Das Potential von zwei Hochschulen ausschöpfen

Die Veterinärmedizinischen Fakultäten der Universitäten Zürich und Bern bilden ab dem ersten September gemeinsam die «Vetsuisse-Fakultät». Projektleiter Professor Wolfgang Langhans erklärt im unipublic-Interview die Hintergründe der wegweisenden Zusammenarbeit.

Interview: Marita Fuchs

Herr Langhans, eine gemeinsame Fakultät von zwei Hochschulen ist ein Novum für die Schweiz. Welche Überlegungen standen hinter der Gründung der Vetsuisse-Fakultät und welche Vorteile bringt es?

Die Gründung einer gemeinsamen veterinärmedizinischen Fakultät der Universitäten Zürich und Bern muss im Zusammenhang mit der rasanten Entwicklung in der Veterinärmedizin betrachtet werden. Vor 25 Jahren gab es klinische Spezialgebiete wie zum Beispiel die Dermatologie oder die Kardiologie in der Veterinärmedizin noch nicht. Um weiterhin auch im internationalen Umfeld wettbewerbsfähig zu bleiben, muss man heute ausgewiesene Spezialisten auf solchen Gebieten in Forschung und Lehre haben. Die veterinärmedizinischen Fakultäten in Zürich und Bern alleine sind auf Dauer zu klein, um in der ganzen Breite dieses hohe Qualitätsniveau langfristig zu sichern. Mit der Zusammenlegung der Fakultäten können wir Synergien nutzen und das Potential beider Hochschulen ausschöpfen.

Abgesehen von dem guten Ruf beider Fakultäten in Bern und Zürich, gibt es auch Besonderheiten, die man erhalten sollte. Ich denke beispielsweise an die zweisprachige Ausbildung in Bern. Dort werden Prüfungen in deutscher oder französischer Sprache durchgeführt. Dies ist ein Standortvorteil für frankophone Studierende.

An der Gründung der Vetsuisse-Fakultät massgeblich beteiligt: Professor Wolfgang Langhans, Leiter des Projekts. (Bild: zVg.)

Welche Kriterien bestimmen die komplementäre Strukturplanung?

Welches Fachgebiet wo schwerpunktmässig angesiedelt ist, resultiert aus lokalen Gegebenheiten und langfristigen Überlegungen. Die Fachgebiete sollen sich ergänzen und hängen auch mit den Schwerpunkten der Tierkliniken zusammen, die zu den Standorten gehören. Auch in den prä- und paraklinischen Fachgebieten ist eine komplementäre Kompetenzverteilung vorgesehen, die bei Wiederbesetzungen von Professuren schrittweise realisiert wird.

Bedeutet die Aufteilung der Fachgebiete, dass die Studierenden und Dozierenden künftig mehr Zeit im Zug zwischen Zürich und Bern als im Hörsaal verbringen werden?

Nein. Wir haben bei der Planung des neuen Curriculums darauf geachtet, dass Studierende in Bern und in Zürich ihr Kernstudium vor Ort absolvieren können. Der Besuch von Lehrveranstaltungen am anderen Standort wird allenfalls zu einem späteren Zeitpunkt aktuell, wenn aus den bisherigen Vertiefungsrichtungen separate Master-Studiengänge werden, von denen dann nicht mehr alle an beiden Standorten angeboten werden. Zudem werden wir den Anteil von E-Learning-Veranstaltungen erhöhen und Tele-Teaching einführen, das heisst Lehrformen, die unabhängig vom Standort sind.

Ihre Aufgabe als Projektleiter ist mit dem Start der «Vetsuisse-Fakultät » nun abgeschlossen. Werden sie weiter dort tätig sein?

Ich bin als Professor für Physiologie und Tierhaltung an der ETHZ angestellt und wurde für die Umsetzung des Grossprojekts «Vetsuisse» freigestellt. Für mich war es eine grosse Herausforderung und ich bin froh über die Umsetzung, zumal wir anfänglich mit Widerständen zu kämpfen hatten. Zeitlich bin ich dabei bezüglich der Arbeitsbelastung an meine Grenzen gestossen, wovon meine Frau gar nicht begeistert war. Jetzt freue ich mich darauf, wieder an die ETHZ und in die Forschung zurückzukehren.

 Ab dem 1. September 2006 wird die «Vetsuisse-Fakultät» von den zwei Universitäten Bern und Zürich finanziert, geführt und weiterentwickelt. Die «Vetsuisse-Fakultät» wird an zwei Standorten komplementär betrieben. Das ist einmalig in der Schweiz und ermöglicht mit gleichen Ressourcen grössere Leistungen zu erbringen.

Marita Fuchs ist Redaktorin von unipublic

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