die Fächer Biologie und Geographie. (Bild: unicom)

Zweifel an der Aussagekraft

Für Hans-Dieter Daniel, Leiter der Evaluationsstelle der Universität Zürich, sind die in den Befragungen erhobenen subjektiven Urteile allerdings mit Vorsicht zu geniessen. Aus methodischer Sicht bemängelt er insbesondere die geringe Rücklaufquote. Zudem sei die Repräsentativität der zurückgeschickten Fragebogen nicht ausgewiesen. So beruhen die Angaben zum Medizinstudium an der Universität Zürich bei einer Gesamtheit von 1200 Studierenden, die in Betracht kommen, auf lediglich 36 Fragebogen. «Das swissUp-Ranking will eine Beurteilung der Universitäten aus Sicht der Studierenden vornehmen», so Daniel. «Bei einer solch geringen Rücklaufquote wurde dieses Ziel meiner Meinung nach aber nicht erreicht.»

Daniel kritisiert zudem, dass die Studie nur die Bachelor- und Masterstufe berücksichtigt; die dritte Studienstufe, das Doktorat, wird gänzlich ausgeblendet. «Für eine Universität mit einer starken Forschung ist dies nicht akzeptabel, weil die Doktoratsstufe das Scharnier zwischen Lehre und Forschung bildet», so Daniel. Dieser konzeptionelle Fehler der Studie führe beispielsweise dazu, dass das Fach Biochemie gar nicht in dem Ranking erscheine. SwissUp begründet dies damit, dass die Institute zu klein sind, um aussagekräftige Daten zu erheben. Dem widerspricht Daniel: «An der Universität Zürich hat die Biochemie 137 Doktorierende und geniesst einen sehr guten internationalen Ruf. Es ist ärgerlich, wenn eines unserer Filetstücke nicht in dem Ranking präsent ist.»

Vergleich mit den Nachbarländern

Analoge Erhebungen wurden auch in Deutschland und Österreich durchgeführt, so dass ein Vergleich über die drei Länder hinweg möglich ist. Die Ergebnisse aus Deutschland und Österreich werden allerdings erst anfangs Mai vorliegen. Die Schweizer Hochschulen können aber im internationalen Vergleich gut mithalten, wie swissUp schreibt.

Zufrieden sind die Studierenden insbesondere mit der Infrastruktur. In der Human- und Zahnmedizin profitieren die Studierenden in der Schweiz im Vergleich zu den Nachbarländern von exzellenten Betreuungsverhältnissen. Gemäss swissUp sind die Studierenden in der Schweiz kritischer als ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen aus den Nachbarländern, was die Studienbedingungen betrifft.

Das swissUp-Ranking versteht sich in erster Linie als Hilfsmittel für die Studierenden bei der Studienwahl. Auf der Website www.swissupranking.ch können die Universitäten in mehr als 30 Indikatoren verglichen werden. Dazu stehen weiterführende Informationen über die Studienbedingungen an den Hochschulen zur Verfügung. 

 

Theo von Däniken ist Redaktor von unipublic

Kommentar schreiben

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Unberücksichtigt bleiben insbesondere anonyme, ehrverletzende, rassistische, sexistische, unsachliche oder themenfremde Kommentare sowie Beiträge mit Werbeinhalten.

Anzahl verbleibender Zeichen: 1000